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Afrika braucht Perspektiven

Fluchtgründe Afrika braucht Perspektiven

Die Berichte über Folter, Versklavung und Vergewaltigung in libyschen Migrantenlagern haben den Europäern den Gipfel in Abidjan ganz schön verhagelt.

Zu Recht steht nun ein Thema im Fokus, das die Europäische Union gezielt ignoriert hat. Seit Monaten gibt es Berichte über Folter und Vergewaltigungen in Flüchtlings-Gefängnissen des Bürgerkriegslandes. Europas Regierungen haben trotzdem mit Warlords zusammengearbeitet, die sich selbst als Küstenwächter aufspielen. Der Wunsch, Flüchtlinge und andere Migranten möglichst weit vor den europäischen Küsten zu stoppen, war stärker als die Menschlichkeit.

Nun steht wegen dieser Politik auch die Europäische Union am Pranger. Und die ersten Lösungsversuche wirken eher hilflos. Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert, die libysche Regierung müsse die „schrecklichen Lager“ für Vertreter der Vereinten Nationen öffnen. Zumindest jene, auf die sie Einfluss habe. Die afrikanische Union müsse mit allen Gruppen in Libyen sprechen. Der französische Präsident Emmanuel Macron erwägt einen Militäreinsatz gegen Schlepper. Ein sicherer Hafen für Flüchtlinge wird das Land dadurch noch lange nicht. Europas Abschottung hat einen hohen Preis.

Gerade die Zustände in Libyen zeigen aber, dass der EU-Afrika-Gipfel notwendig ist. Die Europäer müssen endlich mit der vielfach - auch von Merkel - versprochenen Bekämpfung der Fluchtursachen Ernst machen. Sie müssen eingestehen, dass zweifelhafte Abkommen mit den Machthabern in Libyen oder mit afrikanischen Diktatoren eben keine Ursachenbekämpfung sind. Die Menschen in Afrika brauchen Perspektiven, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Das ist nicht nur eine kluge Strategie der Migrationspolitik, es ist auch die moralische Pflicht der reichen Länder.

Europa kann zwar nicht alle Probleme Afrikas lösen. Aber es kann viel zur Lösung beitragen, etwa durch eine gerechte Handelspolitik, durch mehr Vorsicht bei Waffenexporten, durch Entwicklungshilfe und Investitionen. Legale Wege nach Europa muss es trotzdem geben - für politisch Verfolgte, Kriegs- und Klimaflüchtlinge, aber auch für Arbeitskräfte. Anders wird man Schleusern und Menschenhändlern nicht das Handwerk legen können.

von Stefan Dietrich

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