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Kunstvolle Bilder statt Schnappschüsse

Das wäre mal eine(r) Kunstvolle Bilder statt Schnappschüsse

Verlassene und verbotene Orte, leuchtend rote Kirschen am Baum oder die Skyline von Frankfurt stehen im Mittelpunkt von Julianna Muschs Fotos. Sie ist leidenschaftliche Hobbyfotografin und sucht die besonderen Motive.

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Julianna Musch fotografiert erst seit Februar 2015 „so richtig“. Damals kam sie zum Stammtisch der Fotocommunity Marburg, seither hat sie ihre Kamera immer griffbereit.Foto: Patricia Grähling

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. „So richtig“ fotografiert Julianna Musch erst seit etwas mehr als einem Jahr, wie sie selbst sagt. Doch sie ist schon spürbar in Leidenschaft für ihr Hobby entbrannt. Bildaufbau, Intention, Schärfentiefe - darüber macht sie sich ausgiebig Gedanken, bevor sie auf den Auslöser ihrer digitalen Spiegelreflexkamera drückt.

„Bis vor einem Jahr war ich nur ein Schnappschussjäger“, sagt die 54-Jährige. Mit einer Panasonic Lumix habe sie im Urlaub und bei Familienfeiern Erinnerungen festgehalten. „Mehr nicht“, sagt sie. Keine Ausflüge auf der Suche nach dem perfekten Motiv.

Durch einen Artikel in der OP erfuhr Musch dann im Januar 2015 vom Marburger Stammtisch der Website Fotocommunity.de. „Weil ich schon immer gerne fotografiert habe, bin ich da einfach mal hin“, sagt sie. Von den anderen Mitgliedern sei sie offen und herzlich empfangen worden - und wurde nie wieder gehen gelassen.

„Mittlerweile habe ich auch schon einige Aufgaben übernommen“, berichtet die Marburgerin. So stellt die Fotocommunity regelmäßig im Restaurant des Kaufhauses Ahrens aus. Mit vier weiteren Mitgliedern kümmert Musch sich um die Organisation, übernimmt vor allem die grafischen Arbeiten, etwa Gestaltung der Werbeflyer.

Laut Musch hat die Gruppe derzeit mehr als 60 Mitglieder. „Ein harter Kern ist bei jeder Ausstellung dabei und versucht, die Themen umzusetzen.“ So auch die 54-Jährige - auch wenn ihr manche Themen anfangs Probleme bereiten. Für eine andere Ausstellung in der Volkshochschule habe sie wochenlang überlegt. Das Thema „Meine fremde Welt“ habe sie sich einfach nicht erschließen können. Dann half ihr der Zufall: „Bei einer Taufe guckte der Täufling so neugierig in die Welt. Ich wusste gleich, dass ich mein Motiv endlich gefunden habe.“ Denn für das Kind sei noch alles fremd gewesen, er erobere sich diese fremde Welt erst noch.

Wissen und Anregungen rund um die Fotografie holt Musch sich aus der Stammtisch-Gruppe: „Jeder von uns ist mal Referent und erklärt den anderen etwas zu einem bestimmten Thema - etwa minimalistische Formen oder Schwarz-Weiß-Fotografie.“ Manchmal verabreden sich Mitglieder auch zu gemeinsamen Fototouren, etwa zur Pilzzeit im Herbst oder in sternenklaren Nächten.

Auch im Bereich der Bildbearbeitung lernt Musch immer mehr dazu: „Früher habe ich immer gesagt, wer Bilder nicht bearbeiten muss, der macht gute Fotos.“ Heute helfe sie jedoch selbst gerne nach. Etwa bei einem Bild der Frankfurter Skyline: „Das Original ist im Vergleich langweilig.“

Verlassene Orte kommen Musch am liebsten vor die Linse: „Mich fasziniert der Verfall“, erklärt die gelernte Bauzeichnerin. Wenn sie abblätternde Farbe und verrottende Treppen fotografiere, frage sie sich immer, wie es dort zuvor aussah. „Und ich frage mich, mit welchem Aufwand man so ein Lost Place wieder wohnlich herstellen könnte“, sagt Musch. „Verfall ist schade, denn man könnte aus allem noch irgendwas machen.“

Das nächste Projekt plant Musch bereits. Sie würde gerne in den Spreepark in Berlin. „Der ist seit 16 Jahren geschlossen und verfällt“, erklärt sie. Viele Jahre war das Gelände umzäunt und bewacht, nun sei es seit wenigen Tagen für Fotografen geöffnet. Musch liebäugelte schon lange mit diesem verlassene Ort, wollte vergangenes Jahr gerne dort fotografieren. „Aber da habe ich mächtig Ärger mit einem Wachmann bekommen“, sagt sie grinsend.

Für die Marburgerin ist die Fotografie ein Hobby, das sie gerne weiter ausbauen würde. „Bilder habe ich nämlich noch nicht verkauft“, sagt sie. Dafür hat sie bereits an einigen Ausstellungen in Marburg mitgewirkt.

Was sie nicht ausbauen will, ist die Landschaftsfotografie: „Die interessiert mich einfach nicht. Mir fehlt die Vorstellung, wie ich sie umsetzen kann.“ Vielmehr halte sie die Augen nach Details offen - etwa die Kirsche am Baum oder ein knorriges Geäst. Auch Menschen fotografiert sie gerne, aber nach Möglichkeit keine gestellten Gruppenfotos. Die macht sie zwar häufig bei Familienfeiern. Lieber sei ihr aber die Streetfotografie. „Es ist toll, Menschen ganz natürlich zu erwischen.“

von Patricia Grähling

Die Mitglieder der Fotocommunity Marburg treffen sich immer am zweiten Dienstag eines Monats um 19 Uhr im griechischen Restaurant Irodion bei St. Jost. Willkommen zu den Treffen ist jeder Interessierte, der gerne fotografiert. Eine Mitgliedschaft bei der Internetgemeinschaft www.fotocommunity.de ist nicht nötig, um an den Treffen teilnehmen zu dürfen.

Bei den Treffen der Gruppe gibt es neben ausreichend Gelegenheit zum Austausch rund um die Fotografie immer kurze Referate, die die Mitglieder selbst halten können.

Die Fotocommunity stellt regelmäßig im Restaurant des Kaufhauses Ahrens aus. Am Samstag, 9. Juli, um 16 Uhr wird die 10. Ausstellung mit den Lieblingsbildern der Fotografen eröffnet.

Die nächsten Termine für den Stammtisch sind am 12. Juli, am 9. August, am 13. September und am 11. Oktober.

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