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Auf dem Weg zur Unauffälligkeit

Grünen-Parteitag Auf dem Weg zur Unauffälligkeit

Dank des bremsenden Wirtschaftsfreundes Winfried Kretschmann und des irrlichternden Ausrutschers beim Verfassungsschutz weiß die Öffentlichkeit auch nach dem Parteitags-Wochenende: Die Grünen sind nicht nur eine glatte Ich-will-an-die-Macht-Bewegung.

Aber ein, zwei Ausrutscher sind bei jeder Partei auf fast jedem Parteitag eingepreist.

Kretschmanns Warnung vor einer Überforderung der Gesellschaft steht symbolisch für den Annäherungsprozess einer Oppositionspartei an Regierungsverantwortung. Das Ende der V-Leute ist eine waghalsige Provokation. Aber nach dem unvorstellbaren Versagen der Sicherheitsstrukturen bei der Bekämpfung des NSU-Mordterrors ist selbst diese provokante fahrlässige Idee sehr vielen anderen schon gekommen.

Tatsächlich sind die Grünen dort, wo sie an der Regierung beteiligt sind, um Unauffälligkeit bemüht. Ihr Vorteil ist, da hat die momentan höchste Partei-Autorität Kretschmann schon recht, dass die Grünen in langen Linien denken. Früher ging man vielen Bürgern mit den immer gleichen Umwelt-Warnungen auf den Geist, mittlerweile sind selbst Union oder FDP nachdenklich geworden. Das Maß an Selbstgerechtigkeit, das daraus entsteht, muss die grüne Partei noch zu beherrschen lernen. Sie werden es schneller begreifen, wenn es im Herbst in die Regierung gehen sollte.

Die Grünen können bei der Wahl gewinnen, weil ihnen die Bürger vertrauen dürfen. Da hat Kretschmann recht. Denn er ist das beste Beispiel dafür, dass Grüne ihre großen Grundsätze auch ganz pragmatisch umsetzen können und wollen. Überhaupt zeigt der baden-württembergische Ministerpräsident, dass Grüne auch keine ganz anderen Politiker sind. Vor dem Parteitag mischte er die Öffentlichkeit mit lauten Warnungen vor den Folgen einer unbegrenzten Politik grüner Zumutungen auf, während des Parteitages verfolgte er sämtliche Beschlüsse schweigend, um zum Ende groß gefeiert mit Jürgen Trittin zusammen die Zukunft der eigenen Partei rosarot zu beschreiben. Politik und Macht wird so zum Spiel mit Schräubchen und Rädchen. Eigentlich macht das Angela Merkel auch nicht anders. Deshalb sollte man Schwarz-Gelb noch lange nicht zu den Akten legen.

von Dieter Wonka

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