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Gutbrod führt die Regie in Anzefahr

Das wäre mal eine Gutbrod führt die Regie in Anzefahr

Monika Gutbrod steht nicht gerne in der ersten Reihe. Dennoch trägt sie seit Jahrzehnten zum kulturellen Leben in Anzefahr bei: Sie ist Regisseurin beim Theater und hat mehr als 30 Jahre das Männerballett geführt.

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Mehr als 20 Jahre hat Monika Gutbrod das Männerballett von Anzefahr geleitet. Heute ­arbeitet sie in ihrer Freizeit gerne im Garten.

Quelle: Patricia Grähling

Anzefahr. Wie die Jungfrau vom Kinde ist Monika Gutbrod zum Fasching und schließlich auch zu einem eigenen Männerballett gekommen.

„Eigentlich haben mein Mann und ich es nicht so mit Fasching“, erzählt sie. Irgendwie kamen sie aber in das Organisationsteam des Anzefahrer Faschings. Und irgendwie leitete Gutbrod plötzlich eine Truppe Männer.

„Wir hatten immer ein Damenballett zu Gast“, sagt Gutbrod. Das musste 1987 jedoch absagen. „Und früher gab es noch nicht so viele Gruppen, die zu den Faschingsveranstaltungen übers Land gezogen sind.“ Also musste eine eigene Truppe her – und es sollten Männer sein.

„Ich habe meinem Mann dann erzählt, dass der Mann einer Freundin auch mitmacht. Sie hat ihrem Mann umgekehrt das gleiche erzählt. So hatten wir sie im Boot.“ Bis 2009 sind die Männer unter Gutbrods Leitung regelmäßig aufgetreten. ( Archivfoto: Karin Waldhüter)

„Das war anfangs gar nicht so leicht“, erzählt sie. Internetplattformen wie Youtube­ gab es nicht. Sie konnte also keine Videoclips anschauen und Tänze nachmachen, sondern musste selbst Lieder auswählen und die Choreografie entwickeln.

Bei der Umsetzung und den Kostümen hatten die Männer dann aber ein Wörtchen mitzureden – zum Glück: „Die Männer waren da immer sehr einfallsreich und verspielt“, sagt Gutbrod lachend. Da wurde ein Tänzer als Biene Maja an einem Stahlseil über die Bühne geflogen, zwei Männer tanzten als Kamel, gebaut aus Pappmaché oder es gab einen echten fliegenden Teppich, angetrieben durch einen Rasenmähermotor, und eine detaillierte Lokomotive von Jim Knopf.

„Es war aber eine echte Herausforderung, die Männer zum Tanzen zu bringen“, gesteht Gutbrod. Einigen hätte sie erst mal Rhythmusgefühl beibringen müssen. „Und sie mussten ganz schön was tun, denn die Tänze waren fetzig und anstrengend.“

2009 traten die Männer ein letztes Mal auf. Damals tanzten sie als Elefanten. Seither ruht die Gruppe, weil Gutbrod den Job als „Männerdompteuse“ aufgab. „Es wurde alles sehr viel“, erklärt sie. Denn Gutbrod tanzte bei dem Damenballett mit und übernahm später die Regie bei der Anzefahrer Theatergruppe. „Mein Mann spielt gerne verschiedene Rollen und kam so zum Theater“, erklärt die Anzefahrerin. Sie selbst kam so zunächst als Souffleuse dazu.

„Ich bin lieber im Hintergrund statt auf der Bühne“, erklärt sie das. Schließlich übernahm sie die Gruppe vom damaligen Regisseur Paul Koch und hat seither 18 Stücke mit den Laienschauspielern inszeniert. „In der Zeit hab ich viel gelernt“, erzählt sie. Anfangs habe Gutbrod die Drehbücher fast komplett übernommen, heute bearbeite sie diese aber großzügig und streiche Längen heraus.

In diesem Jahr hatte die Truppe das Stück „Hexenschuss“ aufgeführt. Was nächstes Jahr auf die Bühne kommt, weiß Gutbrod noch nicht: „Im Sommer fange ich an, Stücke zu lesen“, erzählt sie. Dann wähle sie eines aus und bearbeite es tagelang – passend zu den Darstellern und dem Dorf. Am liebsten inszeniert die Regisseurin Komödien aus England oder Amerika. „Die haben einfach einen besonderen Witz.“

„Man kann so vieles aus
 den Darstellern locken“

Eine Vorauswahl an Theaterstücken trifft ihr Mann für Gutbrod: „Ich komme kaum zum Lesen“, erklärt sie. Denn neben dem Theater sei sie berufstätig, kümmere sich um ihre Mutter und ihre Patentante – und um den Garten.

Beim Bearbeiten überlegt die Finanzwirtin schon, wer sich für welche Rollen eigne und gehe dann gezielt auf die Suche nach den passenden Darstellern. „Viele Leute haben dann erst mal Hemmungen, sich auf der Bühne zu präsentieren und Texte zu reproduzieren. Meine Aufgabe ist es, sie dazu zu kriegen“, sagt die Regisseurin.

Es sei das spannendste an ihrer Arbeit, zu sehen, wie die Menschen sich und den gespielten Charakter langsam entwickeln. „Man kann so vieles aus den Darstellern hervorlocken und sie dahin führen, wo man sie gerne hätte“, erklärt sie. Das sei anstrengend aber mache ihr immer ­total viel Spaß.

„Wir müssen auch immer kreativ sein, was die Kulisse und die Kostüme angeht“, sagt die Finanzwirtin. Schließlich wolle die Gruppe die Kosten möglichst gering halten, um einen hohen Erlös zu erzielen – der wird immer für den guten Zweck im Dorf gespendet.

„Da haben wir auch schon eine Holzbank mit Polstern und Stoff zum Sofa gemacht“, verrät Gutbrod. Ein Auto wurde dann mit einem Lenkrad und ausgebauten alten Sitzen dargestellt und auch einen Sarg habe die Truppe sich schon ausgeliehen. „Bei der ganzen Arbeit ist es eigentlich schade, dass man das Stück nur an einem Wochenende aufführt“, bedauert die engagierte Regisseurin schon ein wenig.

von Patricia Grähling

 „Ist die Katze aus dem Häuschen“ brachte die Theatergruppe 2012 auf die Bühne in der Mehrzweckhalle. Archivfoto
 
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