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„Segelfliegen bedeutet Freiheit“

Das wäre mal eine(r) „Segelfliegen bedeutet Freiheit“

Philipp Schreiber liebt das Fliegen, liebt die Freiheit. Jedes Wochenende steigt er in einen Segelflieger und gleitet durch die ­Lüfte. Nun bereitet er sich auf die Deutsche Meisterschaft vor.

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Philipp Schreiber (sitzend) bereitet sich mit seinen beiden Piloten-Freunden Max Haubold (von links) und Quinten Schönwandt auf seinen nächsten Segelflug vor.

Quelle: Patricia Grähling

Amöneburg. Es ist wie ein Schweben in der Luft, ein langsames Gleiten über Dörfer und Städte hinweg. Die Aussicht ist beeindruckend und doch wirken die Gebäude auf der Amöneburg zum Greifen nah. Freiheit: Das empfindet Philipp Schreiber, wenn er in den Segelflieger klettert und sich in die Lüfte ziehen lässt, wenn er ganz dicht an der Kirche vorbeisegelt und sich von den Winden tragen lässt. „Ich fliege wie ein Vogel in und mit der Natur“, schwärmt er. Dabei könne er entspannen und den Kopf freibekommen.

Der 18-Jährige fliegt seit vier Jahren. Seit er das erste Mal in einem Segelflieger saß, hat ihn dieses Gefühl der Freiheit nicht mehr losgelassen und der Wunsch, den Flieger selbst durch die Luft steuern zu dürfen. Dabei kam Schreiber eher zufällig zum Segelflug. Aber an den Tag kann er sich noch genau erinnern: „Mein Papa hat Modellflug in Kirchhain gemacht, da waren wir. Auf dem Rückweg haben wir hier auf dem Segelflugplatz gehalten, weil Tag der offenen Tür war.“ Er sei bei einem Piloten eingestiegen und mitgeflogen - „und danach habe ich quasi sofort unterschrieben.“ Angst habe er im ersten Moment schon gehabt. „Direkt nach dem Abheben war sie aber weg.“ Einen Fallschirm wirklich gebraucht habe beim FSV Blitz noch niemand.

Auf Prüfung folgte Geduldsprobe

Mit 14 Jahren begann er dann mit den ersten Schulungen, schloss mit 16 Jahren erfolgreich ab. Die Ausbildung zum Segelflug-Piloten erfolgt in drei Abschnitten. „Am Anfang fliegt man mit einem Fluglehrer nach Anweisung. Es ist eigentlich wie in der Fahrschule“, erzählt Schreiber. Nach etwa 60 Starts folgt die erste Prüfung. Anschließend durfte der junge Pilot alleine in den Himmel steigen - aber nur über dem Flugplatz und nur, wenn der Lehrer am Boden zuschaut und Tipps geben kann.“ Verschiedene Flugübungen gehören zu dem zweiten Teil der Ausbildung und Theoriefragebögen mit mehr als 3000 Fragen.

„Da muss man alles wissen rund um Wettergeschehnisse und Technik. Man muss auch auf einer Karte Flugstrecken und Lufträume einzeichnen können.“ Schreiber hat das alles gelernt und bestanden. Mit 16 Jahren durfte er nach der langen Vorbereitung dann endlich seinen Flugschein machen. „Ich habe aber im Dezember Geburtstag. Und da haben wir auf dem Flugplatz Winterpause“, erzählt er. Er musste sich also noch einige Monate gedulden, bis er den letzten Teil der Prüfungen ablegen konnte. „Ein Prüfer vom Regierungspräsidium fliegt drei Mal mit. Wenn alles gut war, darf man ab da alleine fliegen.“

