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"Im Frühling geht die Forelle auf"

das wäre mal eine(r) "Im Frühling geht die Forelle auf"

Stundenlang am Ufer der Ohm ausharren, die Natur genießen und vielleicht die ein oder andere schuppige Beute ergattern - der Angelsport ist der Ausgleich im Leben von Rainer Wachtel.

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Entspannt steht Rainer Wachtel aus Amöneburg an seinem liebsten Fleck in der Natur, dem Flussufer. Beim Angeln lässt er die Welt einfach still an sich vorüberziehen und genießt die weitläufige Umgebung.

Quelle: Ina Tannert

Amöneburg. Still steht Rainer Wachtel am Ufer der Ohm, wirft den Köder aus, die Angelrute fliegt durch die Luft, klatscht leise ins Wasser. Dort hinten am anderen Ufer, im Schatten eines alten, knorrigen Baums, ist eine gute Stelle, „da halten sich die Fische gerne auf“, weiß der erfahrene Angler. Die Stelle versucht er zu treffen, wirft mit geübtem Schwung die Leine aus, wieder und wieder, wartet entspannt auf den Fang des Tages.

Der 52-Jährige hat im Angelsport eine Leidenschaft für sich entdeckt, er hält sich gerne im Freien und am Wasser auf. „Ich bin ein Naturmensch“, erzählt er. Mehrmals im Jahr geht der Amöneburger auf Angeltour, startet am sehr frühen Morgen in Richtung Fluss und bezieht Stellung am Ufer, auch mal bis zu sechs Stunden am Stück. Ob er etwas fängt ist ihm dabei gar nicht so wichtig, er genießt vor allem das langsame Erwachen des neuen Tages, die besonders stille Zeit, wenn die letzten tierischen Nachtschwärmer an ihm vorbeischleichen und die Vögel die aufgehende Sonne begrüßen. „Es ist toll, morgens um vier Uhr am Fluss zu sitzen und die Zeit auf sich wirken zu lassen“, schwärmt er.

Zum Frühstück kehrt er, mal mit und mal ohne schuppige Beute, zu Ehefrau Almut zurück. Sie kennt den „Anglerblick“ ihres Mannes mittlerweile bestens, bei jedem gemeinsamen Spaziergang am Wasser entlang wird erst einmal Halt gemacht und der Fischbestand im Fluss beobachtet. So ist das eben bei Anglern.

Sein Hobby ist Rainer Wachtel sehr wichtig und nicht zuletzt ein Ausgleich zum Berufsalltag als Bauleiter, auch wenn er mittlerweile nur noch einige Male im Jahr loszieht, um zu fischen. Er angelt seit gut 25 Jahren. Zu dem Hobby brachte ihn ein Freund, nahm ihn im Winter 1989 hin und wieder mit zum Angeln. Nach nur kurzer Zeit erwischte der Neuling tatsächlich seinen allerersten und dicksten Fang: einen 85 Zentimeter langen Hecht. „Das war ein Erlebnis, ein großer Fisch und bis heute mein Größter“, erinnert sich der 52-Jährige immer noch an die dicke Beute, die er am Weihnachtstag der Familie auftischen konnte. Der Stolz war groß, sein Interesse am Angelsport war geweckt, kurze Zeit später machte er den Angelschein samt Sportfischerprüfung und trat dem Angelsportverein Amöneburg bei.

Angler setzen junge Fische in den Fluss

Seit rund zehn Jahren ist er der Vorsitzende des Anglervereins und leitet die 18 Mitglieder des kleinen Vereins. Der führt eine Hegegemeinschaft mit den beiden Angelvereinen aus Mardorf. Zusammen kümmern sich die Angler um den Fischbestand der Ohm. In jedem Jahr bestücken sie das Revier mit Fisch-Nachwuchs, dem sogenannten „Besatz“ und richten sich dabei nach dem heimischen Bestand, nach Fischen, „die schon immer in der Ohm lebten“, erklärt Wachtel. In jedem Jahr ziehen somit vor allem junge Bachforellen, aber ebenso Aale, Karpfen, Barsche, Brassen oder Hechte in den Fluss ein - je nach aktueller Fangstatistik. Was die Mitglieder so aus dem Fluss ziehen wird penibel festgehalten und die erbeuteten Tiere wieder ersetzt, um den allgemeinen Bestand kontrollieren zu können. Aus diesem Grund ist auch bei diesem Hobby einiges an Bürokratie nötig, „Wild-Angeln“ zudem generell verboten. Wer irgendwo die Rute auswerfen möchte, benötigt eine Bescheinigung der zuständigen Gemeinde. „Man achtet eben darauf, das Gewässer in Schuss zu halten“.

Am liebsten geht Rainer Wachtel alleine auf Tour, angelt nur für sich, genießt die Umgebung und lässt seine Gedanken einfach schweifen, „um mal abschalten zu können“. Auch wenn manch Hartgesottener das ganze Jahr hindurch am Ufer steht - für manche Fischarten gibt es offizielle Schonzeiten. Während dieser Zeit sind die Tiere sicher vor Pfanne oder Grill. Darunter sein Lieblingsfisch, die Bach­forelle. „Im Frühling geht die Forelle auf“, heißt es zur Schonzeit unter Anglern, erzählt er mit einem Schmunzeln. Forellen angelt er immer mal zum Abendessen. Dann kommen sie „am liebsten gedünstet“ auf den Tisch. Als Köder benutzt er Regen- oder Mehlwürmer, Maden oder glänzende „Spinner“ und „Blinker“ aus Metall, die Raubfische anlocken. Besonders gut erinnert sich der 52-Jährige an seinen bisher erfolgreichsten Fang: Ganze elf Aale holte er an einem Morgen aus dem Wasser, „das war top, es ging Schlag auf Schlag“, freut er sich noch heute darüber.

„Im Winter lässt man die Natur in Ruhe“

Seinem Hobby geht Wachtel heute nur noch in der warmen Jahreszeit nach, im Winter lässt er die Angel zu Hause. „Da lässt man der Natur ihre Ruhe“, erklärt er. Die diesjährige Saison ist mittlerweile beendet, während eines allerletzten Kurz-Ausflugs entschied sich kein Fisch dazu, anzubeißen, es war auch die falsche Tageszeit. Für kommende Angelausflüge im nächsten Jahr bleibt da nur eins zu sagen: „Petri Heil“, wie es im Angler-Jargon heißt.

von Ina Tannert

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