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Besser als gar kein Abkommen

Iran Besser als gar kein Abkommen

Wenn es um den Iran geht, gibt es für viele nur Schwarz oder Weiß. Die einen jubeln über die Eckpunkte für ein Atom-Abkommen - so wie US-Präsident Barack Obama, der in maßloser Übertreibung von einem „historischen Schritt“ spricht.

Wenn es um den Iran geht, gibt es für viele nur Schwarz oder Weiß. Die einen jubeln über die Eckpunkte für ein Atom-Abkommen - so wie US-Präsident Barack Obama, der in maßloser Übertreibung von einem „historischen Schritt“ spricht. Die anderen, wie Israels Premier Benjamin Netanjahu, sehen die Vereinbarung gleichsam als Baustein für eine iranische Atombombe. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier blieb betont nüchtern: „Was wir auf den Weg gebracht haben, sind Eckpunkte.“

In der Tat ist bei den langwierigen Verhandlungen wenig Konkretes herausgekommen. Weder der Jubel der Befürworter noch die harsche Kritik der Gegner kann sich daher auf Inhalte der Vereinbarung beziehen. Es geht ums Prinzip: Obama und Co. wollen unbedingt einen Kompromiss mit dem Iran schließen. Netanjahu und viele US-Republikaner glauben hingegen, dass man mit dem Iran generell nicht verhandeln könne - weil iranische Politiker seit Jahren gegen Israel hetzen, weil man die Regierung in Teheran nicht für vertrauenswürdig hält und weil man deshalb die islamische Republik unbedingt schwächen und isolieren will.

Doch Schwarz-Weiß-Malerei hilft nicht weiter. Wer Konflikte entschärfen will, muss auf die feinen Nuancen achten. Dazu gehört die Erkenntnis: Ein schlechtes Abkommen ist besser als gar kein Abkommen. Denn wenn man nicht mit dem Iran verhandelt, sind die Folgen klar: „Dass die Iraner einfach auf die Bombe zusteuern, ohne dass irgendein Einfluss darauf genommen werden kann“. Diese Aussage stammt nicht vom iranischen Regime, sondern von einem seiner schärfsten Kritiker - dem in Teheran aufgewachsenen Grünen-Politiker Omid Nouripour.

Ein Scheitern der Verhandlungen hätte im Iran die radikalen Kräfte gestärkt, ein Ende der Isolation wird die gemäßigten Politiker stärken. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an: Auf ein ausformuliertes Abkommen und auf internationale Kontrollen der iranischen Atomanlagen. Lassen sich die Verhandlungspartner darauf ein, wird dies auch der Sicherheit Israels dienen. Das wäre dann wirklich, in Obamas Worten, ein historischer Schritt.

von Stefan Dietrich

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