Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 0 ° Regen

Navigation:
Jetzt steht die Familie im Mittelpunkt

Was macht eigentlich ...? Jetzt steht die Familie im Mittelpunkt

Er muss ein Aufstiegs-Gen haben: Mit sechs verschiedenen Teams ist Lars Weißenfeldt jeweils eine Liga nach oben gekommen. Heute hat er mit Fußball nur noch wenig am Hut.

Voriger Artikel
Mystische Zwischenwelt
Nächster Artikel
Aus dem Westerwald zur OP

Familienglück: Lars Weißenfeldt mit seiner Freundin Linda Noack und Sohn Maxim Noah.

Marburg. 1999 mit dem VfB Marburg in die hessische Oberliga, 2001 mit Eintracht Frankfurts Amateuren in die Regionalliga, 2003 mit den SGE-Profis in die Bundesliga, 2005 mit Kickers Offenbach und 2008 mit dem FSV Frankfurt jeweils in die zweite Liga und schließlich 2011 mit dem Berliner FC Viktoria in die Oberliga Nordost - Lars Weißenfeldt blickt auf eine ganze Reihe von Aufstiegen in seiner Fußballerlaufbahn zurück. Wo er gespielt hat, so wirkt es, war der Erfolg. „Ich hatte eine gute Karriere“, sagt der 36-Jährige, zieht aber keine durchweg positive Bilanz, nicht nur weil ihm sein rechtes Knie immer wieder Probleme machte: „Mir ist erst nach und nach klar geworden, wie ich als Profi gedrillt wurde. Rückblickend ist das alles schon ziemlich krass.“

Heute ist sein Leben ein anderes. Für Weißenfeldt steht nun seine kleine Familie im Mittelpunkt. Mit Freundin Linda Noack, mit der er seit acht Jahren zusammen ist, hat er einen kleinen Sohn. Maxim Noah wurde im Februar geboren - und er ist der Grund, warum seine Mutter und sein Vater jetzt in Marburg zu Hause sind. Denn nach gemeinsamen Jahren in Berlin führten sie einige Zeit eine Fernbeziehung - sie arbeitete in Hamm in Westfalen, er im schwäbischen Tempelhof. Dann kündigte sich der Nachwuchs an. „Wir haben uns überlegt, wo wir mit unserer Familie leben wollen“, erzählt Weißenfeldt. Die Wahl fiel auf Marburg, die alte Heimat beider: Er wuchs in der Universitätsstadt auf, sie stammt aus dem Lohraer Ortsteil Kirchvers.

Anfang des Jahres sind sie in eine Wohnung in der Marburger Oberstadt mit kleinem Garten eingezogen, idyllisch abseits der Einkaufsstraßen und der Kneipen direkt am Kalbstor gelegen. Überhaupt sei die Stadt für ihn - gerade im Vergleich zu Berlin - „wie eine Oase“, sagt Weißenfeldt. „Hier gibt es viel grün, klare Luft, Ruhe.“ Über viele Jahre hatte er einen anderen Alltag: „Als Fußballprofi musste ich funktionieren.“ Ein Mitspieler beim FSV Frankfurt, Angelo Barletta, habe es so formuliert: „Wir sind wie Maschinen.“ Bei den Bornheimern schloss Weißenfeldt seine Profikarriere 2009 ab.

Profizeit hinterlässt Spuren

Neun Jahre zuvor war er als 20-Jähriger nach Frankfurt, zur Eintracht, gegangen, kickte dort zunächst in der zweiten Mannschaft. Ab 2002 kam er zehnmal in der zweiten Liga, nach dem Aufstieg auch einmal in der Bundesliga zum Einsatz. Der Durchbruch beim Bundesligisten gelang ihm nicht. Stammspieler war der Außenverteidiger anschließend ein bis zwei Klassen tiefer in der Nachbarschaft bei Kickers Offenbach und beim FSV Frankfurt. Insgesamt 121-mal stand er in den höchsten drei deutschen Spielklassen auf dem Platz.

Seine schönste Zeit, sagt er rückblickend, habe er beim OFC gehabt. Nach dem Zweitliga-Aufstieg 2005 war er es, der beim 2:1-Sieg am ersten Spieltag bei Hansa Rostock das erste Tor für die Offenbacher in der neuen Klasse erzielte. „Wir hatten eine tolle Einheit, das hat richtig Spaß gemacht“, erzählt er. „Ich war extrem hochmotiviert.“ Doch dann spielte das Knie nicht mehr mit - Knorpelschaden. Die Prognose der Ärzte war wenig ermutigend, die Karriere schien zu Ende. Doch Weißenfeldt wollte davon nichts wissen. Nach Operation und Reha kämpfte er sich zurück, spielte bei den Kickers und ab 2007 beim FSV noch einige Jahre auf hohem Niveau. „Das Knie hat gehalten, aber ich habe immer den Druck darauf gespürt.“

Auf seine Gesundheit muss er auch heute noch achten, darf sein Knie nicht zu sehr belasten. „Im Alltag bin ich dadurch zum Glück nur wenig eingeschränkt.“ Selbst Fußball zu spielen, ist für ihn „derzeit kein Thema“. Als vor sieben Jahren vom FSV Frankfurt kein akzeptables Angebot mehr kam, entschied sich der damals 29-Jährige, die Prioritäten neu zu setzen. In Berlin studierte er Grundschulpädagogik, jobbte nebenbei - beispielsweise als Komparse, auch für bekannte Filme wie „Bridge of Spies“. Er kickte zudem noch auf höherer Amateurebene. Seit sein Sohn geboren wurde, macht er aber „überhaupt kein Sport“ mehr. Vorstellen könnte er sich, irgendwann als Jugendtrainer eine Mannschaft zu betreuen. „Aber nur in einem Bereich, wo es mehr um den Spaß und weniger um die Leistung geht“, betont er.

Referendariat ab November

Und wie geht es für ihn beruflich weiter? „Ich will meine Ausbildung abschließen.“ Eigentlich hatte er vor, bereits zum Mai ein Referendariat an einer Grundschule zu beginnen. Allerdings wurden Teile seines Abschlusses aus Berlin in Hessen nicht anerkannt. An der Gießener Universität musste er zwei mündliche Nachprüfungen ablegen, dafür „teilweise Stoff auffrischen, den ich fünf Jahre vorher gelernt habe“, erzählt Weißenfeldt, für den es nun im November losgehen soll. Er hofft, eine Stelle an einer Schule in Marburg zu bekommen.

Ob er nach dem Referendariat tatsächlich als Lehrer sein Geld verdienen wird, darauf will er sich nicht festlegen. In Tempelhof, einem kleinen Ort nahe Schwäbisch Hall, lebte er in einer alternativen Gemeinschaft, arbeitete dort als Lernbegleiter. „So etwas könnte ich mir für die Zukunft wieder vorstellen“, sagt er. Keine Frage: Mit Kindern kann Lars Weißenfeldt sehr gut umgehen. Derzeit ist er formell arbeitslos - es gibt schlechtere Momente: Dadurch hat er viel Zeit, sich mit seiner Freundin um den gemeinsamen Sohn zu kümmern.

von Stefan Weisbrod

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Dezember 2017

Hier finden Sie alle neuen Erdenbürger aus dem Landkreis aus dem Dezember 2017

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Mit der OP durch das Gartenjahr

Experten-Tipps von der ersten Saat bis zur letzten Ernte

In unseren Video-Beiträgen (oben) erklären die heimischen Direktkandidaten, warum sie nach Berlin in den Bundestag wollen. Wenn heute Wahl wäre, wen würden Sie wählen?

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr