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Geschichte und Sport sind seine Hobbys

Das wäre mal eine(r) Geschichte und Sport sind seine Hobbys

Bei Otto te Kamp ist von Ruhestand nichts zu spüren: Der 68-Jährige ist sportlich unterwegs, sammelt Historisches rund um Emil von Behring und hat sich stark für den Garten des Wandels in Beltershausen eingesetzt.

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Otto te Kamp beschäftigt sich mit Heimatgeschichte. Daher sammelt er alte Postkarten aus Beltershausen.

Quelle: Patricia Grähling

Frauenberg. Sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart sind Otto te Kamp sehr wichtig. So sammelt er nicht nur historische Dokumente und Bilder und private Auszeichnungen seiner sportlichen Erfolge sondern engagiert sich auch politisch und gesellschaftlich.

Te Kamp, der am Frauenberg lebt, ist in keiner Partei aktiv, saß aber die letzten zehn Jahre im Ortsbeirat von Beltershausen-Frauenberg. „Dieses Jahr bin ich leider nicht mehr gewählt worden. Da müssen mal die Jüngeren ran“, sagt er. Neben dem politischen Engagement hat er sich auch eingebracht in der Realisierung einer Wegeschleife für den Hugenotten- und Waldenserpfad im Marburger Land und des Gartens des Wandels in Beltershausen. „Meine Frau Hanne hat einen Waldenser-Hintergrund“, erklärt er seinen Einsatz. Denn der Frauenberg, wo seine Frau geboren wurde, war früher eine Waldensersiedlung. Mit Gemeinde und Bürgermeister Andreas Schulz habe das Paar sich also für die Anbindung an den Wanderweg eingesetzt – und ist darüber hinaus auch heute noch Ansprechpartner, wenn Menschen aus der ganzen Welt zu einer Wanderung kommen und beispielsweise eine Übernachtungsmöglichkeit suchen.

Der Industriekaufmann beschäftigt sich gerne mit Geschichte. Neben den Vorfahren seiner Frau interessiert ihn vor allen Dingen Emil von Behring. Te Kamp hat bis 2008 am Standort Behringwerke gearbeitet und dort auch immer wieder Besucherführungen gemacht. So sei er zu seiner Sammelleidenschaft gekommen. „Ich habe sehr viel Literatur und Schriftstücke von und über Behring gesammelt.“ Darunter befindet sich auch ein sehr wertvolles Dokument: „Ich besitze ein Empfehlungsschreiben an die Firma Siemens und Halske in Berlin, unterzeichnet von Emil von Behring“, sagt te Kamp stolz.

Die Wände eines Zimmer zieren im Haus der Familie te Kamp zahlreiche Postkarten in Schwarz-Weiß. Das ist die zweite Sammelleidenschaft des Industriekaufmanns. „Ich habe mittlerweile über 50 verschiedene Postkarten mit Aufnahmen aus Beltershausen und Frauenberg“, erklärt er. Darunter ein Blick auf die Burgruine sowie die Gaststätte Debelius – seine älteste Karte aus dem Jahr 1897. Auch Postkarten von Häusern der Waldenser-Nachkommen befinden sich in seiner Sammlung. „Heute finde ich die Postkarten im Internet bei ebay“, erklärt der Sammler. Damals sei es nicht so einfach gewesen: Er habe auf Auktionen die Augen offengehalten und über eine Börse für Sammler im WDR eine Karte aus Bochum bekommen.

Otto te Kamp läuft seinen ersten Marathon mit 39 Jahren

Nicht nur die Geschichte zählt zu den Hobbys von te Kamp, sondern auch der Sport. Den entdeckte er jedoch erst spät für sich: „Mit 38 Jahren habe ich mit dem leistungsbezogenen Streckenlauf angefangen“, sagt er. Mit einem Bekannten sei er bei einem Bier ins Gespräch bekommen und so sei die Idee entstanden, an einem Marathonlauf teilzunehmen. Mit 39 Jahren lief te Kamp also seinen ersten Marathon in Bremen, ein Jahr später war er in Boston dabei. „Insgesamt bin ich zehn Städtemarathons gelaufen“, sagt er heute rückblickend. „Boston war dabei das Highlight, denn es ist der älteste und traditionsreichste Marathon überhaupt.“ Er schaffte dort eine Zeit von 2 Stunden und 55 Minuten. Die persönliche Bestzeit erzielte er 1992 in Hannover mit 2 Stunden, 45 Minuten und 11 Sekunden. Zahlreiche Artikel, ausgeschnitten aus alten Zeitungen, Urkunden und Fotos belegen die sportlichen Erfolge von te Kamp: Der zehnte Platz in seiner Altersklasse in Hannover, die Teilnahme am Rennsteig in der DDR 1990. „Damals war ich einer von 700 Westdeutschen, die teilnehmen durften. Das war ein tolles Erlebnis.“

Bis zu 6000 Kilometer im Jahr ist der gebürtige Marburger gelaufen, bevor er berufsbedingt mit 52 Jahren die Laufschuhe an den Nagel hing. Stattdessen konzentriert er sich nun auf Radtouren und auf Tischtennis. Er ist aktiver Spieler beim TTV Ebsdorfergrund, spielt dort in der vierten Mannschaft, war an der Gründung des Vereins beteiligt. „Das macht Spaß, aber ich bin im Tischtennis nicht so gut wie im Laufen“, sagt er lachend.

Mit ehemaligen Arbeitskollegen hat er seit 2007 eine Radgruppe, die jedes Jahr eine große Tour unternimmt. „Bei unserer ersten Tour waren wir auf dem Jakobsweg unterwegs“, berichtet er. Auch die Weser, die Elbe oder die Donau seien sie entlanggefahren. „Eine besondere Sache war es für mich, als ich mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn die Alpen überquert habe.“

Der Vater von zwei Kindern will sich nach dem Ausscheiden aus dem Ortsbeirat nicht mehr politisch engagieren. Allerdings sucht er noch nach einer neuen sozialen Aufgabe: „Vielleicht werde ich mich im Grundtreff engagieren“, überlegt er. In dem Generationentreff in Wittelsberg organisiert die Gemeinde zahlreiche Angebote, vor allem für Senioren. „Ich könnte dort etwa Vorträge über Emil von Behring halten“, sagt te Kamp. „Und ansonsten werde ich weiter dem Sport frönen.“

von Patricia Grähling

 
Hintergrund
Der Hugenotten- und Waldenserpfad ist ein euro­päisches Partnerschaftsprojekt, das den Weg der Glaubensflüchtlinge von Dauphiné in Frankreich und vom Piemont in Italien bis nach Nordhessen nachvollzieht. Der Wanderweg ist 1800 Kilometer lang und führt auch durch das Marburger Land. Der Weg über den Frauenberg ist eine Abzweigung des Hugenotten- und Waldenserpfades und bindet so den Frauenberg, eine frühere Waldensersiedling, an.
 
Die wertvollsten Sammelstücke von Otte te Kamp: Eine Grußkarte und ein Brief aus der Feder von Emil von Behring. Foto: Grähling
 
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