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OP-Jubiläumsserie: Das wäre mal eine(r)

Merita Krasnici bringt die Sonne mit

Mit der Gitarre von der Uroma und ihrer frischen Stimme bewegt Merita 
 Krasnici immer wieder Menschen jeden Alters auf der Straße zum 
Tanzen, Lachen und dazu, menschlich zu sein.
 Merita Krasnici spielt verschiedene Gitarren, Mandoline und Ukulele. Zur Straßenmusik nimmt sie das Erbstück von ihrer Uroma mit, das sie auch auf diesem Foto spielt. Foto: Philipp Lauer

Merita Krasnici spielt verschiedene Gitarren, Mandoline und Ukulele. Zur Straßenmusik nimmt sie das Erbstück von ihrer Uroma mit, das sie auch auf diesem Foto spielt.

© Philipp Lauer

Marburg. Es ist jedes Mal eine Überwindung für Merita Krasnici, wenn sie die Gitarre auf der Straße auspackt und singt. „Ich fange immer mit den gleichen drei Liedern an, das lockert mich auf“, sagt die junge Frau mit den blaugefärbten Haaren. Die Hemmschwelle setzen jene 
Menschen hoch, die im Vorbeilaufen eine Grimasse schneiden, sie kritisieren oder sogar beschimpfen.

Bewegende Begegnungen dank Hobby und Nebenjob

„Aber die schönen Momente 
überwiegen“, freut sich die 
Musikerin. Zum Beispiel wenn 
Eltern mit ihren Kindern anhalten und die Kleinen etwas in ihr Glas werfen dürfen. „Viele Kinder fangen automatisch an zu tanzen, wenn sie vorbeigehen, das ist toll.“ Hin und wieder setzen sich auch Musikerkollegen dazu, um Pause zu machen oder gemeinsam ein Lied zu spielen.

Diese Begegnungen schätzt sie sehr an ihrem Hobby, das gleichzeitig ein Nebenjob ist. Mindestens einmal im Monat versucht Merita Krasnici rauszufahren und Musik zu machen, dort, wo sie das Studi-Ticket der Marburger Uni hinbringt. Von Göttingen bis Heidelberg hat sie schon in vielen größeren Städten gespielt, in Marburg tritt sie eher selten auf.

„Ich mache lieber Musik vor Fremden, als vor Leuten, die ich kenne und 
halte mich im Hintergrund.“ Seit sechs Semestern studiert sie Englisch und Philosophie auf Lehramt. Dass sie dazu aus dem thüringischen 350-Einwohner-Dorf Heßles, etwa 40 Kilometer südlich von Eisenach, in die Partnerstadt Marburg kam, ist eher ein Zufall. Freunde haben ihr erzählt, sie wollen in Marburg eine WG gründen. „Da bin ich mit. Und es gefällt mir gut in Marburg.

Die Stadt ist nicht zu groß und wenn man eine ruhige Gegend mag, kann man wie wir nach Ockershausen ziehen.“ Politisch engagiert sich Krasnici gegen Rechts, für Toleranz und Menschlichkeit, geht demonstrieren, mischt sich ein und trägt ihre Einstellung nach außen. Im Alltag nicht nur symbolisch mit T-Shirts und Aufnähern auf der Jacke. Ein weiteres Mittel, diese Werte zu 
leben, ist natürlich Musik.

Kostprobe ihrer Musik gibt es seit kurzem auch online

Die Musik, die sie hört – das geht in Richtung Punkrock – und die Musik, die sie selbst macht, auch auf der Straße. Es gebe Straßenmusiker, die Obdachlose aus ihrer Nähe vertreiben, weil sie nicht förderlich für das Geschäft sind. „Ich freue mich, wenn sie sich zu mir setzen.

Vielleicht bleiben dann nicht ganz so viele Leute bei mir stehen, aber der eine Mensch hat dafür etwas Schönes erlebt.“ In Gießen gab ihr ein obdachloser Mann sogar mal einen Euro von seinen Tageseinnahmen ab, nachdem er sich eine Weile zu ihr gesetzt und lauthals mitgesungen hat.

Genauso gerührt berichtet sie von einem Erlebnis in Göttingen. „Da habe ich einen Zettel in meinem Glas gehabt, darauf stand ,Danke für so viel Sonnenschein‘.“ Eine Kostprobe ihrer Musik gibt es seit kurzem auch online. Auf ihrem Youtube-Kanal „Pfefferminza von Sternburg“ veröffentlicht sie selbst aufgenommene Videos.

Zuhause leben vier Generationen unter einem Dach

Vor allem Coverversionen von Bands wie The Front Bottoms, Bon Iver oder The Story So Far. „Manchmal covere ich Hardcore-Lieder als Akustikversion, manchmal mache ich auch lieber etwas ruhigeres.“ Auf der Straße versucht sie, mit einer Mischung aus Klassikern für alle Generationen etwas dabei zu haben, zum Beispiel „Jolene“ von Dolly Parton.

Mit aktuellen Liedern aus dem Radio könne sie nicht dienen. „Ich höre einfach kein Radio und mache lieber Klassiker.“ Bis im Juni des vergangenen Jahres spielte die Gitarristin noch in einer Rockband in der alten Heimat. Spätestens seitdem sie bei der HSG Marburg/Cappel einen Handballverein in der Unistadt gefunden hat, sind Besuche in Heßles seltener geworden – die Spiele finden am Wochenende statt.

„Das fällt mir schon schwer, ich bin ein Familienmensch. Zuhause leben wir mit vier Generationen unter einem Dach.“ Eine ganz besondere Bezugsperson ist ihr Großvater, sagt die 21-Jährige.
Trotz diesem engen Draht nach Hause, zieht es die Studentin in die Ferne. Im kommenden Wintersemester soll es zum Auslandsstudium an die Uni in Jyväskylä in Finnland gehen.

Vielleicht kommt ihre Straßenmusik bei den Finnen genauso gut an, wie bei den Hessen, und sie werfen ihr den einen oder anderen Euro in ihr blau angemaltes Joghurtglas. Dann ruft ihnen Merita Krasnici sicher, wenn es beim Singen eine Atempause gibt, ein herzliches „Kiitos“ zu – das heißt „Danke“.

Die Serien auf dieser Seite
  • In der Rubrik „Das wär‘ mal eine(r)“ lernen Sie 150 Menschen aus der Region kennen, über die die OP bisher noch nicht berichtet hat. Dazu vertrauen wir auf Ihre Mithilfe: Sie kennen bestimmt jemanden aus der Nachbarschaft, dem familiären oder beruflichen Umfeld, der etwas Besonderes macht oder zu erzählen hat, der eine interessante Persönlichkeit ist – und den wir tatsächlich noch nie interviewt, zitiert oder fotografiert haben? Dann schreiben Sie uns Ihren Vorschlag an 150@op-marburg.de.
  • „Mit meinen Augen“: Unter diesem Motto wollen wir die Region in einer Fotoserie aus Sicht der Leser vorstellen. Zeigen Sie unseren Lesern ihren Lieblingsort im Landkreis – am besten aus einer ungewöhnlichen Perspektive oder in besonderem Licht. Unter allen Teilnehmern, deren Bildern in Serie veröffentlicht werden, verlosen wir in Zusammenarbeit mit dem Media Markt Marburg wertvolle Preise.
  • Wir sind auf vielen Kanälen unterwegs: Unter #150op können Sie unsere Jubiläumsaktionen auf Twitter und Instagram verfolgen. Videos gibt es auf unserer Homepage, über den You-Tube-Kanal der OP und auf 
Facebook zu sehen.

von Philipp Lauer


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