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Stadt, Land, Fluss im Bilderrahmen

Das wäre mal eine(r) Stadt, Land, Fluss im Bilderrahmen

Strich um Strich hat Monika Fischer drei Monate lang eine alte Stadtkarte von Marburg aus dem Jahr 1750 abgemalt - und irgendwie weckte dies bei ihr Interesse an der Kunst. Heute malt sie farben­frohe Aquarelle.

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Aus Berlin nach Marburg

Monika Fischer malt seit 1997 Aquarelle. Ihr Steckenpferd sind Blumenmotive, aber sie bringt auch gerne Landschaften – wie etwa aus dem Frankenland – zu Papier.

Quelle: Patricia Grähling

Heskem. Mit der Gebietsreform hatte Monika Fischer 1974 in der Vermessungsabteilung der Stadt angefangen. „Damals mussten die Karten neu gezeichnet und die neuen außenliegenden Stadtteile hinzugefügt werden“, erklärt sie. Irgendwann bekam sie den Auftrag, eine alte Karte aus dem Jahr 1750 abzumalen und so für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Denn das Original sowie eine Konzeptkarte liegen im Staatsarchiv - heute unter Verschluss.

Fischer hat 1984 einen Arbeitsplatz im Staatsarchiv bezogen. Die Stadt stellte sie drei Monate ab, um dort die Karte detailgetreu abzuzeichnen. „Im Original ist durch Risse und Knicke nicht mehr viel zu erkennen“, sagt Fischer. „Und manche Namen oder Flurbezeichnungen waren nicht mehr lesbar.“ Sie zog Verzeichnisse zu Rate, um die mit Tusche gezeichnete Karte vollständig auszufüllen. „Das war eine wahnsinnige Arbeit“, sagt sie heute rückblickend.

Zum Abschluss colorierte die Heskemerin ihr Werk und färbte es mit Tee und Kaffee - um es auf Alt zu trimmen. Ihre abgezeichnete Karte wanderte schließlich durch zahlreiche Ausstellungen und es gab Poster davon.

„Damals ist mein Interesse an der Kunst geweckt worden“, sagt Fischer. Es sollte aber bis 1997 dauern, ehe sie ihre Leidenschaft begann auszuleben. Damals wurde in Heskem ein Malkurs von der Volkshochschule angeboten. „Da wusste ich sofort: Das ist mein Ding. Das will ich weiter machen.“ Sie besuchte viele Malgruppen, zog auf Malreisen durch das Land, brachte Bilder aus dem Frankenland und vom Bodensee mit nach Hause. „Das sind meine Urlaubsandenken“, erzählt sie. Andere bringen Fotos mit oder kaufen Erinnerungsstücke - Fischer malt sie selber. „Das ist für mich Urlaub. Meinen Malkasten habe ich immer dabei.“

Die Heskemerin malt dann gerne vor Ort, sitzt in der Natur und führt ihre Pinselstriche inmitten von Grün vor traumhaften Kulissen aus. In der Heimat malt sie auch oft von Fotos ab, beispielsweise eine Straße in Heskem, die ihren alten Schulweg markiert. „Vor Ort malen ist schwerer, als von einem Foto abzumalen“, erklärt Fischer. Ein Foto sei bereits ein Ausschnitt, das Motiv sei bereits eindimensional. Sitzt Fischer in der Natur, muss sie selbst den Ausschnitt wählen und die dreidimensionale Realität auf ihre Leinwand zaubern. Und wenn sie die abgemalt hat, ist die Arbeit noch lange nicht geschafft: „Wenn ein Bild fertig ist, dann ist es lange noch nicht fertig. Man setzt immer hier und da noch mal Farbe. Das habe ich schnell gelernt“, sagt die Künstlerin.

Mittlerweile hat Fischer ihre eigenen Aquarelle auch schon in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. „Ich gehe aber bis heute in eine Malergruppe in Kirchhain“, erklärt sie. Das sei ein Geben und ein Nehmen, denn in der Kunst lerne man viel vom Ausprobieren und davon, anderen Künstlern über die Schulter zu schauen.

Eines ihrer ersten Bilder hängt heute noch in der Küche von Fischer: Ein aufgeschlagenes Frühstücksei. „Ich finde es einfach so schön“, sagt sie über das kleine Bild. Die anderen Werke an den Wänden in Flur und Wohnzimmer wechselt sie ständig aus - je nach Geschmack. Mal hängen dort Landschaften, ein anderes Mal Blumen. „Gerade zu Beginn habe ich viele Blumen gemalt“, erklärt Fischer. Eigentlich sei das ihr Steckenpferd. Aber sie probiere sich auch gerne an Landschaften und an Portraits, ebenso an Stillleben. Einer ihrer Pasta-Teller steht schon gerahmt und verpackt bereit. Er ist bald bei einer Ausstellung in Rabenau im Landkreis Gießen zu sehen.

Fischer experimentiert auch mit unterschiedlichen Papieren, nutzt die Vor- und Nachteile geschickt. „Bei Büttenpapier muss man die Farbe gleich perfekt setzen“, erklärt sie. Bei ­Passepartoutkarton hingegen könne sie korrigieren, Farbe wegnehmen und neu setzen.

Fischer erzählt begeistert von den Facetten ihrer Kunst. „Malen ist mein Lebenselixier“, sagt sie. „Ich kann dann alles hinter mir lassen. Das tut der Seele gut“, schwärmt die Ruheständlerin über ihr Hobby.

Sie hängt ihre Kunstwerke nicht nur an die eigene Wand oder zeigt sie bei Ausstellungen. Sie verkauft die großen Bilder, beispielsweise auf dem Kunst- und Kulturmarkt in Hachborn oder bei Dorfjubiläen. Dann hat sie auch selbstgemachte Postkarten mit ihren Lieblingsmotiven im Angebot oder auch Tassen. „Man muss ja immer mal was Neues probieren“, sagt sie - und meint damit sowohl ihre Malerei, als auch ihre kleine Serie an Kunstprodukten.

von Patricia Grähling

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