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Wichtigste Informationsquelle

OP-Leserin erinnert sich Wichtigste Informationsquelle

Sogar in den Urlaub ließ sich das Ehepaar Stafunsky die OP regelmäßig nachschicken.

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Marga Stafunsky.

Quelle: Björn Wisker (Archiv)

Marburg. Nachdem die Zeiten im Jahr 1946 langsam anfingen, sich etwas zu normalisieren, entschlossen mein Mann und ich uns, in Marburg zu bleiben. Durch einen dankbaren Patienten bekamen wir eine gemütliche Wohnung in der Oberstadt. Bei einem ­unserer Erkundungsspaziergänge in Richtung Schloss entdeckten wir am oberen Markt die ­Geschäftsstelle der „Marburger­ Zeitung“ und entschlossen uns spontan, dieselbe zu abonnieren. Wir waren ja nun Marburger Neubürger und wollten und mussten uns über alles informieren, was in Marburg und drumherum passierte.

Das ist jetzt genau 70 Jahre her und seit dieser Zeit ist kein Tag vergangen, an dem wir „unsere“ Zeitung nicht gelesen hätten. Auch im Urlaub wurde sie uns nachgeschickt. Mein Mann las sie als Erster schon kurz, nachdem sie morgens in aller Frühe im Briefkasten lag. Sie war zwar noch nicht so umfangreich wie heute,­ aber immer auf dem neuesten Stand. Es gab zu dieser Zeit noch kein Fernsehen und dadurch war die Zeitung neben dem Radio die wichtigste Informationsquelle.

Die ersten amerikanischen Filme

Aus der Zeitung konnte man alles Wissenswerte erfahren aus der Politik, vom Sport, wer und wie wo gespielt hatte, was es an der Uni Neues gab, wer geboren, gestorben war und geheiratet hatte und besonders wichtig die Spielpläne der Marburger Kinos, in denen es manches Mal schon die ersten amerikanischen Filme zu sehen gab.

Die Berichterstattung über „kleine Unfälle“ war ein besonderes Thema und wurde nur noch übertroffen von der Nachricht über einen Diebstahl. Ein Fahrrad war gestohlen worden, die Aufregung groß, der Dieb muss unbedingt gefunden und sofort seiner gerechten Strafe zugeführt werden: also ab in die Wilhelmstraße bei Wasser und Brot. Auch die umliegenden, wunderschönen Dörfer fanden in der Berichterstattung ihren gebührenden Platz. Da las man von Trachtenfesten, Kirmes, Vereinsjubiläen, kirchlichen Feiern, einer neuen Schule, einem Dorfgemeinschaftshaus. Man war voll informiert über alles Wissenswerte aus Stadt und Land, und das jeden Tag aufs Neue. Und dennoch konnte sich nicht jeder eine Zeitung leisten. Die gute Nachbarschaft, die ­damals selbstverständlich war, ermöglichte es, dass man seine Zeitung ausborgte und ein Exemplar oft in einem Mehrfamilienhaus die Runde machte. Danach wurden die Zeitungen nicht weggeworfen, sondern gesammelt, ordentlich aufgestapelt, verschnürt und neben den Mülleimer gelegt, wo sie an bestimmten Tagen als „Altpapier“ kostenlos von der Stadt abgeholt wurden zu weiteren Verwendungszwecken. Später ließen sich auch viele Abonnenten „ihre Zeitung“ in ihren Urlaubsort nachschicken oder auch an einen neuen Wohnort.

Ich bin zwar keine gebürtige Marburgerin, lebe aber schon 70 Jahre hier und lese seit dieser Zeit täglich die OP mit großem Interesse. Kommt sie dann sonn- oder feiertags nicht, fehlt sie mir und ich vermisse sie. Freue mich dann auf den nächsten Tag, an dem sie wieder erscheint. Hoffentlich kann ich meine OP noch viele Male lesen.

Dem gesamten OP-Team weiterhin viel Erfolg, viele zufriedene Leser und Glückwunsch zu 150 Jahren.

von Marga Stafunsky

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