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Bewährte Polyphonie

Piraten Bewährte Polyphonie

Nichts gelernt aus Niedersachsen? Wenige Tage nach der Wahl-Schlappe brechen die Piraten schon wieder eine Personaldebatte vom Zaun.

Die bunte Truppe, die so gerne die Macht der Basis predigt, hegt Zweifel, ob Bernd Schlömer noch der richtige Bundesvorsitzende ist. Der wiederum fragt sich einmal mehr, ob die Piraten noch seine Partei sind. Der viel beschworene Neustart nach der Wahl ist damit auf den ersten Blick gründlich in die Hose gegangen.

Auf den zweiten Blick hat die Diskussion ihren Wert, denn es schimmert die nicht ganz unerhebliche Systemfrage durch: Wollen die Piraten ihre Themen künftig über Köpfe verkaufen, ihre Strukturen professionalisieren, zu jedem Thema eine Meinung haben und wollen sie per se an die parlamentarischen Fleischtöpfe? Kurz: Wollen sie so werden wie die anderen, um sich dann im Detail über Laptops in Parlamenten und gespendete Funktionszulagen abzugrenzen? Für diesen Kurs steht Schlömer, obwohl er dabei nicht sonderlich entschlossen auftritt.

Doch es gibt auch nicht wenige Piraten, die Piraten sind, weil sie eben dies alles nicht wollen. Die sich eher neuen Formen der Organisation, Kommunikation und politischen Agitation verpflichtet fühlen. Sie bilden die Keimzelle einer Interessenbewegung, die sich vom klassischen Parteienwesen abgrenzen möchte. Vermutlich sind sie sogar in der Mehrheit. Eine Entscheidung über den Kurs ist nicht absehbar: In bewährter Polyphonie werden die Piraten in den nächsten Monaten über sich selbst referieren. Wohin die Reise geht, entscheidet am Ende der (Nicht)-Wähler.

von Patrick Tiede

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