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Kommunalpolitik von allen Seiten

Was macht eigentlich...? Kommunalpolitik von allen Seiten

Ulrike Kober hat in Marburg fast zwei Jahrzehnte lang Kommunalpolitik gemacht, war die erste grüne Stadträtin - dann wurde sie von der eigenen Koalition abgewählt. Was macht sie heute?

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Marburg. Eine Stellenausschreibung, die genau auf einen selbst zugeschrieben scheint - viele träumen davon, Ulrike Kober hingegen hat es wirklich erlebt. Seit gut vier Jahren arbeitet die ehemalige Marburger Stadträtin in Berlin für die Grünen-Bundestagsfraktion als Referentin für Kommunalpolitik. Genau ihr Thema: Sie hat in Marburg Kommunalpolitik gemacht, war Stadtverordnete, Fraktionsvorsitzende, Geschäftsführerin der kommunalpolitischen Vereinigung der Grünen, Bürgerbeauftragte des Regierungspräsidiums Gießen, schließlich hauptamtliche Stadträtin für Umwelt, Jugend und Soziales. „Ich baue auf dem auf, was ich gelernt habe“, sagt sie über ihre heutige Tätigkeit. „Ich habe in der Kommunalpolitik sehr viele Erfahrungen gemacht, die mir jetzt nutzen.“

Kommunale Finanzen, demografischer Wandel, Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen - das sind Schwerpunkte ihrer Arbeit. Es sind Themen, mit denen sich heute auch jeder Kommunalpolitiker auseinandersetzen muss. Der Unterschied ist nur der Blickwinkel. Ulrike Kober betrachtet alles aus der bundespolitischen Perspektive: Welche kommunalpolitische Relevanz hat ein Gesetz? Welche Kosten kommen auf die Städte, Gemeinden und Kreise zu? Ihr Vorteil ist, dass sie die andere Perspektive auch kennt. „Ich habe Kommunalpolitik von allen möglichen Seiten beleuchtet“, fasst sie ihren Werdegang zusammen.

Sie arbeitet jetzt eher hinter den Kulissen

Das klingt, als wäre sie auf geradem Weg von Marburg nach Berlin spaziert, doch ganz so einfach war es nicht. Am Anfang dieses Weges stand eine bittere Enttäuschung: Nach vier Jahren als Marburger Stadträtin wurde die Diplom-Psychologin am 28. September 2001 abgewählt. Und zwar von der rot-grünen Mehrheit, auf Betreiben ihrer eigenen Fraktion.

Die Grünen kritisierten ihre Amtsführung, die Opposition hingegen zollte der abgewählten Stadträtin Respekt. Ein anderer Grünen-Politiker, der heutige Bürgermeister Franz Kahle, wurde ihr Nachfolger. Kober war traurig und wütend. Heute sagt sie, sie sei darüber hinweg. „Völlig egal wird mir das aber nie sein.“

Mit den Marburger Grünen hat sie damals abgeschlossen, zu früheren politischen Weggefährten hat sie kaum noch Kontakt - „außer natürlich zu meinem Mann“, fügt sie hinzu. Ihr Mann, der Politikwissenschaftler Hubert Kleinert, war einer der ersten Grünen-Bundestagsabgeordneten.

Im Bund arbeitet sie heute wieder für die Grünen. Zwischendurch habe sie „alles Mögliche gemacht“, schließlich ein Beratungsbüro für demografischen Wandel aufgebaut - und dann die Stellenausschreibung gesehen, die genau auf sie passte.

Wie fühlt sich eine ehemalige Politikerin, die oft in der Öffentlichkeit stand, wenn sie fast nur noch hinter den Kulissen arbeitet? „Ich merke, dass es mir immer noch Spaß macht, zum Beispiel mit einer Gruppe zu diskutieren“, sagt sie. „Aber es fällt mir leicht, nicht selbst im Rampenlicht zu stehen.“ Vielleicht sei das ein Unterschied zwischen Frauen und Männern - Frauen wollten nicht unbedingt im Vordergrund stehen.

Fünf Tage in der Woche arbeitet sie nun in Berlin, am Wochenende ist sie in Bauerbach zu Hause. Die Frage, welche Stadt ihr besser gefällt, beantwortet die gebürtige Schwäbin diplomatisch. „Man kann das nicht vergleichen. Der Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist fast viermal so groß wie Marburg.“ Sie liebt die vielfältigen kulturellen Angebote in Berlin - Ausstellungen, Theater- und Opernaufführungen. „Berlin hat mir immer sehr gefallen“, gesteht sie, schiebt aber hinterher: „Marburg gefällt mir natürlich auch. Ich lebe schon in zwei Welten.“

von Stefan Dietrich

 
Eine von hier

Name: Ulrike Kober-Kleinert

Geboren: 30. August 1956

Was macht sie jetzt?
Referentin für Kommunalpolitik bei der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen

Kommt sie noch vorbei?
Ja, am Wochenende

O-Ton:
„Berlin hat mir immer sehr gefallen. Marburg gefällt mir natürlich auch. Ich lebe schon in zwei Welten.“

 
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