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"Melodie geht tiefer als Gesang"

Das wäre mal Einer "Melodie geht tiefer als Gesang"

Eigentlich wollte Johannes Korte nie lernen, Gitarre zu spielen. Heute tritt er mit dem Saiteninstrument als James Partoir auf. Er will Menschen aber nicht nur mit seiner Musik berühren, sondern auch mit Taten.

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Johannes Korte arbeitet gerade an einem Album, bei dem sich die Musik um das Leben dreht – von der Geburt bis zum Tod. Musikalisch tritt er als James Partoir auf.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Voller Gefühl schlägt Johannes Korte die Saiten seiner Gitarre an. Er zupft, klopft, versinkt in seiner Melodie. „Open Your Heart“ heißt der Song, den er für seine Freundin geschrieben hat. Sie hört lächelnd zu. „Eigentlich konnte ich nie so richtig Gitarre spielen“, verrät Korte. „Dabei bin ich musikalisch, seit ich denken kann.“ So habe er mit sieben Jahren gelernt, die Flöte und die Querflöte zu spielen, später seien Schlagzeug und Percussion-Instrumente hinzugekommen, ebenso das Saxophon. Gitarre hingegen habe Korte nie gelegen.

Bis er vor viereinhalb Jahren nach Holland ging, wo er zwei Jahre Physiotherapie studierte. „Ich hatte dort kein Instrument mit und das hat mich wahnsinnig gemacht. Mir fehlte die Musik.“ Weil er aber sein Schlagzeug nicht einfach nach Holland habe mitnehmen können, griff er nach Papas Konzertgitarre. Außerdem habe er sich ein Buch über Fingerstyle gekauft. „Dann hat es mich plötzlich gepackt“, sagt er - und bis heute nicht wieder losgelassen. Bis nachts um vier habe er teilweise geübt.

Mittlerweile arbeitet Korte an einem eigenen Album. Das soll 2017 erscheinen und den Menschen zeigen, dass Musik auch ohne Gesang viel ausdrücken könne. Nur zwei der elf Lieder spiele er mit Gesang ein, verrät der gebürtige Osnabrücker. „Die reine Musik hat eine ganz andere Wirkung. Denn die Melodie geht tiefer als der Gesang.“ Der Musiker wollte etwas französisches im Namen

Ein halbes Jahr, nachdem Korte die ersten Saiten gezupft hatte, schrieb er seinen ersten eigenen Song. „Zufrieden war ich aber erst mit meinem 12. Lied. Daran habe ich zwei Monate gearbeitet“, verrät der 27-Jährige.

"Sie verstehen ohne Worte"

Korte tritt regelmäßig auf und spielt in Kneipen und bei Festivals, etwa in Marburg, Halle und Dresden, seine selbstgeschriebenen Lieder. Dann zupft er, singt manchmal auch - unter dem Namen James Partoir. „Das ist ein Fantasiename. Ich fand es einfach cool, etwas französisches im Namen zu haben“, verrät er. Den Begriff „Partoir“ gebe es gar nicht. Das hat aber einen entscheidenden Vorteil: Wer das Wort in Internet-Suchmaschinen eingibt, stößt sofort auf die Seite des 27-Jährigen. Verwechslungsgefahr gibt es nicht.

Für den jungen Musiker ist das besondere an seiner Kunst, dass sie in seinen Zuhörern Gefühle und Bilder auslöse. „Sie verstehen ohne Worte, was ich sagen will. Das schafft eine Verbindung“, erklärt er fasziniert.

Korte lebt aber nicht von der Musik. Für ihn ist es Hobby - und ein Nebenjob, den er gerne noch lange beibehalten und vielleicht etwas ausbauen möchte. Derzeit lebt und lernt der 27-Jährige auf dem Campus des Marburger Bibelseminars. Er macht dort eine Ausbildung zum staatlichen Erzieher und eine theologische Ausbildung zum Gemeindepädagogen. „Es ist eine tolle Kombi“, verrät er. Denn als Christ wolle er gerne die Theorie seines Glaubens näher kennen lernen - darüber hinaus wolle er aber auch die Menschen besser verstehen, lernen, „wie sie ticken“. Mit der Ausbildung ist Korte fast fertig, dann folgt das Anerkennungsjahr bei der richtigen Arbeit in einem Betrieb, etwa einem Kindergarten. Danach will Korte dann erst mal die Welt entdecken: Mit Freundin und Gitarre soll es unter anderem nach Israel, Thailand, Japan und Kanada gehen.

Und dann? Das weiß Korte noch gar nicht so genau, wie er lachend gesteht. In einen Kindergarten wolle er eher nicht - vielmehr würde er gerne ein Projekt für Jugendliche oder Erwachsene aufbauen, die Hilfe brauchen und die das wissen und selbst um Hilfe bitten. „Ich würde etwa gerne pädagogische Angebote machen für Menschen mit Depressionen, Alkoholproblemen oder ähnlichem“, sagt er. Mit einem Team von Fachleuten und den Hilfesuchenden wolle er dann in die Natur ziehen, dort mit ihnen arbeiten. „Die Natur kann schon viel heilen, alleine wenn man einfach dort ist“, sagt der Osnabrücker. Die Menschen sollten sich dort wieder selbst finden können. „Ja, das kann ich mir als Berufung gut vorstellen“, sinniert er lächelnd.

„Mein Album umfasst das Leben“

Die Arbeit am Album ist konkreter als die ferne Zukunft: „Live“ soll es heißen - das weiß Korte schon. Die Lieder hat er fertig, arbeitet hier und da am Feinschliff und übt für die Aufnahmen. „Mein Album umfasst das Leben“, sagt er schlicht und beschreibt damit ein ambitioniertes Projekt: Geburt, die ersten Schritte im Leben, Liebe, Flucht vor sich selbst, aber auch der letzte Atemzug - diese Momente hat Korte in seine Musik gepackt. „Es sind Meilensteine, die in jedem Leben stattfinden. Damit will er seine Zuhörer erreichen, Bilder in ihnen wachrufen - sobald das Album, das ein Freund von ihm aufnehmen wird, im Frühjahr oder Sommer 2017 erscheint.

von Patricia Grähling

 
Hintergrund
Hinter dem Begriff „Fingerstyle“ verbirgt sich eine Spieltechnik auf der Gitarre. Dabei werden die einzelnen Saiten der Gitarre mit den verschiedenen Fingern der Anschlaghand gezupft oder angeschlagen. Das unterscheidet sich vom gängigen Gitarrenspiel mit dem Plektrum, wo mit Hilfe dieses Blättchens die Saiten zum Klingen gebracht werden. Dadurch, dass der Musiker mit mehreren Fingern spielt, kann er beim Fingerstyle mehrere Melodien und den Rhythmus zeitgleich auf einem Instrument spielen.
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