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Sinn für Nostalgie und alte Motoren

Serie "Das wäre mal einer" Sinn für Nostalgie und alte Motoren

Steffen Kraus will aus seinem Hobby einen Nebenberuf machen und Oldtimer vermieten. Ein früheres Tankstellenhäuschen hat er zu seinem Büro umfunktioniert.

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Steffen Kraus hat ein Faible für alte Fahrzeuge und Geräte. Seinen VW Käfer Baujahr 1967 pflegt und hegt er.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Alte Autos hatten für Steffen Kraus schon in seiner Kindheit eine Anziehungskraft. „Mein Vater ist verrückt nach Oldtimern“, erklärt der 35-Jährige. Daher war er in seiner Heimat Nürnberg früh mit den Namen und Daten der verschiedensten Fabrikate vertraut, wusste, welche Geschichten hinter den Vierrädern der Vergangenheit stehen. Der erste „richtige Oldtimer“, den Familie Kraus hatte, war ein Citroën Traction Avant.

Wenn Steffen Kraus über die alten Fahrzeuge erzählt, geht er bis ins Detail: Der Laie bemerkt, dass es für dem Oldtimerfan um mehr geht als um ein Hobby. Es geht um Leidenschaft für alles, was alt und stilvoll ist. „Manches ist logisch nicht erklärbar“, sagt er.

Mit 16 kaufte er sich seine erste Vespa, seinen ersten Oldie mit 25. Einen Peugeot Coupé. Steffen Kraus kam nach Marburg zum Studium und hatte nebenher zahlreiche Jobs – mit dem Ziel, sein Hobby zu finanzieren.

Inzwischen hat der gebürtige Franke 13 Autos, darunter viele Oldtimer oder Youngtimer – so nennt man nicht ganz so alte Fahrzeuge. „Der Youngtimer-Begriff verschiebt sich“, sagt Kraus. Bezeichnete man früher damit einen 20 bis 30 Jahre alten Wagen, so ist die Definition heute nicht mehr so eindeutig. Die Bandbreite an Youngtimern reicht mittlerweile vom 15 Jahre alten Exoten bis hin zum mehr als 40 Jahre alten Klassiker.

Nicht alle seiner Fahrzeuge sind zugelassen

Wer viele Autos besitzt, hat nicht zwangsläufig zu viel Geld übrig. Steffen Kraus kann sich von keinem seiner Fahrzeuge trennen, auch wenn die Karossen nicht nur Spritfresser sind, sondern vor allem Platz und Pflege benötigen. Lackieren, entrosten, schrauben: Kraus hat mit seinen Schätzen, die im ganzen Landkreis geparkt sind – nicht alle sind derzeit zugelassen –, alle Hände voll zu tun.

Allein, um die Stellplatzmieten zu zahlen, arbeitet Steffen Kraus fast täglich, macht so gut wie nie Urlaub. Er jobbte bereits während des Studiums als Pizza-Lieferant, Taxifahrer oder DJ. „Ich komme vor lauter Arbeiten leider oft wenig dazu, die Fahrzeuge zu nutzen.“ Sein Studium hat er inzwischen an den Nagel gehängt, arbeitet in Teilzeit bei einem Marburger Unternehmen in der Logistik.

Kraus‘ Vater gründete mit Anfang 60 eine Oldtimervermietung in Nürnberg und vermietet nun erfolgreich mehrere Klassiker – ein Job, der auch dem Sohn in Marburg gefallen würde. Noch will Steffen Kraus nicht von einer solchen Dimension träumen, aber er will die Selbstständigkeit ebenfalls – zumindest – teilweise wagen. Mit seinem Start-up-Unternehmen „Mit Stil ans Ziel“ vermietet er bereits eines seiner alten Fahrzeuge – einen roten VW Käfer, Baujahr 1967 – für Spritztouren, Hochzeitsfahrten oder an Oldtimerfans wie seinesgleichen.

Sein "Baby" will er nie verkaufen

„Mein Ziel ist es, jede Saison ein weiteres Fahrzeug zur Vermietung anzubieten.“ Es sollen „Sympathieträger“ sein – nicht die Kunden, sondern seine Autos. Der 35-Jährige spricht von „Autos mit Gesicht“. Es geht ihm nicht vorrangig ums Geschäft, sondern darum, „automobile Nostalgie für jedermann erlebbar zu machen“: um die Besonderheiten der Fahrzeuge, aber auch technischer Geräte oder Gegenstände von „damals“ – von der Schallplatte über Flipperautomaten bis hin zu alten Werbeschildern.

„Mich begeistert das Lebensgefühl, das damit zusammenhängt“, sagt Kraus. Im privaten Alltag fährt er derzeit einen 19 Jahre alten Mercedes Benz Kombi. „Mein Baby, das nie verkauft wird, ist allerdings ein blaumetallic Mercedes 500 SE AMG.“ „Tief, breit, laut. Eine Ludenkarre aus den 80ern“, sagt Kraus.

Die frühere Shell-Tankstelle am Wehrdaer Weg – die seit den 70er-Jahren nicht mehr als solche genutzt wird – ist das Büro des Jungunternehmers – einen besseren Ort hätte der Nostalgie-Fan für sein Projekt nicht finden können. Im ehemaligen Tankstellenhäuschen hat er zum Beispiel eine Registrierkasse, einen Limo-Automaten oder eine Eckbank aus den 60ern sowie zahlreiche stilechte Tankstellenutensilien aufgestellt.

Netzwerke, die er im Laufe der Jahre aufgebaut hat, helfen ihm, solche Fundstücke zu ergattern oder sie wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Ein ehemaliger Sattler und Polsterer aus Gladenbach hat zum Beispiel die Eckbank – 
ein Erbstück – neu bezogen.

Kraus schaut im Internet, stöbert in Foren oder erfährt von Ex-Kommilitonen, die in ganz Deutschland leben, von Sammlerstücken, die doch was für ihn wären. Für den Kauf des seltenen Sinalco-Automaten ist der Marburger 400 Kilometer hin- und zurückgefahren. Eine „Blaupunkt“-Werbelampe aus den 70ern hat er dabei auch ergattert.

„Das Stöbern macht Spaß, man findet immer wieder Neues aus vergangenen Zeiten.“ Auch wenn die Dinge manchmal gar nicht teuer sind: „Die Zeit, die ich fürs Suchen und Finden benötigt habe, darf man natürlich nicht rechnen“, lacht er.

von Anna Ntemiris

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