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Kindheitstraum eines Sechsjährigen

Das wäre mal eine(r) Kindheitstraum eines Sechsjährigen

Wirklich Feierabend hat Florian Noll nie: Der 20-Jährige kümmert sich nach der Arbeit als Modellbauer um seine Galloway-Herde. Für ihn ist es aber keine zusätzliche Last, sondern die Erfüllung eines Lebenstraums.

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Florian Noll geht jeden Abend nach der Arbeit auf die Weide zu seinem geliebten Nebenjob: Eine Herde Galloways. Sie lassen sich von ihm zausen und putzen.

Quelle: Sonja Achenbach

Treisbach. „Wenn ich groß bin, kaufe ich mir eine Kuh!“ ­Eigentlich nur ein trotziger Satz eines sechsjährigen Jungen. Mittlerweile ist Florian Noll groß. Und er hat nicht nur eine Kuh, er hat eine ganze Herde, inklusive ­eines Bullen. Einige von ihnen sind sogar schon preisgekrönt.

Am 9. August 2013 wurde es ernst. Deswegen braucht der mittlerweile 20-Jährige keine 20 Sekunden, um zu erzählen, was er, sein Bruder und seine Eltern an diesem Tag gemacht haben: „Wir haben unsere ersten drei Tiere der Herde geholt“ - die Kuh Quindetta mit ihrem Kalb Quinta und dem Rind Quarta. Drei Galloways als Startschuss für sein neues „Hobby“, wie Noll es nennt. Andere würden es vielleicht eher den ersten Schritt in Richtung eines erfüllten Lebenstraums nennen.

„Wir wollten nicht irgendwelche Tiere“

Florian Noll hat den ersten Schritt auf dem Weg zu einer eigenen Rinderherde zu einer Zeit gewagt, in dem andere nur über die nächste Party nachdenken. Mit 17 hatte er gerade erst eine Lehre zum technischen Modellbauer, Fachrichtung Gießerei, begonnen.

Er wirkt besonnen und strahlt Ruhe aus, wenn er über seine Galloways spricht. Obwohl der mittlerweile Ausgelernte seit diesem Tag im August 2013 einen wirklichen Feierabend nicht mehr kennt. Wenn seine Arbeitszeit in der Firma vorbei ist, setzt er sich zu Hause zuerst hinter das Steuer des Schleppers und fährt das Wasserfass auf eine der Weiden, verteilt Futter oder packt eines der roten Halfter ein, um mit seinen gutmütigen Rindern Leinenführung zu trainieren.

Zu Hause, das ist für ihn der elterliche Hof in Treisbach. Nachdem die Großeltern von Florian Noll das Gebäude 1960 bauten, gab es dort Kühe und Schweine. Mittlerweile gibt es wieder Kühe. Seine ersten Lehrlingslöhne setzte der junge Noll dafür ein. Aber wie viel Arbeit dahintersteckt, erwähnt er nicht mit einem Wort. Für ihn ist es selbstverständlich und gehört eben dazu. Denn seine Ankündigung vor mittlerweile 14 Jahren, als ein Viehhändler die letzte Kuh aus dem elterlichen Stall führte, war eben doch mehr, als ein trotziger Satz eines kleinen Jungen. Diese Szene wurde zur Anekdote, der Wunsch geriet aber nie wirklich in Vergessenheit. Irgendwie vermisste nicht nur er Kühe auf dem Hof.

„Wenn schon, dann richtig. Wir wollten nicht irgendwelche Tiere.“ Gutmütig und mit bester Abstammung sollten sie sein. „Auch ein Eintrag im Herdbuch war uns wichtig“, sagt Florian Noll heute. Das Herdbuch ist so etwas wie ein Verzeichnis der schönsten und besten Tiere der jeweiligen Rasse.

Durch einen seiner Arbeitskollegen und einen Kollegen seines Vaters fiel dann die Wahl auf Galloways. Diese lockigen Schotten ohne Hörner, die sich ab 15 Grad Celsius schnaufend in den Schatten legen, aber den vierten Schneesturm bei minus 20 Grad mit glänzenden Augen begrüßen. Die Rasse der Fleischrinder stammt ursprünglich aus den südlichen Lowlands in Schottland. An die Wetterverhältnisse dort sind die Tiere gut angepasst, im Winter ähneln sie gar zotteligen Bären.

Seine Rinder seien allerdings wesentlich kuschelbedürftiger als ihre wilden Verwandten. Den Grundstein dazu hat der Vorbesitzer gelegt. Als sich Florian Noll mit seiner Familie 2013 dessen Herde ansieht, lässt sich selbst der riesige Zuchtbulle von ihnen streicheln. „Sobald wir eine Pause eingelegt haben, hat er einen mit seinem großen Kopf wieder angestupst.“

Seine ruhige und besonnene Art scheint sich im Umgang mit seinen Tieren bezahlt gemacht zu haben. Bei einem Rundgang auf der Weide fällt auf: Nolls Zuchtbulle Promoter steht gern im Mittelpunkt. Als der 20-Jährige sich nicht mit ihm, sondern mit der Kuh Quarta beschäftigt, steuert das Kraftpaket auf seinen Besitzer zu. Schnaufend steht er neben dem jungen Mann und gibt erst Ruhe, als dieser ihn mit seinem Striegel putzt.

Noll will sich einen Namen als Züchter machen

Weil seine Herde so sehr an Menschen gewöhnt ist, ist die Vorbereitung auf Ausstellungen viel einfacher. Denn hier müssen Promoter, Quarta und Quindetta am Halfter vorgeführt werden. Wie gut das klappt, beweisen die beiden ersten Pokale sowie Schärpen und Urkunden. Quinta erreichte schon auf zwei Schauen gute Platzierungen. Auch Quarta und Promoter haben bereits Auszeichnungen mit nach Hause gebracht. Eine Auszeichnung für seine Arbeit hätte er noch gerne, verrät Florian Noll in einem Nebensatz. Irgendwann muss er einige seiner Tiere verkaufen, denn der Platz ist begrenzt. Einen Namen als Züchter wolle er sich machen, denn der bleibe bestehen. Ihn irgendwann in einer Bestenliste zu sehen - „das wär‘s“.

Weitere Infos zu der Herde von Florian Noll ­unter: www.galloway-ferkel-noll.de

von Sonja Achenbach

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