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Altkanzler schadet sich und dem Land

Schröder und Rosneft Altkanzler schadet sich und dem Land

Der Ex-Basta-Kanzler ist mit sich im Reinen. Gerhard Schröder hat erwartungsgemäß kein Verständnis für die Kritik an seinem mutmaßlich neuen Aufsichtsratsjob bei Rosneft im Reich seines „lupenreinen Demokraten“-Freundes Wladimir Putin. Nicht dass er es in seinem Alter nötig hätte, weitere 300000 Euro pro Jahr auf das unter anderem mit Steuergeld üppig gepolsterte Bankkonto zu schieben. Es ist der persönliche Egotrip des 73-Jährigen, sich seine Expertise als Ex-Regierungschef und Strippenzieher immer und immer weiter vergolden zu lassen.

Die deutschen Mitarbeiter des Ölkonzerns und die Gewerkschaften seien wahrscheinlich froh, wenn ein Deutscher bei Rosneft mitspreche, rechtfertigt Schröder sich. Meint er das wirklich ernst? Ein SPD-Politiker, der seine Partei so weit von Arbeitnehmern und Gewerkschaften weggeführt hat wie niemand zuvor, präsentiert sich jetzt in seiner Eitelkeit als „Genosse der Genossen“? Seine Mit-Bosse bei Rosneft werden sich vor Lachen die Bäuche halten - für all die hart arbeitenden Menschen, die dank der Ära Schröder lebenslang draufzahlen, bleibt da nur bitterer Sarkasmus.

Nein, der SPD schadet Schröder nicht mehr. Sie emanzipiert sich, wenn auch zögerlich, von der Agendapolitik, die sie erst die Macht gekostet hat und seither Angela Merkel ein wirtschaftlich-ruhiges Regierungs-Fahrwasser garantierte.

Wem der Altkanzler mit seiner Karriere zwischen den Oligarchen von Putins Gnaden schadet, ist Deutschland. Man muss nicht alles an der westlichen Russlandpolitik gut finden. Nicht alles ist zielführend, manches verschärft eher die Fronten. Sich als Altkanzler aber hinzustellen und sich die Gegenpropaganda zu eigen zu machen, zeigt, wie aalglatt Schröder ist. Er verteidigt die Regierung eines Landes, das nur noch rudimentäre Züge einer fairen Demokratie trägt, in dem die Opposition unterdrückt wird und das sich in Krisenregionen, etwa im Krim-Konflikt und in Syrien, völkerrechtswidrig verhält.

Das zu kritisieren und zu sanktionieren hat mit „Russland-Bashing“ nichts zu tun. Ein früherer Regierungschef, der das behauptet und die völkerrechtswidrige Spaltung der Ukraine zementieren will, macht Deutschland eins ganzsicher nicht: Ehre.

von Michael Agricola

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