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"Mix aus Gemütlichkeit und Geschäft"

Flohmarkt-Treiben "Mix aus Gemütlichkeit und Geschäft"

Seit mittlerweile drei Jahrzehnten ist Silvia Barth fester Bestandteil der Flohmarkt-Szene, handelt in ihrer Freizeit mit Waren aller Art und hat noch lange nicht genug von ihrem geliebten Freiluft-Hobby.

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Seit 30 Jahren und mit großer Leidenschaft betreibt Hobby-Verkäuferin Silvia Barth ihren Flohmarkt-Stand auf dem Messeplatz im Afföller und verkauft dort allerlei Schätze.Foto: Ina Tannert

Marburg. Es ist bereits Mittag, ein trüber Oktobertag, der große Ansturm der Schnäppchenjäger beim allwöchentlichen Flohmarkt auf dem Marburger Messeplatz im Afföller ist vorbei. Seit Stunden, und immer noch, harrt Verkäuferin Silvia Barth an ihrem kleinen Stand aus, schwatzt gut gelaunt mit den Nachbarn und den letzten Kunden, die gemütlich durch die Standreihen schlendern.

Dort, zwischen all den kleinen und großen Flohmarkthändlern, als Teil der langen Stand-reihe, mitten zwischen Alltagswaren aller Art - dort ist die 55 Jahre alte Freizeit-Händlerin in ihrem Element. Woche um Woche steht sie auf dem Flohmarkt, früher noch in ihrem Heimatort Stadtallendorf, heute in Marburg. „Ich stehe gerne hier, es macht mir einfach Spaß zu verkaufen“, erzählt sie fröhlich. Und das macht sie bereits seit gut 30 Jahren.

Ihren kleinen Stand, ein stabiles Brett auf zwei Böcken - „das reicht völlig“ - bestückt sie regelmäßig mit frischer, gebrauchter Ware. Die bekommt sie geschenkt. Vor allem von Kollegen, Freunden oder der Familie, die froh sind, dieses oder jenes, eigentlich noch irgendwie brauchbare Teile, nicht wegwerfen zu müssen. Eben darum geht es auch Silvia Barth: „Ich mag es nicht, ständig etwas wegzuschmeißen, da verkaufe ich die Sachen lieber und verdiene noch ein paar Euro“, erklärt die leidenschaftliche Händlerin. Doch um Profit geht es ihr dabei nicht nur - es ist die Atmosphäre, die Freiheit eines Flohmarktes, die sie ebenso anzieht, die gute Stimmung zwischen den Standnachbarn und nicht zuletzt die Arbeit unter freiem Himmel.

Die erfahrene Verkäuferin kennt mittlerweile die meisten Händler seit Jahren, ist mit allen per Du und trifft immer wieder bekannte Gesichter. „Wir sind wie eine Familie hier, jeder passt auf den anderen auf“, freut sie sich. Muss sie ihren Stand einmal vorübergehend aus den Augen lassen, passt der Nachbar auf die Waren auf, darauf ist Verlass, erzählt sie. Es sind schon langjährige Freundschaften unter den Händlern entstanden, „man trifft oft dieselben Leute und versteht sich einfach gut“. Auch zahlreiche Stammkunden und Flohmarkt-Fans sieht sie regelmäßig auf dem Markt, wird immer mal wieder zum Kaffee eingeladen und ist für jedes Schwätzchen bereit - das gehört zum Flohmarkt-Kult einfach dazu. „Es ist ein Mix aus Gemütlichkeit und Geschäft“, fasst sie zusammen.

„Ein kleines Taschengeld nebenher verdienen“

Der Verkauf ist für sie auch ein Ausgleich zu ihrem eigentlichen Beruf: Sie arbeitet als Produktionshelferin in der Industrie, ist stets drinnen in der Fabrik tätig. Dabei liebt sie es draußen zu sein, sich sportlich zu betätigen und zudem „ein kleines Taschengeld“ nebenher zu verdienen. All dies findet sie auf dem Flohmarkt: „Ich bin an der frischen Luft, mag den Verkauf und arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen.“ Das frühe Aufstehen nimmt sie dafür gerne in Kauf, ist sie als Schichtarbeiterin ja gewohnt.

Angefangen hat ihre Flohmarkt-Begeisterung, als ihre beiden Kinder noch klein waren. Diese wuchsen schnell aus den Babysachen heraus - die Kleidung war der Mutter allerdings zu schade für die Tonne, also verkaufte sie die ersten Sachen. „Man wirft ja schon genug weg, worüber sich andere vielleicht noch freuen.“

Heute ist ihr Angebot deutlich umfangreicher. Sie bietet „Waren querbeet“ an - von Kleidungsstücken, Spielzeug, Deko-Artikeln über Porzellan, Tischdecken bis zu Elektrogeräten und jede Menge Lockenwickler. Alles findet einen Platz in der Lagerecke im Keller und landet irgendwann auf dem Verkaufstisch. Dabei kann es dauern, bis auch das letzte Stück einen neuen Besitzer findet, aber irgendwann geht alles über die „Theke“. So manches ausgefallene Teil hatte Silvia Barth bereits jahrelang im Repertoire, aber selbst für die unbeliebtesten Stücke fand sich noch stets ein Käufer, „alles geht irgendwann einmal weg“, erinnert sie sich.

Das Feilschen gehört zum Tagesgeschäft dazu

Die ein oder andere schlechte Erfahrung hat sie in all den Jahren mit besonders dreisten Kunden dann doch schon erlebt. Das Feilschen gehört zum Tagesgeschäft dazu, doch so mancher gierige Sparfuchs versuche selbst bei bereits heruntergesetzten, dabei guten Waren, noch hartnäckig zu handeln, „irgendwann wird es frech“. Dem ein oder anderen will sie manchmal auch nur allzu gerne „etwas hinterherwerfen“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Das hat sie jedoch noch nie gemacht, bleibt stets freundlich und professionell. Den Spaß an ihrem geschäftstüchtigen Hobby lässt sie sich nicht vermiesen, will ihren Stand noch lange betreiben. „Solange ich kann und weiter Freude daran habe“, sagt Silvia Barth.

Es wird früher Nachmittag, so langsam packt sie ihre Waren ein, verkauft noch die letzte kleine bunte Vase - dann ist Schluss für heute, sie steht schon gut sechs Stunden hinter ihrem Stand, „ein normales Pensum“. So einige Stücke sind ­übriggeblieben, die packt sie sorgfältig wieder in ihr Auto, für den nächsten Markttag. Irgendwann findet sich sicher ein Abnehmer, alles geht ja irgendwann weg.

von Ina Tannert

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