Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
„Ich war schon immer eine Rampensau“

Das wäre mal einer „Ich war schon immer eine Rampensau“

Auf der Bühne kann Amateurschauspieler Arthur Brieger nicht nur aufdrehen, sondern auch vom stressigen Studienalltag abschalten. Als Mitglied der Marburger Künstlertruppe „Matschbirnen“ spielt er am liebsten mit Klischees.

Voriger Artikel
Ausbildungsmesse gab entscheidenden Anstoß
Nächster Artikel
Jubiläumsausgabe läutet das Finale ein

Ein Mann viele Gesichter: Ein bisschen albern, ein bisschen neugierig und offen für alles Neue – der Spaß am Theater bringt Arthur Brieger von den „Matschbirnen“ immer wieder auf die Bühne.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Dass er schlussendlich auf der Bühne landete war eher Zufall. Vor drei Jahren verschlug es den gebürtigen Berliner Arthur Brieger zum Medizinstudium nach Marburg. Bereits im ersten Semester brachte ihn eine Kommilitonin in die Marburger Theaterszene, doch das nur durch ein Missverständnis.

Brieger ging davon aus, dass er als Zuschauer zu einer Vorstellung der Universität eingeladen wurde, die Überraschung war groß, als er plötzlich mitten im Theaterworkshop landete. Eine äußerst glückliche Verwechslung, wie sich herausstellen sollte: „Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht“, schwärmt der 21-Jährige.

Insbesondere die Flexibilität, rasante Wendungen und das spontan Absurde auf der Bühne des Improvisationstheaters (Impro) begeisterten ihn sofort. „Man kann immer eigene Ideen mit einbringen, der Nervenkitzel auf der Bühne ist toll und ich war schon immer eine Rampensau“, erklärt er mit einem Grinsen im Gesicht.

Brieger ist Mitbegründer der „Matschbirnen“

Vor zwei Jahren gründete er mit einigen anderen Studenten die Theatergruppe „Matschbirnen“. Seitdem stehen die rund 15 Mitglieder ein bis zwei Mal im Semester auf der Bühne, sind regelmäßig unter anderem in der Waggonhalle zu sehen. In andere Rollen zu schlüpfen, einfach mal jemand anderes sein, in Absurditäten abzurutschen und „mit Klischees zu spielen“ – das liegt Brieger.

Ein „ganz besonders absurder Tag“ ist ihm bis heute im Gedächtnis geblieben: Während einer Probe zu einem Phantasie-Stück steckte die Handlung plötzlich fest, der epische Held kam aus einer dramatischen Bredouille nicht mehr heraus. Arthurs spontane Lösung: Einige riesige „Adler“ kamen angeflogen und retteten den verunglückten Helden und damit das große Finale.

Ob der Schauspieler kurz zuvor die „Herr der Ringe“-Filme gesehen hatte, weiß er nicht mehr, könnte aber durchaus sein. „Das Beste ist der Genre-Mix und dass sich eine Szene urplötzlich völlig wandeln kann. Und geht mal etwas schief, findet sich immer ein Ausweg“, sagt er.

Auch die jeweilige Gemütslage kommt auf der Bühne spontan zum Zuge – „hat man mal schlechte Laune, ist man einfach der Böse“, erklärt er. Den Fiesling gibt er sowieso gerne, auch wenn der in der Regel am Ende der Verlierer ist. „Den ganzen Tag versucht man, ein guter Mensch zu sein – auf der Bühne pfeift man dann mal auf die Moral, geht einfach aus sich heraus“, sagt er und lacht.

Schauspielern hilft beim Abschalten

Auf ihn selbst treffe dieser Charakterzug nicht zu, „ich bin ein ruhiger Typ, ein bisschen albern und nehme mich selber nicht zu ernst – das würde ich mir übrigens auch mehr bei anderen wünschen“, sagt er.

Das Theater ist ihm ans Herz gewachsen, hilft ihm „beim Abschalten – danach geht es einem immer gut“. Die Bühne wird immer sein Hobby bleiben, mehr aber wohl nicht, denn beruflich sieht sich der 21-Jährige anderswo. Sein Medizinstudium hat er nach einigen Semestern abgebrochen, verlor das Interesse und orientierte sich neu – „eigentlich war es spannend, aber nicht das, was ich mir vorgestellt habe“, berichtet er.

Er entschied sich schließlich für die Rechtswissenschaft, studiert seit diesem Jahr Jura und scheint sein Traumstudium gefunden zu haben. Auch seine Eltern sind Juristen, Anwalt will Brieger jedoch nicht werden, dann schon eher Richter. Oder er gehe als Jurist in die Politik, erzählt er.

Der 21-Jährige engagiert sich in der Marburger SPD, ist schon in jungen Jahren stellvertretender Ortsvorsteher im neuen Ortsbeirat Altstadt. Seine Zukunft könnte er sich in der Fraktionsarbeit oder im Stab vorstellen. Die Politik, die Möglichkeit „etwas zu verbessern“, fasziniert ihn. Dabei fehlt ihm bei so manchem „ein gewisser Idealismus“, dass Politiker auch langfristig zu ihrer Meinung stehen.

Wohin es nach dem Studium geht, ist offen

Ist er denn selber ein Idealist? Eigentlich schon, „ich versuche es“, sagt er. Gleichheit und Teilhabe sind für ihn wichtige Schlagworte – im Kleinen treffe dies auch auf das Impro-Theater zu: Nicht nur, dass sich das Publikum beteiligt, auch sollte jedermann die Möglichkeit haben, die Show zu sehen.

Für die zwei Mal in der Woche stattfindenden Proben hatte Brieger seit einigen Monaten keine Zeit, ist aber fest entschlossen, demnächst wieder ins Boot zu steigen.

Ob er auch nach dem Studium in Marburg bleiben wird, lässt er noch offen, vielleicht zieht es ihn auch wieder in die Großstadt. „Marburg ist eine wunderschöne Stadt, aber es gibt wenig zu erleben“, findet er.

Als sehr neugieriger Mensch sei es ihm wichtig, immer wieder Neues auszuprobieren, das müsse sein – so wie beim Impro-Theater. Die Entscheidung, wo er einmal landen werde, wird sich schon entwickeln, davon ist Brieger überzeugt. Eben genauso wie bei seinem liebsten Hobby: „Einfach mal gucken was bei rum kommt.“

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Willkommen im Leben
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Mit der OP durch das Gartenjahr

Experten-Tipps von der ersten Saat bis zur letzten Ernte

In unseren Video-Beiträgen (oben) erklären die heimischen Direktkandidaten, warum sie nach Berlin in den Bundestag wollen. Wenn heute Wahl wäre, wen würden Sie wählen?

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr