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Schwätzen, häkeln und Gutes tun

Das wäre mal eine(r) Schwätzen, häkeln und Gutes tun

Stricken, kochen und vor allen Dingen organisieren: Das liegt Regina Freidhof sehr. In der Spinnstube Sindersfeld bringt sie sich mit ihren Fähigkeiten ein - und genießt dabei die gesellige Frauenrunde.

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Regina Freidhof näht, kocht und bastelt seit acht Jahren mit den Sindersfelder Frauen für den guten Zweck.

Quelle: Patricia Grähling

Sindersfeld. Lachen schallt aus dem Raum im Feuerwehrhaus. Die Fenster sind geöffnet und lassen die Kühle Abendluft hinein und dafür die Stimmen und das Gelächter der Frauen hinaus. Im Gebäude sitzen Frauen aller Altersklassen um einen Tisch - jede vor sich eine Handarbeit oder kreatives Bastelwerk, frisches Gebäck und ein Glas Wasser. Hier und da steht auch ein Wein.

Gut gelaunt tauschen die Frauen sich über das Geschehen in Sindersfeld und der Welt aus. Ganz nebenbei häkeln sie gelbe Taschen, basteln Weihnachtsbaumschmuck mit silbernen Sternen und Perlen oder gießen neue Kerzen aus Wachsresten. Die Spinnstube Sindersfeld ist eine gesellige Frauenrunde, die sich alle drei Wochen trifft. Zu der Runde gehört auch Regina Freidhof. Sie bastelt und backt nicht nur für die Gruppe, sie übernimmt auch die Organisation.

Freidhof ist seit sieben Jahren Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins in dem katholischen Stadtteil von Kirchhain. Als solche zeichnet sie auch für die „Abteilung“ Spinnstube verantwortlich - und bringt sich tatkräftig ein.

Freidhof gehört der Gruppe seit der Gründung vor acht Jahren an. „Ich will damit die Gemeinschaft im Dorf fördern“, erklärt sie. Daher laden die Frauen auch regelmäßig alle Sindersfelder zu einem Dorfcafé ein, um sie zu Gesprächen an einen Tisch zu bringen.

Der Jahreshöhepunkt, auf den die 24 Frauen der Spinnstube immer wieder hinarbeiten, ist der Weihnachtsbasar der Spinnstube. Auf „Kerns Hoob“ verkaufen sie in diesem Jahr wieder am 19. November ihre Handarbeiten für einen guten Zweck. Dann gibt es nicht nur die Kerzen und Taschen zu kaufen, sondern auch Mützen, Stofftiere für Kleinkinder und jede Menge Weihnachtsdeko und Geschenkideen. „Wir fahren auch auf andere Märkte und schauen, was es dort so gibt“, verrät Freidhof. So sammeln die Frauen neue Ideen, etwa für einen Nudelstrauß mit Tomatensoße. „Das ist mal was anderes, als dem Beschenkten einen Blumenstrauß in die Hand zu drücken.“

Ältere Frauen erzählen Geschichten von früher

Für den Basar mache Freidhof „alle Arbeiten, die so anfallen“. Die Handarbeiten haben sie damals von ihrer Mutter gelernt - und in der Schule, als Häkeln und Stricken noch unterrichtet wurden. Neben dem Stricken von Mützen backe sie auch Kuchen, binde drei Tage lang mit den anderen Frauen Adventskränze und helfe, den Hof weihnachtlich für den Markt zu dekorieren. Zudem bereitet sie selbst Marmeladen und Liköre vor sowie Backmischungen im Glas und Glühweingewürz. Zu den Backmischungen müssen die Käufer nur noch die frischen Zutaten zugeben, also Eier und Milch. Der Rest ist bereits kunstvoll aufgeschichtet im Glas. „Die Cookie-Mischungen werden mir da aus der Hand gerissen“, verrät Freidhof. Die Haferplätzchen habe im vergangenen Jahr allerdings kaum einer kaufen wollen. „Die musste ich dann alle selbst backen.“

Die Zutaten für die hausgemachten Leckereien baut Freidhof auch selbst an: „Ich habe einen großen Garten und viele Obstbäume“, sagt sie. In die Marmelade komme ihr deshalb nur, was auch im Sindersfelder Garten wachse. Den Likör macht die Sindersfelderin eigens für den Basar, ansonsten verkauft sie ihn nicht., „Wir trinken dann nur manchmal die Reste hier in der Spinnstube“, verrät die ehemalige Ortsvorsteherin Elke Schall, die damals die Idee für die Spinnstube hatte. Für sie ist es ein hervorragender Ort, um auch zugezogene Frauen schnell zu integrieren. „In den Vereinen hier wird jeder herzlich aufgenommen“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Auch in der Spinnstube ist der größte Teil der Frauen gar nicht gebürtig aus Sindersfeld.

Die Beigefreite - also ins Dorf Eingeheiratete -, Bärbel Pfeffer, freut sich jedenfalls über die Spinnstube. „Man integriert sich besser, trifft Bekannte und beschwätzt vieles“, sagt die Floristin, die schon mal testweise ein Nudelgesteck bindet und Handyhüllen häkelt. „Gut ist auch, dass ich von den anderen Frauen Tipps für meine Handarbeiten bekomme.“ Das alles stärke doch den Zusammenhalt - und damit hat Regina Freidhof ja ihr Ziel erreicht. „Hier lernen Jung und Alt voneinander und die älteren Frauen erzählen uns dabei die alten Dorfgeschichten, die sonst in Vergessenheit geraten würden“, erklärt die Vorsitzende. Mittlerweile seien die Mitglieder zwischen 25 und 80 Jahren alt. Auch ihre Schwiegertochter sei in der Gruppe dabei. „Handarbeiten sind ja jetzt wieder sehr modern. Deswegen kommen auch junge Frauen zu uns, um es zu lernen.“

Heute macht Freidhof die Arbeit als Vorsitzende gerne. Dabei musste sie vor sieben Jahren zu dem Amt überredet werden. „Ich dachte, das ist viel mehr Arbeit“, sagt sie. „Aber es bringen sich alle so toll ein und helfen mit.“

Wenn Freidhof nicht mit Handarbeiten oder ihrem Garten beschäftigt ist, hält sie die heimische Landwirtschaft auf Trab. Darüber hinaus engagiert sie sich im Kirchenchor und bei der Gestaltung von Kalendern und Grußkarten mit Sindersfelder Fotomotiven.

Freidhof gestaltet zudem alle vier Jahre einen der Haupt­altäre, an denen bei der großen Fronleichnamsprozession gebetet wird. „Das ist unser eigener Altar. Der steht momentan auf dem Dachboden“, sagt sie. Alle vier Jahre werde er herabgeholt und geschmückt. Mit Nachbarn sammele sie dann Blüten und Blätter, um einen Teppich vor dem Altar zu gestalten. Bei so viel Arbeit und Engagement sei es aber wichtig, auch Spaß dabei zu haben. Und den hat die Truppe mit ihren Handarbeiten und den Geschichten aus dem Dorf augenscheinlich schon.

von Patricia Grähling

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