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Berechtigte Zweifel am Putschversuch

Türkei Berechtigte Zweifel am Putschversuch

Dass es nach dem Putschversuch in der Türkei nicht- wie in der Nacht von einigen Beobachtern noch befürchtet - zu einem Bürgerkrieg gekommen ist, ist trotz der hohen Zahl von Todesopfern eine beruhigende Nachricht. Die Art und Weise, wie schnell der Aufstand beendet werden konnte, lässt dennoch berechtigte Zweifel an der Echtheit des Putsches aufkommen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in den vergangenen Monaten viele Schritte unternommen, die den Weg in ein autoritäres Regime anzeigen. Als gewählter Präsident ist er gegenüber einer Militärregierung trotz allem die demokratischere Variante. Westliche Politiker zögerten daher nicht lange, sich in der Nacht zum Samstag auf seine Seite zu stellen. Mit dem Putsch hat Erdogan nun nach innen wie nach außen ein gewichtiges Argument, den Weg in ein Präsidialsystem weiter zu ebnen.

Dass die Putschisten dabei dilettantisch operierten und grundlegende Erfolgsfaktoren für das Gelingen des Umsturzes außer Acht ließen, spielt dabei keine Rolle. Nur wenige Stunden nach dem Beginn des Aufstandes waren die Anführer verhaftet. Weder Ministerpräsident Binali Yildirim noch Erdogan konnten festgesetzt werden, eine Fernsehbotschaft des Präsidenten nicht verhindert werden. Besetzte Gebäude wie der Istanbuler Flughafen wurden schnell wieder ohne großes Blutvergießen geräumt. Erdogan wiederum entlässt nicht einmal 24 Stunden nach Beginn des Putsches fast 2700 unbequeme Richter. All das beflügelt die Theorien über eine Inszenierung, auch wenn ein Beweis wohl niemals erbracht werden kann.

Für den weiteren Fortgang ist es zudem auch unerheblich. Ganz gleich, wer hinter dem Putsch steckt: Erdogan geht aus dieser Nacht gestärkt hervor, Verlierer hingegen ist die Demokratie.

von Peter Gassner

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