Ganz alleine kann Schreiber sein Hobby aber nicht ausüben. „Das geht nur im Team“, sagt er. Mit den zwei Jung-Piloten Quinten Schönwandt und Max Haubold bereitet er einen Segelflieger vor. Die werden in Anhängern in der Halle gelagert. Zusammen rollen die drei jungen Männer den Korpus aus dem Anhänger auf die Wiese heraus. Dann müssen erst die Tragflächen montiert werden. Vor jedem Flug wird der Flieger neu zusammengesetzt. Um nun starten zu können, braucht Schreiber neben seiner kleinen Bodentruppe noch weitere Helfer: den Windenfahrer und den Flugkoordinator am Boden. „Für einen Start brauche ich mindestens vier Helfer.“

Schreiber bereitet sich auf die Meisterschaft vor

Die Arbeit ist dann allerdings vergessen, wenn Schreiber sich in die Lüfte erhebt. Jedes Wochenende ist er auf dem Flugplatz, jedes Wochenende segelt er am Himmel entlang. An diesem Tag dreht er nur kleine Platzrunden, denn es ist bewölkt, kein gutes Flugwetter. Perfekt sei es, wenn der Himmel blau ist und Schäfchenwolken langsam vorbeiziehen. Dann bleiben die jungen Piloten schon mal mehrere Stunden in der Luft. „Mein längster Flug dauerte siebeneinhalb Stunden“, erzählt Schreiber. Er ließ sich von der Luft bis Bamberg treiben, über Umwege zurück nach Amöneburg. „Im Sonnenuntergang sind wir dann wieder hier gelandet. Es war eine beeindruckende Aussicht.“ 500 Kilometer legte er zurück. Aber nicht nur so zum Spaß, denn der 18-Jährige ist ehrgeizig: „Mein Ziel ist es, nächstes Jahr an der Deutschen Segelflugmeisterschaft teilzunehmen“, erzählt er. Es sei ein Leistungssegelflug, bei dem es darum gehe, Strecke zurückzulegen.

Schreiber selbst sei da schon ehrgeizig: „Ich fliege von Wolke zu Wolke. Dabei geht es um Geschwindigkeit und Strecke.“ Seine Zeiten lade er dann ins Internet hoch und vergleiche sie mit den Flugzeiten anderer Piloten. „Wenn andere schneller fliegen, vergleiche ich und gucke, was ich noch besser machen kann.“

Der Ehrgeiz hat bald allerdings erst mal eine Zwangspause: Im Winter sieht man am Himmel über der Amöneburg keine Segelflieger. Schreiber ist in der Zeit trotzdem regelmäßig am Flugplatz. „Wir warten dann die Flugzeuge und bringen sie auf Vordermann“, sagt er.

Manche Flieger des Vereins seien noch aus Holz, rund 60 Jahre alt. „Die haben sich bewährt.“ Die Flugschüler starten meist mit diesen. „Ich mag gerne unsere Plastikflieger“, sagt er mit einem Lachen. Die seien aus Kohlefaser, fliegen schneller und bringen mehr Leistung. „Außerdem sitzt man bequemer darin.“

Das Segelfliegen geht Schreiber „über so ziemlich alles“. Die Jugendfeuerwehr habe er schon vor einigen Jahren aufgegeben. Nicht aufgegeben hat er das Abitur, das er derzeit macht. „Es braucht schon viel Koordination, Schule und Hobby unter einen Hut zu bringen. Aber bisher hat alles geklappt“, sagt der leidenschaftliche Pilot. Auf die ein oder andere Party allerdings verzichte er schon mal. „Wenn am nächsten Tag tolles Wetter ist und ich früh raus muss, dann geht das vor“, erzählt er. Für einen pünktlichen Start um 10 Uhr müsse er immerhin gegen 6 Uhr am Flugplatz sein. Dafür nimmt er aber hin und wieder Freunde oder Familie mit auf ­einen Flug.

Einen eigenen Segelflieger hat Schreiber nicht. Die Mitglieder vom FSV Blitz, der den Flugplatz betreibt, dürfen die sieben Segelflieger des Vereins nutzen. „Es ist also kein so teures Hobby“, verrät er.

von Patricia Grähling

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