Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Ohne Gehör, dafür mit Gefühl

Mitarbeiter im Portrait Ohne Gehör, dafür mit Gefühl

Es war nicht einfach, aber am Ende überzeugte er ­alle: der taubstumme Stadtallendorfer Daniel Menges arbeitet als ­Zeitungszusteller und ­Abholfahrer bei der ZVG Ostkreis und ist bei den Kunden sehr beliebt.

Voriger Artikel
Mit der OP an den Strand in Dänemark
Nächster Artikel
Alte Alleen zieren den Park

Daniel Menges lädt am Anfang seiner Tour die leeren Postkisten in das Auto und holt die Post aus rund 20 Geschäften in und um Marburg ab. Dass er taubstumm ist, stört dort niemanden.

Quelle: Klein

Marburg. Seit seiner Geburt ist Daniel Menges taubstumm. Ganz leicht war die Jobsuche daher für den 33-Jährigen nicht. Nach einer Odyssee an erfolglosen Bewerbungen entdeckte Menges 2008 eine Stellenanzeige als Zeitungszusteller bei der ZVG Ostkreis zur Aushilfe am Aushang des Arbeitsamtes Stadtallendorf.

Seine Mutter rief postwendend an und bekam von der Gebietsleiterin Birgit Faber direkt eine verbindliche Zusage für ihren Sohn. „Natürlich gab es Skeptiker. Aber Daniel war mir sofort sympathisch und ich sah keinen Grund, ihn nicht einzustellen“, blickt Faber auf die Anfangszeit zurück.

Trotz allem musste sich aber auch Faber an die Tatsache gewöhnen, dass Menges weder hören noch sprechen kann. „In der Einarbeitungszeit als Zusteller lief Daniel eines Nachts über die Straße, und ein Auto nahte heran. Ich winkte, rief und versuchte, ihn auf das Auto aufmerksam zu machen. Natürlich hörte er mich nicht. Als er zurück kam, deutete er nur auf seine Augen. ‚Ich kann vielleicht nicht hören und sprechen, sehen dafür umso besser‘, sollte das heißen“, erzählt Faber schmunzelnd.

Hund Sky begleitet ihn

Überhaupt stelle die Kommunikation für Menges kein Problem dar. Mit Stift und Zettel, per E-Mail und Smartphone, zur Not mit Händen und Füßen klappe die Verständigung immer irgendwie.

Zweimal unterbrach Menges seine Arbeit als Aushilfe bei der ZVG Ostkreis, um seiner Saisonarbeit bei Ferrero nachzugehen. Ihm wurde aber immer ein Arbeitsplatz freigehalten, sodass er zurückkehren konnte, bis die ZVG Ostkreis ihm 2009 eine Festanstellung gab.

Fünf Jahre später, im Juli 2015 übernahm Menges zusätzlich zu seiner Zustellarbeit eine feste Postabholtour an fünf Tagen die Woche. Von 13 bis 18 Uhr holt er aus rund 20 Geschäften in Marburg, Cölbe und Lahntal die Geschäftsbriefe ab und muss sich dabei an die vom Kunden vorgegebenen Zeitfenster halten. Zusätzlich zu der Zustellarbeit an sechs Tagen in der Woche von 3 bis 6 Uhr nachts kann das schon sehr stressig werden. Anfangs musste Menges sich daran natürlich gewöhnen, zweimal am Tag zu arbeiten. Aber es macht ihm inzwischen sehr viel Spaß.

Auch, weil er vor allem als Postabholfahrer bei den Kunden eine sehr hohe Beliebtheit genießt, wie Faber erzählt: „Wenn Daniel Urlaub hat oder mal nicht da ist, fragen die Kunden schon nach, wo er denn sei. Das Feedback über seine Zuverlässigkeit ist herausragend.“

Begleitet wird der gelernte Holzverarbeiter nachts und - bei nicht zu heißen Temperaturen auch tagsüber - von seinem Hund Sky.

von Lisa-Martina Klein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Willkommen im Leben
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Mit der OP durch das Gartenjahr

Experten-Tipps von der ersten Saat bis zur letzten Ernte

In unseren Video-Beiträgen (oben) erklären die heimischen Direktkandidaten, warum sie nach Berlin in den Bundestag wollen. Wenn heute Wahl wäre, wen würden Sie wählen?

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr