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Große Schwester für junge Schülerin

Das wäre mal Eine Große Schwester für junge Schülerin

Soll ich Tierarzt werden oder Feuerwehrmann? Oder doch lieber Chemiker? Und wie ergreife ich meinen Traumberuf? In Marburg helfen Studenten jungen Schülern durch den Dschungel der Berufswahl.

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Die Zeit des Nebels

Stefanie Necker studiert in Marburg Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Neben dem Studium hilft sie der Schülerin Paula Neckar ehrenamtlich bei der Berufswahl.

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. Mit einem strahlenden Lächeln läuft Paula Neckar an der Mensa Stefanie Fritzler entgegen und begrüßt sie fröhlich. „Wie war deine Klassenfahrt?“, fragt die 20-jährige Fritzler das junge Mädchen. Paula Neckar erzählt sofort von ihren Erlebnissen. Die beiden wirken vertraut, wie Geschwister, dabei kennen sie sich erst seit vier Monaten.

Stefanie Fritzler ist die Mentorin der 13-jährigen Paula Neckar. Sie haben sich über die studentische Initiative „Rock your life“ kennengelernt. Nun sollen sie voneinander lernen, einander helfen - vor allen Dingen sollen sie aber eine freundschaftliche Beziehung aufbauen. Geklappt hat das bei diesem Mentoring-Paar augenscheinlich schon mal. Sie haben sich heute getroffen, damit Fritzler ihrem jungen „Mentee“ die Uni zeigen kann. Wo ist das Hörsaalgebäude und wo die Mensa? Wie sieht es in der Bibliothek aus? Welche Fachbereiche gibt es eigentlich und was kann man in Marburg so alles studieren? - bei diesem Treffen zeigt Fritzler der jungen Paula Neckar so einiges, während ihr Schützling ihr Löcher in den Bauch fragt.

Genau so stellt Angela Padovani, Pressereferentin bei „Rock your life“ in Marburg, sich ein Treffen eines Mentor-Paares vor. „Ziel ist es ja, dass die Studenten ihren Mentees dabei helfen, einen Weg in die Zukunft zu finden.“ Es gebe in Deutschland unzählige Möglichkeiten für das spätere Berufsleben. Das sei manchmal ein wahrer Dschungel, durch den viele junge Menschen nicht alleine finden.

Richtung ist noch nicht klar

„Auch die Eltern können dabei nicht immer helfen“, erklärt sie. Oftmals würden die Familien sich auch nicht mit allen beruflichen Möglichkeiten auskennen, manchmal hätten Eltern aber auch schon genaue Vorstellungen davon, was ihr Nachwuchs einmal werden solle. Die Mentoren hingegen werden laut Padovani speziell geschult. Sie kennen verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten, Ansprechpartner und Studiengänge und helfen den Schülern mit ihrem Wissen dabei, den passenden Beruf zu finden.

„Ich bin völlig orientierungslos, was ich beruflich mal machen soll“, sagt die 13-Jährige. „Es ist doof, wenn man seinen Abschluss macht und nicht weiß, wo es dann hingeht.“ Mit ihrer Mentorin spricht sie über ihre Ideen, über Wünsche und Fähigkeiten. „Wir finden gemeinsam heraus, was sie will“, erklärt Fritzler. „Und ganz wichtig: Wir besprechen auch, was sie auf keinen Fall will.“ An diesem Tag schnuppern sie in den Alltag an der Uni hinein, weil die 13-Jährige mit dem Gedanken an ein Studium spielt.

„Aber ich weiß noch nicht, in welche Richtung es gehen soll.“ Kreativ sei sie, sagt ihre Mentorin. Naturwissenschaften findet sie aber auch spannend, sagt die Schülerin. Für sie sei das Mentoring eine tolle Ergänzung. „In der Schule haben wir auch gerade das Thema Berufe“, erzählt sie. Einen Tag im Berufsbildungszentrum habe sie mit ihrer Klasse schon verbracht. „Aber das Mentoring ist eine tolle Ergänzung.“ Und das besondere Sahnebonbon: Wenn Neckar sich für einen Beruf besonders interessiert, kann ihre Mentorin über persönliche Kontakt oder das Netzwerk der Studenteninitiative einen Schnuppertag organisieren.

