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Kochlöffel statt Schusswaffe

Das wär mal einer Kochlöffel statt Schusswaffe

Er kam als Soldat nach Deutschland und ist der Liebe wegen geblieben. Heute arbeitet der Amerikaner Charles Cleveland als Koch und hat schon Gerichte für Verona Pooth und Franz Beckenbauer gezaubert.

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Schnelle Finger und langer Atem

Freizeitkleidung statt Soldaten-Uniform: Charles Cleveland hat sich für ein Leben als Koch entschieden. Foto: Patricia Grähling

Quelle: Patricia Graehling

Marburg/Neustadt. Dienst für sein Heimatland, Liebe für eine deutsche Frau, ein Traumjob weit weg von der Tochter - Charles Cleveland ist 49 Jahre alt und hat viel erlebt, viel gekämpft und immer wieder einen Neuanfang gewagt. Sein privates Zuhause hat der Amerikaner seit mehr als 20 Jahren in Momberg. Sein berufliches Zuhause hat er vor drei Jahren auch gefunden: bei einem Catering-Service in Marburg.

1987 kam Cleveland als Soldat der US Army nach Deutschland. In einer Klinik im Landkreis Marburg-Biedenkopf lernte er dann seine große Liebe kennen, wollte in Deutschland bleiben. „Mein Chef hatte alles versucht. Aber er sagte mir irgendwann, dass ich in zwei Monaten wieder zurück in die USA muss“, erzählt Cleveland. 1990 ging es für ihn also wieder nach Seattle. Kurz danach schrieb ihm seine deutsche Freundin - sie war schwanger. Cleveland wollte so schnell wie möglich zurück zu ihr und sie heiraten, aber er bekam keinen Urlaub. Allerdings hat er Verbindungen, ist bei den Freimaurern. So hat ein Bekannter ihm geholfen, für weitere 30 Tage in Deutschland stationiert zu werden. Die Hochzeit wurde geplant.

Und wieder lagen plötzlich Steine in Clevelands Weg: In Deutschland konnte er nicht heiraten. „Das hätte wegen der nötigen Papiere zu lange gedauert.“ Also fuhr er mit seiner schwangeren Verlobten nach Dänemark, wo man innerhalb eines Tages heiraten kann. „Ich wusste nicht, dass ich mit meinen Papieren nur nach Deutschland einreisen durfte und nicht nach Dänemark“, erzählt der Amerikaner weiter. „Meine Frau hat geweint. Dann haben sie uns doch noch einreisen und heiraten lassen.

Trotz des Eherings musste Cleveland nach Ablauf der 30 Tage zurück nach Amerika. Sein Kind war noch nicht auf der Welt. Einige Wochen später wurde Cleveland aber doch wieder in Deutschland stationiert - wieder aufgrund von Beziehungen und einer Portion Glück. Verwandte seiner Frau waren in der Bundeswehr, hatten Kontakte zur NATO. „Es hat mich so gefreut, als mein General mich zurückgeschickt hat“, sagt er mit einem Lächeln. So kam er zunächst nach Bad Kissingen und von dort nach Bad Hersfeld - näher zu seiner Frau.

Doch das Glück hielt nicht lange: „Nur einen Monat später bin ich im Golfkrieg gelandet“. Er kam erst wieder nach Deutschland, als seine mittlerweile geborene Tochter schon fast ein Jahr alt war. Für Cleveland stand da fest: Er wollte nicht mehr in die Army.

„Ich hatte nichts, außer einem Lkw-Führerschein“, sagt der Amerikaner. Und das, obwohl er damals so gut im Football gewesen sei, dass er ein Stipendium bekommen hätte. Er schlug es aus und ging zur Army. In Deutschland lebte er dann in Momberg, wo seine Frau herkommt, und fuhr fünf Jahre Getränke aus.

Dann habe seine Frau ihm gesagt, dass er etwas lernen solle. So wurde aus dem Soldaten schließlich ein Koch, der nicht nur in den Küchen des Landkreises den Kochlöffel schwang: „Ich dachte, die nehmen mich nie“, sagt der 49-Jährige. Direkt nach seiner Ausbildung kam er in ein Vier-Sterne-Hotel in Kassel, kochte dort für Stefan Mross, Stefanie Hertel und Verona Pooth. Zwei Jahre blieb er dort, bevor er sich einen Job suchte, der näher an seiner Heimat in Neustadt gelegen war. Der Koch aus der Sterne-Küche kam in eine Krankenhaus-Küche - für neun Jahre. Dort kam er nicht mit dem Küchenchef klar: „Ich ging jeden Tag mit Kopfschmerzen an die Arbeit. Irgendwann habe ich gekündigt“, sagt Cleveland. „Ich war ganz unten und wollte nie wieder kochen.“

Dann erfüllte der Amerikaner sich jedoch einen kleinen Traum: „Ich wurde Schiffskoch auf der AIDA.“ Er arbeitete auf den Routen zum Nordkap als Showkoch und fuhr rund um die Welt als Koch im Steakhaus. „Ich sollte auf dem Schiff bleiben“, sagt Cleveland. Er hatte das Gefühl, sich zwischen der Arbeit und der Familie entscheiden zu müssen - und ging zurück nach Neustadt.

„Der Hund und ich müssen immer Diät machen“

„Ich habe ein Haus und eine Familie. Der Job ist etwas für junge Leute“, erklärt der Koch. Dennoch werbe der ehemalige Arbeitgeber noch immer um ihn. Damit wird er laut Cleveland jedoch kein Glück haben, denn der hat endlich den Job gefunden, den er behalten möchte: Nach einem Zwischenstopp als Koch auf einem Golfplatz ist er seit drei Jahren bei einem Catering-Service. „Die Familie ist nett, es gefiel mir dort gleich“, sagt Cleveland. „Auch wenn immer viel zu tun ist, bin ich gerne dort.“ So kocht der ehemalige Soldat heute für viele Hochzeiten, Geburtstage, große Firmenfeste und etwa das Gartenfest der Oberhessischen Presse.

Zuhause kocht Cleveland übrigens nicht: „Das macht zum Glück meine Frau“, sagt er lächelnd. Er selbst hat am liebsten Meeresfrüchte, seine Frau und seine Tochter seien jedoch Vegetarier. „Der Hund und ich müssen da immer Diät machen“, scherzt der Amerikaner.

von Patricia Grähling

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