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Arbeitnehmer brauchen Schutz

Digitalisierung Arbeitnehmer brauchen Schutz

Was passieren kann, wenn Angestellte Arbeit mit nach Hause nehmen, hat Peter Frankenfeld in den 1970er Jahren im Sketch "Papi gehts gut" demonstriert.

Er hat einen Vertrag zuhause liegen lassen und versucht aus dem Büro verzweifelt, seine Frau zu erreichen. Ans Telefon geht aber die kleine Uschi, die immer wieder den Hörer auflegt.

Seit Frankenfelds Zeit hat sich die Arbeitswelt gravierend verändert: Ehefrau Margot wäre im Jahr 2016 wahrscheinlich berufstätig, Töchterchen Uschi in der Kita, und der Büromitarbeiter hätte die Vertragsunterlagen vielleicht auf dem Smartphone, statt Papiere nach Hause mitzunehmen. Womöglich wäre er morgens auch gar nicht erst ins Büro gefahren, sondern im „Home Office“ geblieben.

Die digitale Arbeitswelt macht das und vieles mehr möglich. Wer zuhause arbeitet, kann Beruf und Familie leichter vereinbaren und auf lange Fahrten verzichten. Flexible Arbeitszeiten sind in vielen Betrieben Standard.

Das ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Andererseits fühlen sich immer mehr Menschen verpflichtet, nach Feierabend dienstliche E-Mails zu lesen und erreichbar zu sein. Die Stresssituation, in die Frankenfelds Büromensch durch den Anruf seines Chefs gerät, erlebt heute mancher Angestellte spätabends oder am Wochenende in den eigenen vier Wänden. Das kann das Privatleben belasten und sogar krank machen.

Arbeitsministerin Andrea Nahles hat deshalb Recht, wenn sie die digitale Arbeitswelt reformieren, aber nicht alle Schleusen öffnen will. Arbeitgeber und Gewerkschaften sollen über flexiblere Arbeitszeiten verhandeln können, dabei sollen aber weiter Ruhe- und Maximalarbeitszeiten gelten. „Es muss nicht immer der Acht-Stunden-Tag sein, aber als Norm bleibt er wichtig“, sagt Nahles.

Das muss in einer sich wandelnden Welt nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Aber es ist ungerecht, Nahles deshalb Rückständigkeit vorzuwerfen. Die neue Flexibilität birgt auch Risiken, und die treffen vor allem Arbeitnehmer. Sie muss der Gesetzgeber vor Überlastung schützen. Das ist letztlich auch im Sinne der Unternehmen, denn wer überlastet ist, macht Fehler - so wie Frankenfelds Büromensch, der am Schluss vergisst, was er eigentlich wollte.

von Stefan Dietrich

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