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Das wäre mal einer

Schmökern, träumen und erinnern

Was vor exakt 50 Jahren in der OP stand? – Heinrich Hopp weiß es ganz genau. Immer wieder blättert er in der Sonderbeilage zum 100-jährigen Bestehen und ist fasziniert, wie das damals
so alles geschah.
Heinrich Hopp aus Leidenhofen schmökert in seinem individuellen OP-Archiv. Die Original-Ausgabe zum 100-jährigen Bestehen der OP findet er noch heute sehr interessant.

Heinrich Hopp aus Leidenhofen schmökert in seinem individuellen OP-Archiv. Die Original-Ausgabe zum 100-jährigen Bestehen der OP findet er noch heute sehr interessant.

© Götz Schaub

Leidenhofen. Nun, wer weiß es? Wer war 1966 Bundespräsident? Wie hieß damals der Kanzler und wie der Bundestagspräsident? Zu Frage eins: Heinrich Lübke, zu Frage zwei: Ludwig Erhard, zu Frage drei: Eugen Gerstenmaier. Nicht, dass der Verfasser dieses Artikels das so gewusst hätte. Ganz ehrlich, nicht wirklich. Immerhin, das war ja auch noch zwei Jahre vor seiner Zeit.

Heinrich Hopp aus Leidenhofen hingegen stand 1966 schon voll im Leben, hätte die Fragen sicher richtig beantwortet. Vor Kurzem hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Tja, und 1966 tat er etwas, was für ihn damals doch etwas Ungewöhnliches war: Er hob die 128 Seiten starke Sonderbeilage zum 100-jährigen Bestehen der Oberhessischen Presse auf. Er archivierte sie nicht einfach nur in irgendeiner dunklen Schublade, sondern holte sie immer wieder hervor und las darin. „Das mache ich bis zum heutigen Tag“, sagt er. „Es ist interessant, wie damals geschrieben wurde, wie die Zeitung aussah, von welchen Geschäften es Anzeigen gab, die heute schon lange nicht mehr existieren.“

Heinrich Hopp war bei der Marburger Kreisbahn als Rangierer beschäftigt, später dann als Busfahrer. Es liegt in der Natur der Dinge, dass er alles liest, was je über die Kreisbahn geschrieben wurde. In der Sonderbeilage findet sich auch ein Artikel darüber, den er schon unzählige Male studiert hat. Dann taucht er ab in frühere Zeiten, hängt Erinnerungen nach. Er kann sich auch noch an die frühen Tage in Marburg erinnern. „Als sich die Druckerei der OP noch in der Oberstadt von Marburg befand, habe ich als Junge gerne zum Fenster reingeschaut und den Maschinen zugeguckt. Und ich habe mir immer Gedanken darum gemacht, wie die wohl diese großen Papierrollen in das Gebäude geschafft haben“, lacht er. Gerne hat er sich die Zeitung direkt an der Druckerei geholt.

Die Sonderausgabe ist nicht der einzige Schatz seines persönlichen Archivs. „Alles, was über die Feuerwehr Leidenhofen geschrieben wurde, wurde fein säuberlich ausgeschnitten, auf neues Papier geklebt und in eine Klarsichtfolie gesteckt. Und über die Leidenhofener Wehr gab es schon einige besondere Artikel. Etwa über die Mehrtagesfahrten nach Südfrankreich, Südtirol oder nach England. Damals gab es noch einen Spielmannszug, da war richtig Zug drin im Vereinsleben. Unvergessen die erfolgreiche Teilnahme der Wehr an der Südtiroler Leistungsspange und die Gegenbesuche in Leidenhofen. Es ist kaum zu glauben, als der Spielmannszug 1980/81 gegründet wurde, gab es 52 Aktive. Mitte der 90er-Jahre war mit der Musik wieder Schluss.

Am Mittwoch, 13. Januar 1993, sah sich Heinrich Hopp auch mal selbst in der Zeitung. Nach 34 Jahren wurde er aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr verabschiedet. 25 Jahre war er Ortsbrandmeister, wie es damals noch hieß, 35 Jahre war er übrigens auch Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Er trägt die Titel Ehrenvorsitzender und Ehrenwehrführer und ist Besitzer der goldenen Ehrennadel der Gemeinde Ebsdorfergrund. Das nur am Rande, Hopp freut sich zwar über diese Auszeichnungen, er geht damit aber nicht hausieren.

Zurück zur OP-Sonderausgabe. „Ja, die habe ich wohl aufgehoben, weil ich meinen Kindern und Enkelkindern einmal zeigen wollte, wie das alles mal war, als ich noch jung war.“ Hopp hat aber noch eine andere Jubiläumsausgabe: „175 Jahre Landwirtschaftliches Wochenblatt“. Die erschien 1965, also ein Jahr vor dem OP-Jubiläum. Auch darin liest er heute noch gerne und zieht Vergleiche zwischen früher und heute. Auch wenn er selbst keine Landwirtschaft mehr betrieben hat, stammt er doch aus einer Landwirtsfamilie, wuchs mit deren Alltag auf. Richtig interessant findet er die Rubrik in der damaligen OP, die schon damals Unterschiede zwischen „früher und heute“ aufgriff, meist mit einem alten Foto versehen. Mittlerweile ist das „heute“ von damals auch zu einem Teil der Heimatgeschichte geworden. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal die Rubik „Heute, früher und noch viel früher“. Die Menschen würden staunen, wie sich manche Dinge zu dem entwickelt haben, wie wir sie heute kennen, meint er.

Und was es alles mal in den Landkreisen Marburg und Biedenkopf gegeben hat und nur noch auf Bildern zu sehen gibt: etwa die Straßenbahn in Marburg und natürlich Hopps innig geliebte Kreisbahn, die 1905 an den Start ging. Die 16,5 Kilometer lange Bahnstrecke führte von Marburg über Ronhausen, Ebsdorf, Heskem und Wittelsberg nach Dreihausen. Hauptzweck war nicht der Personenverkehr, sondern der Güterverkehr. Auch wenn es sich dabei in der Hauptsache um Basaltstein handelte, so fuhren doch lange Zeit auch druckfrische OP-Ausgaben aus Richtung Marburg mit. „Unsere OP wurde bis nach Ebsdorf gefahren, musste dann von dort abgeholt werden, bevor sie in Leidenhofen verteilt wurde“, erinnert sich Hopp.

Alles Geschichte. Aber halt: Es gibt auch etwas, was sich gar nicht geändert hat. Also, letzte Frage: Wie hieß 1966 der Herausgeber der OP? Kleiner Tipp: nicht anders als heute.

von Götz Schaub


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