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Kuschelige Kunstwerke aus Stoffresten

Das wär mal Eine(r) Kuschelige Kunstwerke aus Stoffresten

Bunte Sterne oder farbenfrohe Ornamente: Roswitha Theus hat eine alte Kunstform für sich neu entdeckt und näht seit zehn Jahren Quilts. Mit diesen Decken dekoriert sie ihr Heim – oder kuschelt sich darin ein

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Große Quilts mit Sternen oder kleine, kuschelige Decken mit Giraffenmuster: Roswitha Theus näht Quilts mit den unterschiedlichsten Mustern und Farben.

Quelle: Patricia Grähling

Oberwalgern. Ein schwarz-weißer Quilt hängt bei Roswitha Theus im Flur, weitere solcher selbstgenähten Decken in Rottönen liegen im Wohnzimmer über der Sofalehne. „Bei mir werden die Quilts auch wirklich benutzt“, sagt Theus stolz. „Es sind keine Ausstellungsstücke.“

Die 64-Jährige hat das Nähen dieser besonderen Decken im Patchwork-Stil vor rund zehn Jahren für sich entdeckt. Seither hat sie unzählige Quilts gefertigt in zahllosen Farbtönen und mit den unterschiedlichsten Mustern. „Die meisten Decken sind mit Sternen verziert, weil ich Sterne einfach mag“, sagt Theus. Und sie näht vor allen Dingen nur das, was sie mag und worauf sie gerade Lust hat.

Deswegen verkauft sie ihre Quilts nur sehr selten und wenn sie Auftragsarbeiten übernimmt, lässt sie sich nur wenige Vorgaben machen. „Ich habe mal einen Quilt mit den gleichen Mustern und Farben zwei Mal genäht. Das mache ich nie wieder.“ Viel zu langweilig sei das. Stattdessen überlege sie sich immer neue Formen und Farben.

Patchworknähen kann über Jahre dauern

Bis Theus aber wirklich mit einem Quilt anfangen kann, den sie schon vor Augen hat, können manchmal Jahre vergehen. „Das Patchworknähen ist ein Sammeln, das manchmal Jahre dauert“, erzählt sie. Schließlich müsse sie genügend Stoffreste für eine Decke zusammenbekommen.

„Für einen Quilt benötige ich Stoff für ungefähr sechs Mal die geplante Fläche. „Seit Jahren sammle ich nun schon weiße Spitze“, verrät die 64-Jährige. Sie habe aber noch nicht genügend für einen Quilt. „Ich habe Spitze bekommen, die reine Schätze sind. Deswegen wird es diesmal auch nur eine Decke zu reinen Deko-Zwecken.“

Aber nicht nur Spitze bekomme sie von Bekannten: „In Oberwalgern ist mittlerweile bekannt, dass ich am liebsten mit alten Stoffen nähe“, sagt Theus. Daher bekomme sie immer wieder Vorräte an alten Geschirrtüchern und noch älterer Bettwäsche und zahllose sonstige Stoffreste.

Die Oberwälgerin verschenkt ihrerseits die handgearbeiteten Decken am liebsten zu besonderen Anlässen, etwa eine Hauseinweihung oder einen runden Geburtstag. „Es muss ein besonderer Anlass sein, denn die Arbeit für einen Quilt ist einfach irre“, erklärt sie. Für einen Quilt mit blauem Sternenmuster habe sie insgesamt 100 Stunden gearbeitet.

Ein besonderer Anlass war für sie etwa die Eröffnung der Tagespflege für demenzkranke Menschen in Dreihausen. Eine Verwandte führt diese Einrichtung. „Sie ist so sozial engagiert und da habe ich ihr zur Eröffnung etwas Besonderes geschenkt.“ Das Besondere war ein sogenannter Nestelquilt. Diese Decke ist laut Theus bestückt mit Tüchern, Knöpfen und Bommeln. Die an Demenz Erkrankten könnten mit
diesen Decken ihre Hände beschäf­tigen und würden dann ruhiger.

Nähen hat Theus mit fünf Jahren gelernt

Noch lieber verschenkt sie ihre Näharbeiten allerdings an ihre zweijährige Enkelin. „Sie schläft nie ohne ihr Schäfchen-Quilt“, verrät die stolze Oma, die auch für Kinder kleinere Decken mit weichen Stoffen näht.

Das Nähen hat Theus mit fünf Jahren von ihrer Mutter gelernt. „Ich habe damals auf ihrer Tretmaschine angefangen“, erinnert sie sich. Eigentlich habe sie immer nur Kleidung, Kissen und Gardinen genäht – bis sie Patchwork für sich entdeckt habe. „Das habe ich mir autodidaktisch beigebracht“, sagt sie. Das Internet helfe dabei viel, denn dort könne sie sich mit anderen Näherinnen aus ganz Deutschland austauschen.

Beim Patchwork-Nähen hört es bei Theus übrigens nicht auf. Sie hat eine Technik der Handarbeit wieder ausgegraben, die schon fast vergessen war: „Ich habe nach 20 Jahren das Maschinenstricken wieder für mich entdeckt.“ Zwei solcher alter Maschinen habe sie noch auf ihrem Speicher gefunden und probiere sich seit einigen Monaten wieder daran aus. Und in 20 Jahren habe sich viel geändert: „Damals habe ich einfache Klamotten gestrickt“, erklärt Theus. Heute gebe es Anleitungen für Ponchos und viele schicke Accessoires. Zahllose Muster und eigene Entwürfe könne sie Masche für Masche in die Maschine einprogrammieren.

Die Maschine fertigt dann die Reihe nach den Vorgaben in Sekundenschnelle. „Ich muss die Maschine nur für jede Reihe anschieben“, erklärt Theus die alte Technik. „Mein nächstes Projekt wird dann übrigens ein Strickmantel“, verrät die Ober­wälgerin. So lange wie für einen Quilt werde sie dafür nicht brauchen. Schließlich sei ein einfacher Poncho in etwa 45 Minuten schon fertig.

Generell mag die Rentnerin Handarbeiten. „Ich liebe das Kreative daran. Mir wird nichts vorgegeben und ich kann immer wieder Neues entdecken und schaffen.“
Hin und wieder verkauft die einstige Chefsekretärin und Mitarbeiterin im Fremdsprachenbereich der Kunstgeschichte ihre Handarbeiten dann dennoch: Anzutreffen ist sie dann etwa auf dem Ostermarkt in Oberwalgern. „Aber eigentlich mache ich das nur hobbymäßig. Ich will die Rente genießen.“

Was ist eigentlich ein "Quilt"?
Quilt ist ein englischer Begriff und bedeutet soviel wie „Steppdecke“. Ein Quilt ist im Prinzip eine Zierdecke, die als Tagesdecke oder auch als dekorativer Wandbehang genutzt wird.
Ein Quilt besteht aus drei Lagen. Zuoberst ist die Quilt-Oberseite, die im Patchwork aus vielen Stoffresten zusammengesetzt wird. Dann folgt die wärmende Zwischenlage, die früher zumeist aus Wolle bestand. Heute wird häufig ein Flies genutzt. Den Abschluss bildet dann die Rückseite der Zierdecke, die meist aus einem großen Stück Stoff besteht. Der Begriff „quilten“ bezeichnet das Zusammensteppen dieser drei Lagen.
Die Idee des Quiltens stammt vermutlich aus China, wo die Menschen Kleidungsstücke aus zwei Schichten Stoff und einer wärmenden Zwischenschicht fertigten. Vermutlich brachten Ritter diese Technik von den Kreuzzügen mit nach Europa. Damals waren die Muster der Quiltdecken noch recht einfach gehalten, die Decken vor allen Dingen zweckmäßig. Immer mehr verbreiteten sich schließlich kunstvolle Muster und Ornamente und der Quilt wurde zu einem Kunstwerk. Europäische Auswanderer brachten die Technik schließlich nach Amerika, wo das Quilten vor allen Dingen von Siedlerfrauen der Amish-People umgesetzt wurde.

von Patricia Grähling

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