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Kann denn (Frucht)Zucker Sünde sein?

OP-Jubiläumsserie: Das wäre mal eine Kann denn (Frucht)Zucker Sünde sein?

Viele Jahre hat Laureen Picado eine gesunde Ernährungsform gesucht, die ihrem Körper gut tut. Dabei rutschte sie in die Magersucht, aus der sie sich selbst befreite. 
Heute ist sie Veganerin mit Leib und Seele.

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Eissorbet aus Banane, viel frisches Obst und sogar Schokolade: Für Laureen Picado ist das eine vollwertige Mahlzeit.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. In Mamas Frauenzeitschriften hat Laureen Picado schon immer lieber die Ernährungstipps gelesen, statt der Seiten voller Mode und Lifestyle. „Irgendwie war Ernährung schon immer mein Thema“, erzählt sie, während sie geschickt eine Mango schält und zerkleinert.

Damals habe sie schon das Gefühl gehabt, dass sie mit der Ernährung viel für ihren Körper bewirken könne. „Aber ich hatte kein Internet und die Frauenzeitschriften verwirrten mich“, erklärt sie. Da habe es die Wassermelonen-Diät gegeben und eine Woche später sei die Gurken-Diät angepriesen worden. „Und daneben standen die Tortenrezepte.“

In ihrer Jugend habe Picado dann selbst herausgefunden, dass manche Lebensmittel Einfluss auf ihren Körper haben. „Ich hatte krasse Probleme mit der Haut“, sagt sie rückblickend. Dann verzichtete sie auf Gluten und Milchprodukte – was Wunder bewirkt habe.

„Ich habe viel experimentiert und die Ernährung gesucht, mit der ich mich wohlfühle.“ Bis sie die Ernährung fand, mit der sie heute glücklich ist – und die sie strahlen lässt, wenn sie darüber spricht – sollten noch einige Jahre vergehen. Denn zunächst tat die heute 27-Jährige ihrem Körper nichts Gutes an:

Im Wintersemester 2012 schrieb sie ihre Bachelorarbeit. „Ich habe neben dem Studium wenig Sport gemacht, fühlte mich nicht ausgelastet“, sagt sie, während sie die Kiwi in Stücke schneidet. ­Also fing sie wieder mit Sport an und fühlte sich gut.

„Das kippte aber. Ich wollte zu viel und rutschte in die Magersucht“, erklärt die Studentin. Sie selbst habe sich damit aber nicht wohlgefühlt: „Ich konnte keinen Sport mehr machen, weil ich mich schlapp gefühlt habe. Außerdem esse ich unheimlich gerne“, sagt Picado ( Foto: Grähling).

Sie habe also nach einem Weg gesucht, ein gesundes Gewicht bei einer gesunden Ernährung zu bekommen. Im Internet sei sie auf Menschen gestoßen, deren Konzept sie überzeugt habe, denn die erklärten, dass Kohlehydrate nicht dick machen würden und man außerdem nicht auf Zucker verzichten müsse. „Wir haben Hunger darauf und das hat seinen Grund“, erklärt Picado heute überzeugt.

„Dennoch sagen wir, wir haben gesündigt, wenn wir Süßes essen oder abends viele Kohlehydrate.“ Der Zucker müsse nur aus den richtigen Quellen kommen, wie beispielsweise Obst. Und Kohlehydrate dürften nicht mit Fetten kombiniert werden. „Mich hat die Theorie überzeugt und ich wurde von heute auf morgen vegan“, erzählt Picado.

Seit fast drei Jahren ist Picado nun Veganerin und sagt, sie müsse auf nichts verzichten und ihr Körper habe immer genügend Energie. „Ich kann morgens zehn Mal die Lahnberge mit dem Fahrrad hoch- und runterfahren.

Trotzdem könnte ich abends schon wieder problemlos zehn Kilometer laufen gehen.“ Denn: Bei ihrer Ernährungsform müsse sie auf nichts verzichten und können jederzeit so viel essen, wie sie wolle. „Ich kann mir auch abends drei Bleche Kartoffelecken im Ofen machen.“

Teurer und zeitaufwendiger als eine Ernährung ohne Verzicht sei es nicht, erklärt Picado: „Man braucht keinen veganen Käse und teure Ersatzprodukte.“ Sie kaufe nur Obst, Gemüse, Kartoffeln, Reis und Linsen – und gerne auch vegane Schokolade.

Veganerin aus Überzeugung

Die kommt dann auch reichlich auf ihr selbstgemachtes Sorbet: Gefrorene Bananen und Himbeeren zerkleinert sie in einem Mixer, gibt dann das frische Obst darauf und verteilt großzügig Schokoladensoße darüber. „Ich muss auf nichts verzichten“, sagt sie strahlend und isst genüsslich.

Mittlerweile ist die Studentin nicht nur Veganerin, um ihrem Körper etwas Gutes zu tun – für sie ist es zu einer Lebensform geworden und hat auch ethische Aspekte, vor allem im Bereich des Tierschutzes. Daher engagiert sie sich auch bei der Initiative „Laufen gegen Leiden“.

In verschiedenen deutschen Städten treffen sich in jeder Vollmondnacht um 21.30 Uhr ­Läufer und joggen gemeinsam. Zugleich spendet jeder Teilnehmer einen Euro für „Animal Rights Watch“. Weil es einen Ableger dieses Laufes nicht in Marburg gab, hat Picado kurzerhand selbst einen ins Leben ­gerufen.

Bereits drei Mal ist sie mit anderen Veganern, Tierschützern und Joggern in den Abendstunden unterwegs gewesen. „Es ist ein gemütlicher Lauf, zu dem jeder eingeladen ist – egal wie er sich ernährt“, sagt sie. „Der Lauf findet bei jedem Wetter statt. Ich werde immer da sein und laufen, auch wenn ich alleine bin“, sagt sie überzeugt. Der nächste Lauf startet am 20. Juli am Marburger Unistadion.

von Patricia Grähling

 
OP-Serie
In der Serie „Das wäre mal eine(r)“ stellt die Oberhessische Presse auf der Jubiläumsseite zum 150-jährigen Bestehen der Zeitung Menschen vor, die noch nicht in der OP portraitiert wurden – aber trotzdem spannendes zu erzählen haben. Egal ob ein ungewöhnliches Hobby, eine interessante Lebensgeschichte oder der besondere, leidenschaftliche Einsatz für ein bestimmtes Thema.
Kennen Sie jemanden, von dem Sie sagen „das wäre mal eine(r)“, den die OP vorstellen muss? Schreiben Sie an 150@op-marburg.de.
 
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