Gefunden haben Neckar und Fritzler sich bei einem sogenannten „Matching“: Die ausgebildeten Mentoren von „Rock your life“ haben sich zuvor an der Richtsberger Gesamtschule vorgestellt und ihr Projekt erklärt. Dann gab es ein Treffen mit allen interessierten Schülern, bei dem spielerisch geschaut wurde, wer zusammenpasst. Das Projekt steht allen Schülern offen, die in zwei Jahren ihren Abschluss machen - quasi in der „heißen Phase der Berufswahl“ sind, sagt Padovani.

„Wir waren uns sofort sympathisch“, erzählt die 13-Jährige. Und sie hatte Glück damit: An der Schule wollten in diesem Sommer gerne 30 Schüler einen Mentor finden - es standen laut Padovani jedoch nur fünf Mentoren zur Verfügung. „Ein Beweis dafür, dass unsere Arbeit wichtig ist und von den Schülern gebraucht wird.“ Deswegen wirbt die Gruppe derzeit zum Semesterstart bei den neuen Studenten für „Rock your life“. Denn: „Wir wollen gerne für alle interessierten Schüler einen Mentor finden.“ Dabei lernen die Studenten laut Padovani selbst viel.

Neue Studenten als Mentoren gesucht

Die Paare beschäftigen sich aber nicht nur mit Berufen. „Ein bisschen ist sie für mich wie eine große Schwester“, sagt Paula Neckar über ihre Mentorin. Gemeinsam waren sie schon Eis essen und shoppen - und der erste gemeinsame Kinobesuch ist auch schon in Planung.

„Das Mentoring läuft zwei Jahre“, erklärt Fritzler, die auch im Organisationsteam von „Rock your life“ ehrenamtlich mitarbeitet. Die entstandenen Freundschaften halten erfahrungsgemäß aber auch darüber hinaus. Schließlich sei es eine intensive Zeit für beide Teilnehmer. In der Regel treffen sich Neckar und Fritzler einmal in der Woche. Hinzu kommen gemeinsame Trainings mit den anderen Mentoring-Paaren, wo es darum geht, die Potentiale der Schüler zu erkennen und zu fördern - aber auch darum, wie eine gute Bewerbung aussehen sollte und wie man eine gute Beziehung zueinander aufbaut und stärkt.

Die Stadtallendorferin Stefanie Fritzler kam im Frühjahr zu „Rock your life“, sie hatte zufällig einen Flyer gesehen. „Ich war sofort begeistert, weil ich es von mir selbst kannte, dass ich in der Schule mit der Berufswahl völlig aufgeschmissen war.“ Irgendwie passe das Engagement auch zu ihrem Studium der Erziehungs- und Bildungswissenschaften. „Wir haben aber Studenten aus allen Fachbereichen“, betont sie mit einem Lachen.

von Patricia Grähling

 
 
Hintergrund

Die Studenteninitiative „Rock your life“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Brücken zwischen Schülern, Studenten und Unternehmen zu schlagen. Studenten werden zu Mentoren ausgebildet, die sich zwei Jahre lang um einen Schüler kümmern, eine Freundschaft aufbauen und ihm bei der Berufswahl helfen. Deutschlandweit gibt es die Initiative mittlerweile an fast 50 Universitäten.

Dabei hat sich auch ein Netzwerk mit Unternehmen gebildet, die den Schülern Praktikumsplätze und Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen. Die Mentoren sind dabei Vermittler zwischen Schülern und Unternehmen, organisieren Schnuppertage in Betrieben oder erklären den „Mentees“ das Studentenleben. „Rock your life“ wurde 2009 gegründet. In Marburg gibt es die Initiative seit 2011.

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