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Historische Quelle für Ahnenforscher

Alte Zeitungen liefern wertvolle Informationen Historische Quelle für Ahnenforscher

150 Jahre Oberhessische Presse bedeuten auch 
150 Jahre Zeitgeschichte, die in den Ausgaben festgehalten wurde. Vielen dient eine alte Zeitung auch als Quelle für Informationen aus der Familiengeschichte – wie etwa Albert Schmidt.

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Die Vorfahren von Albert Schmidt haben alte Artikel über die Familie gesammelt.

Quelle: privat

Marburg. Albert Schmidt hat ein ganz eindeutiges Lieblingsmotiv im Landkreis: Den klassischen Blick auf die Marburger Altstadt, wie er viele Postkarten und Erinnerungsstücke an die Stadt ziert. Für Albert Schmidt ist es jedoch kein klassischer Blick auf die Oberstadt und das Schloss: Für den 78-Jährigen bietet diese Stadtansicht zugleich einen Blick in seine eigene Geschichte und die seiner Familie. „Ich habe eine unheimlich starke Beziehung zu dieser Stadt. Und die wird sichtbar auf diesem Bild“, sagt Schmidt.

Als Kind besuchte der gebürtige Marburger die Schlossbergschule am lutherischen Kirchhof. In der lutherischen Pfarrkirche, deren Turm sich vor dem Schloss in die Höhe streckt und das Stadtbild seit dem 13. Jahrhundert prägt, wurde Schmidt konfirmiert. „Dort heiratete ich auch meine Frau“, erklärt er seine Verbindung zu dem Gebäude.

Nachruf von 1893 liefert Informationen

Wichtig für die Familiengeschichte ist auch ein weiteres Gebäude, das in dieser Ansicht zu sehen ist. Dabei handelt es sich nicht um das Schloss, dass über der Stadt thront, sondern um das Alte Landgericht. „Mein Urgroßvater Ferdinand Schmidt bekleidete dort von 1864 bis 1893 das Amt des Pedells, des Botenmeisters“, erklärt Albert Schmidt. Das weiß der 78-Jährige aus einem Nachruf auf seinen Urgroßvater. Der war am 2. April 1893 in der damaligen Oberhessischen Zeitung erschienen.

„Der Nachruf war sehr persönlich und ausführlich – und zeitgeschichtlich sehr interessant“, sagt Albert Schmidt. Er ist begeistert, dass er aus dieser Anzeige so viel über die Lebensgeschichte seines Urgroßvaters erfahren hat. „Ferdinand Schmidt stand im Dienst des Kurfürsten von Kassel. Und der hat ihm eigenhändig die Stelle als Botenmeister beschafft“, erklärt der Nachkomme.

Aus dem Nachruf erfuhr Albert Schmidt (Privatfoto) auch, dass Ferdinand Schmidt im Alter von 64 Jahren nach dreiwöchiger Krankheit starb, dass er am 4. März 1829 als dritter Sohn eines Lehrers und Kantors geboren wurde und dass er wegen des frühen Todes seines Vaters keine wissenschaftliche Ausbildung bekommen konnte, weil das Geld fehlte.

So kam der junge Ferdinand im Alter von 17 Jahren zum kurhessischen Militär. Er blieb zehn Jahre, wurde dann Hoflakai des Kurfürsten und später auf eigenen Wunsch Botenmeister in Marburg. Der Nachruf erzählt von zwei glücklichen Ehen und vier Kindern. Auch heißt es: „Schmidt, eine auffallend schöne Erscheinung, zeichnete sich sowohl durch seine untadelhafte, sehr pflichtgetreue und durchgängig anständige Dienstführung, als auch durch sein liebenswürdiges und zuvorkommendes ausgezeichnetes Benehmen aus“.

Forschen musste Albert Schmidt nicht nach den spannenden Unterlagen aus seiner Familiengeschichte: Er besitzt eine ganze Mappe voller Briefe, Urkunden und Fotos, die eine aufregende Familiengeschichte im Laufe der Zeitgeschichte dokumentieren. „Mein Stammbaum reicht bis 1635 zurück“, erklärt Schmidt.

Die Familiengeschichte reicht bis nach Amerika

Zu verdanken habe er die Erkenntnisse seinen Vorfahren, die während des Zweiten Weltkriegs den Stammbaum erforscht haben. „Meine Tante war 1897 geboren und arbeitete als technische Lehrerin“, erklärt Schmidt. „Während der Hitlerzeit musste sie daher einen Ariernachweis erbringen.“ Es wurden also Urkunden, Briefe und Auszeichnungen zusammengetragen, um die Abstammung der Schmidts nachzuweisen.

Zu den Unterlagen gehört übrigens auch ein Bündel Briefe und Fotos aus dem 19. Jahrhundert von Heinrich Schmidt. Dieser Vorfahr des heute 78-Jährigen wanderte vor mehr als 100 Jahren nach Amerika aus, hielt aber stets Kontakt mit den Angehörigen in Deutschland. Albert Schmidt hält noch heute den Kontakt aufrecht. Mittlerweile kann er seinen Verwandten E-Mails schreiben.

Die alten Briefe sind noch in Sütterlin-Schrift verfasst. Die kann Schmidt jedoch problemlos lesen. „In der Schule hat unser Lehrer uns Sütterlin noch beigebracht“, erinnert er sich. Wir mussten es aber nicht schreiben und Noten gab es auch keine dafür. Denn der Lehrer hat uns aus einem ganz praktischen Grund das Lesen von Sütterlin-Schrift gelehrt: „Auf Klassenfahrten waren die Speisekarten in den Herbergen immer in Sütterlin geschrieben. Unser Lehrer brachte uns das Sütterlinlesen bei, damit wir die Erbsensuppe von der Bohnensuppe unterscheiden konnten.“

Die Briefe hat Schmidt dennoch aufbereitet bekommen – von Professor Otto Volk, der sie bearbeitete und teilweise im Internet zugänglich gemacht hat, als zeitgeschichtliche Dokumente. So können auch seine beiden Söhne und die Enkel in den Briefen lesen. Denn die Liebe zur Geschichte, insbesondere zur Familiengeschichte, habe er weitergegeben. So ist einer seiner Söhne heute Lehrer für Mathematik – und Geschichte. „Ich bin froh, dass unsere Familiennachlässe nicht auf dem Flohmarkt verkauft werden.“

von Patricia Grähling

 
Der Blick auf die Marburger Altstadt, gekrönt vom Landgrafenschloss: Das ist eine der liebsten Aussichten von Albert Schmidt, denn sie erinnert ihn an die Familiengeschichte. Privatfoto
 
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