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Farbenfrohe Fußspuren in Afrika

Das wäre mal eine(r) Farbenfrohe Fußspuren in Afrika

Franziska Brüning will etwas bewegen, sie will farbenfrohe Fußabdrücke hinterlassen. Daher reist sie für ein Jahr nach Afrika und Südamerika, um Kinder über Depressionen aufzuklären und damit ein Tabu zu brechen.

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Quelle: privat

Marburg. In wenigen Tagen geht es los: Dann fliegt Franziska Brüning mit ihrem Freund nach Namibia. Ein Jahr werden die beiden unterwegs sein und entlegene Gegenden in Afrika und Südamerika besuchen. Sie wollen sich aber nicht einfach nur das Land anschauen und die Zeit genießen - sie wollen etwas Gutes tun und Aufklärungsarbeit leisten.

„Meine Liebe zu Afrika hat vor zehn Jahren begonnen“, erzählt die 29-Jährige rückblickend. Nach dem Abitur in Stuttgart habe sie ein Jahr in einem Kindergarten in Namibia gearbeitet. Anschließend studierte sie Sozialpädagogik und Psychologie. Es verschlug Brüning nach Marburg, wo sie nun ihr Studium beendet hat. Die Liebe zu Afrika ist geblieben - und auch die Liebe zu Kindern. Deswegen möchte Brüning nun wieder nach Afrika reisen und dort ihr Projekt „Colored Footprint“ - also „farbiger Fußabdruck“ - in die Tat umsetzen.

Bei dem Projekt geht es der Psychologin und Sozialpädagogin darum, Kinder über Depressionen aufzuklären - und ihnen zu vermitteln, dass sie nicht schuld sind, wenn die Mutter unter Depressionen leidet. „Ich finde das Thema psychische Erkrankungen sehr wichtig“, erklärt Brüning ihre Motivation. „Es ist aber in vielen Ländern ein großes Tabu-Thema und ich glaube, dass sehr viele Kinder unter den Erkrankungen ihrer Eltern leiden, weil sie es nicht einordnen können.“

In Afrika seien die Menschen lebensfroh und offen, traurige Mitmenschen würden da nicht in das Weltbild passen und würden oft weggesperrt. Denn die Menschen erlebten es als eine Bestrafung, wenn jemand körperlich behindert oder geistig erkrankt sei. „Aber Depressionen gibt es überall“, ist sie sich sicher. Es sei nur schwer, Zahlen zu erfassen: Einerseits, weil es ein Tabu-Thema sei. Andererseits, weil es in vielen Ländern kaum Psychologen gebe, die die Krankheit diagnostizieren könnten und weil es schlichtweg oft kein Wort für „Depression“ gebe.

13 Länder in 12 Monaten

In einem Jahr will Brüning durch 13 Länder in Afrika und Südamerika reisen. Mit dabei hat sie ihren Freund und ihr Auto. Das wird der Lebensmittelpunkt des engagierten Paares, denn darin werden sie das gesamte Jahr über schlafen und einen wichtigen Teil für das Projekt transportieren: die Farben.

Die Psychologin wird viele Buntstifte im Gepäck haben. Denn sie will den Kindern ihre Geschichte vom Käfer Kribbel erzählen, der eine traurige Mama hat und die Giraffe, den Adler und das Zebra fragt, warum seine Mama so traurig ist. „Der Käfer fühlt sich schuldig. Und das tun auch viele Kinder“, weiß Brüning. Anschließend will sie mit den Kindern über die Geschichte und deren Erfahrungen sprechen - und ihnen Buntstifte schenken, damit sie Bilder vom Käfer Kribbel malen können. Erreichen will sie ihre jungen Zuhörer in den Schulen.

Ein wenig ist es eine Reise ins Ungewisse. Denn Brüning erzählt, dass sie zwar in Deutschland alles organisiert habe, was vorab möglich gewesen sei - etwa die Buntstifte, den Flug nach Namibia, zahlreiche Spenden. Konkrete Termine mit Schulen in Afrika habe sie aber noch nicht. „Wir fahren in die entlegenen Gegenden. Da gibt es kein Internet und auch kein Telefon“, erklärt sie. Vielmehr werde das Paar einfach zu den Schulen fahren und das Angebot machen. „Wir haben schon viel Erfahrung und wissen, dass die Menschen sehr offen sind für Projekte und die Menschen, die zu ihnen kommen“, erzählt sie. „Außerdem bringen wir Buntstifte mit. Das erhöht die Offenheit sicherlich.“ Deswegen freue sie sich schon auf tolle Begegnungen und hoffe, in den Alltag der Menschen mit eintauchen zu können und nicht an ihnen „vorbei zu reisen“.

Sowohl in Afrika als auch in Südamerika haben Brüning und ihr Freund aber schon vorab eine Route ausgewählt: „Wir fahren nur in Länder, in denen wir uns sicher fühlen“, erklärt sie. In Brasilien und Venezuela etwa sei die politische Lage derzeit gefährlich. „Da hätten wir Sorge, dass wir nicht wieder mit unserem Auto rauskommen.“

Spenden für Buntstifte erwünscht

Das Projekt „Colored Footprints“ war für Brüning eigentlich ein einmaliges Projekt. Nun hofft sie aber, dass es über das Jahr hinaus weitergeht und bunte Fußspuren in viele Länder trägt. „Ich habe viel Werbung in sozialen Netzwerken und anderen Studentengruppen gemacht“, erklärt sie. Die Resonanz sei erstaunlich: „Eine Studentin geht bald für ein Jahr in den Senegal und möchte mein Projekt dort auch umsetzen. Das hätte ich nicht erwartet.“ Nun hoffe sie aber, dass noch viel mehr Menschen einsteigen und die Geschichte vom Käfer Kribbel und weitere Buntstifte in die entlegensten Regionen der Welt tragen.

Brüning selbst nimmt nun erst mal 1000 Buntstifte mit nach Afrika. Ein deutscher Stifte-Hersteller unterstützt ihr Projekt großzügig. Sie sammelt aber weiter fleißig Spenden für weitere Stifte.

Mehr Informationen zum Projekt und Kontodaten für eine Spende finden Sie im Internet unter www.coloredfootprint.de.

von Patricia Grähling

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