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Waldabenteuer mit Peter Honig

Das wäre mal einer Waldabenteuer mit Peter Honig

Tausende Kinder, Jugendliche und mittlerweile erwachsene Menschen kennen Peter Honig. Denn er geht seit 25 Jahren mit Kindern auf Entdeckungstour in den Wald, durch Flüsse und über Wiesen.

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Peter Honig ist seit 1991 Mitarbeiter im Jugendwaldheim. In seinen ersten Jahren hat er eine Allee gepflanzt, die dem außerschulischen Lernort heute Schatten spendet.

Quelle: Patricia Grähling

Roßberg. Peter Honig hat den außerschulischen Lernort im alten Forsthaus in Roßberg von Beginn an mit geprägt. Seit der Gründung des Jugendwaldheims im Jahr 1991 ist er dabei und hat seither Hunderte von Schülergruppen zum Zwergenwald geführt oder auf die Entdeckungsreise zum Holz. Wenn er in Marburg in einem Supermarkt an der Kasse stehe, höre er oftmals hinter sich ein: „Mama, da ist der Herr Honig. Der hat mit uns ein Feuer gemacht, wie ein Waldmensch“. Oftmals erkennen ihn auch die Eltern, kommen mit ihrem Nachwuchs zu Besuch ins Jugendwaldheim und begrüßen Honig freudig. „Diese Erfolge kann man nicht messen“, sagt der 62-Jährige und lächelt still in sich hinein. „Es bedeutet, ich habe eine Situation geschaffen, die so schön ist, dass die Kinder sie in Erinnerung behalten.“ In solchen Momenten wisse er, dass er seine Aufgabe erfüllt habe.

Aber was genau ist eigentlich die Aufgabe von Peter Honig im Jugendwaldheim? „Das ist gar nicht so einfach zu erklären“, sagt er noch nach 25 Jahren. „Heute nenne ich mich selbstbewusst Waldpädagoge.“

Umschulung aus gesundheitlichen Gründen

Den ersten Schritt in die Arbeitswelt tat Honig jedoch mit einer Ausbildung zum Klempner. Aus gesundheitlichen Gründen musste er umschulen, habe dies aber als Chance gesehen, seinem Leben eine völlig neue Richtung zu geben. Honig wurde Arbeitserzieher und kam als solcher zu einem Praktikum in die Lebenshilfewerkstätten in Wehrda. Und dann kam der perfekte Job für ihn.

„Das Jugendwaldheim wurde gerade gegründet“, erinnert Honig sich zurück. Gesucht wurde jemand, der handwerklich geschickt ist und sich um das Gebäude und das Gelände kümmern kann. Zugleich sollte dieser Angestellte mit Schulklassen im Bereich der Umweltbildung arbeiten. „Ich habe gleich gesagt, das mache ich“, erklärt der Waldpädagoge, der seither viele Fortbildungen in dem Bereich gemacht hat.

„Ich habe vorher schon Waschbecken verkauft und Bierleitungen gelegt. Aber meine Einstellung im Jugendwaldheim war ein Glücksfall“, sagt Honig. „Seither bin ich mit Leib und Seele dabei.“ Und das merken die Kinder und Jugendlichen täglich, wenn der gelernte Klempner ihnen seine Lieblingsthemen Wald, Bäume und Holz näherbringt.

Lieblingsprojekt ist der Zwergenwald

Das Lieblingsprojekt von Honig ist der Zwergenwald. Dorthin gehe er mit den Vorschülern und den Erstklässlern und halte Ausschau nach Häusern und Höhlen von Zwergen. „Ich habe nie behauptet, dass es Zwerge gibt“, sagt Honig. Er fördere mit dem Projekt nur die Fantasie der Kinder, dass der Wald von kleinen Lebewesen bewohnt werde.

Entwickelt hat Honig auch das dreitägige Projekt „Die Entdeckungsreise zum Holz“. Kinder schauen am ersten Tag zu, wie Bäume gefällt werden. Am zweiten Tag geht es zu einem Schreiner, und am dritten Tag dürfen die kleinen Handwerker mit Holz in Honigs Werkstatt kreativ werden.

„Ich war schon immer gerne in der Natur“, sagt Honig. Als Kind habe er einen Teddy gehabt und eine Eisenbahn, die im Kreis fuhr - mehr nicht. „Da ging es nach der Schule direkt raus an den Bach. Wir brauchten keine inszenierten Naturerlebnisse.“ Heute sei die Welt anders, daher gebe es Einrichtungen wie das Jugendwaldheim oder auch Waldkindergärten, um Kindern eben solche Naturerlebnisse zu bieten. „Manchmal haben wir Kinder hier, die waren noch nie im Wald. Dabei ist es ein natürliches Bedürfnis von Kindern. Sie spielen sofort mit einem Stock, das ist in ihnen drin - genauso wie das Versteckenspielen und das Bauen von Höhlen.“

Das gehe heute leider vielen Kindern verloren, weil ihnen keine Naturerlebnisse ermöglicht würden. „Deswegen möchte ich mit meiner Umweltbildung möglichst früh ansetzen und die Kinder an die Natur heranführen.“

Kinder sind unebenen Boden nicht mehr gewohnt

Er erlebe es oft, dass Kinder bei ihrem ersten Besuch im Wald immer wieder stolpern, weil sie den unebenen Boden nicht gewohnt seien, sondern nur ebene Flächen. Laut Honig sei der Wald der beste Ort, um motorische Fähigkeiten zu fördern. Dort springen, toben und balancieren Kinder über Baumstämme. „Aber es ist nicht mehr die Regel, dass Kinder in der Natur spielen - egal ob sie auf dem Dorf oder in der Stadt wohnen.“

Wenn Honig übrigens beruflich nicht im Wald ist, dann ist er privat in der Natur unterwegs. So habe er bei einem Alpenwaldprojekt im Urlaub Bäume gepflanzt und gehe ansonsten gerne wandern oder fahre Rad. In seiner Heimat Bad Laasphe spiele er zudem noch aktiv Tischtennis. „Ich bin jedes Wochenende unterwegs“, sagt der 62-Jährige. Dabei hat Honig seit 1994 kein Auto mehr, ein Handy oder einen Computer habe er noch nie besessen. „Ich sehe keinen Grund, wieso ich so was haben sollte.“ Ins Jugendwaldheim komme er von Marburg aus mit dem Bus - auch wenn das teilweise über eine Stunde Zeit koste. „Es gehört für mich zu meinem Beruf, dass ich authentisch bin“, sagt Honig. Daher fliege er auch nicht und trinke nichts aus Plastikflaschen.

Die Kinder, die Honig an der Ladenkasse erkennen, dürften aber bald weniger werden: In sechs Monaten geht der 62-Jährige in Rente. Dann wird es erstmals seit der Gründung 1991 ein Jugendwaldheim ohne Peter Honig geben.

von Patricia Grähling

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