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Kuscheliger Therapeut auf vier Beinen

Das wäre mal eine Kuscheliger Therapeut auf vier Beinen

Therapeuten müssen nicht immer zwei Beine haben: Gemeinsam mit ihrem tierischen Begleiter kümmert sich Krankenschwester Lisa Lindner um die Förderung psychisch kranker Menschen. Das erste Eis bricht dabei der Hund.

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Lisa Lindner besucht mit Therapiehund Sammy Patienten mit Behinderungen. Dabei fassen die Patienten zu Sammy schnell Vertrauen und spielen gerne mit ihm.

Quelle: Ina Tannert

Holzhausen. Schwanzwedelnd und freundlich begrüßt „Sammy“ jeden neuen Gast im Haus von Lisa Lindner – eben so sollte ein waschechter Therapiehund auch auftreten, der gemeinsam mit seinem Frauchen regelmäßig ein willkommener Lichtblick im Alltag ihrer Patienten ist.

„Tiergestützte Therapie und Förderung“ heißt das Konzept, dem sich die 26-Jährige seit kurzem widmet. Hauptberuflich ist die gebürtige Holzhäuserin eigentlich Kinderkrankenschwester in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Marburg, baute sich im vergangenen Jahr jedoch ein zweites Standbein in der Tiertherapie auf. „Ich habe schon immer gerne mit Menschen und Tieren zu tun gehabt“, erzählt Lindner.

„Hauptsache Sammy 
ist immer dabei“

Als Kombination aus beidem lag der spontane Schritt in die Tiertherapie da nahe. Mit ins Boot holte sie ihren Appenzeller Sennenhund und bildete ihn vor zwei Jahren zum Therapiehund aus. Mittlerweile hat das Mensch-Hund-Team einige feste Anlaufstationen, besucht jede Woche Wohngruppen mit behinderten Menschen oder psychisch kranken Patienten, begleitet Demenzkranke, Schlaganfallpatienten oder Kinder mit Downsyndrom.

Sie sind gern gesehene Gäste: Heißt es am Besuchstag „Sammy und Lisa kommen vorbei“, ist die Freude groß auf der Station. Mit unterschiedlichen Spielen und Aktivitäten verbringen die Patienten Zeit mit dem entspannten Vierbeiner und seinem Frauchen, unternehmen gemeinsame Ausflüge, machen Spiele und Sport oder genießen einfach nur die Nähe und Wärme des tierischen Therapeuten. „Wir machen ganz verschiedene Sachen, Hauptsache Sammy ist immer dabei“, erzählt Lindner.

Das Besondere daran: Der zugängliche Vierbeiner schafft es mit seiner lockeren Art, eine unkomplizierte Beziehung zu den Erkrankten aufzubauen, er erleichtert die Kontaktaufnahme zu Anderen, motiviert zu mehr Beweglichkeit und dazu, Ängste abzubauen. „Über den Hund bauen die Menschen Kontakt und Vertrauen auf“, erklärt sein Frauchen. Zu ihm erhalten auch psychisch belastete, vielleicht misstrauische Patienten viel schneller Zugang als zu ihr selber, zu Ärzten oder Pflegern.

„Ich will ihn nicht überfordern“

Der lockere Kontakt zu dem fröhlichen Hütehund erleichtert nicht nur die Pflege der Patienten, er fördert auch deren Selbständigkeit, Wohlbefinden und die Genesung. Parallel zu Sammys Aufgaben übernimmt sie selber die Gesprächsbegleitung der Patienten, motiviert diese, sich mehr zu bewegen, den Alltag wieder eigenständig zu meistern. „Unser Ziel ist es, den Menschen zu fördern, in seiner Bewegung und seinem ganzen Leben“, beschreibt sie das Konzept.

Im Nebenberuf ist die Krankenschwester nun selbständig, was ganz schön anstrengend werden kann – für Mensch und auch für Tier. Ein Therapiehund muss einen ausgeglichenen, offenen Charakter haben, sich problemlos überall anfassen lassen, auch mal etwas gröbere Berührungen der Patienten aushalten. „Ich achte darauf, dass es uns beiden nicht zu viel wird. Ich will ihn nicht überfordern“, sagt sie. Vor seinem neuen „Job“ war Sammy ein reiner Privathund, doch schon immer ein lebenslustiger, offener Kerl, beschreibt die 26-Jährige ihren „Kollegen“. Die Arbeit als Therapiehund gefalle ihm und sei „gut für den Kopf“ des alleine schon rassebedingt aktiven Vierbeiners.

Die Ausbildung in der tiergestützten Therapie erforderte von beiden so einige Fertigkeiten. Sammy wurde vorab auf seine Fähigkeit im Umgang mit Menschen getestet, bevor seine Besitzerin mit der Ausbildung beginnen konnte. Geprüft und trainiert wurde unter anderem, wie der Vierbeiner auf Menschen mit Behinderung oder Kinder reagiert, ob er ruhig neben einem Rollator läuft oder bereit ist, sich „Lagern“ zu lassen. Soll heißen: Sammy leistet regelmäßig bettlägerigen Patienten Gesellschaft, liegt dafür eng neben den Menschen, was nicht alle tierischen Begleiter sofort tolerieren.

Zu der Haustierschar zählen auch Pferde und Bienen

Heute ist er zertifiziert für die Arbeit mit Kindern, Senioren und Menschen mit Behinderung. „Er hat sich total positiv entwickelt, nimmt zu jedem Kontakt auf“, lobt das Frauchen. Seinen Job nimmt der vierjährige Rüde zwar eher als turbulente Besuchsstunde wahr, bei dem die Patienten den zugänglichen Vierbeiner ausgiebig knuddeln und mit ihm spielen – doch auch das gemeinsame Toben hat Grenzen. Höchstens zwei mal in der Woche für maximal eine Stunde sind beide im Einsatz, „das reicht auch, danach ist Sammy K. o.“, sagt Lindner.

Als Ausgleich geht die sportliche junge Frau in ihrer Freizeit oft gemeinsam mit Hund Sammy reiten. Das macht sie leidenschaftlich gerne seit ihrer Kindheit, sie wuchs auf einem Bauernhof auf und ist bis heute leidenschaftliche Reiterin und Hobbyimkerin. Ein Leben ohne die Reiterei oder Tiere generell kann sie sich gar nicht mehr vorstellen.

Immer unterstützt hat sie dabei ihr frisch gebackener Ehemann Daniel Lindner. Das Paar hat erst vor wenigen Wochen geheiratet und kann sich auf baldigen Nachwuchs freuen, der Geburtstermin ist am Silvestertag. Dann werden wohl gleich aus mehreren Gründen Feuerwerk und Sektkorken knallen.

Die Elternzeit will Lisa erst einmal Zuhause verbringen, doch weiterhin mit dem pelzigen Kollegen ihre Patienten besuchen, die Selbständigkeit weiter ausbauen. Und vielleicht erhält die kleine Familie irgendwann auch noch mehr tierischen Zuwachs, eventuell einen Zweithund, der in Sammys große Fußstapfen treten wird, plant Lisa schon ihre berufliche Zukunft in der tiergestützten Therapie.

von Ina Tannert

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