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Einsatz für das Leben anderer Menschen

Das wäre mal eine(r) Einsatz für das Leben anderer Menschen

Sven Nauss kümmert sich schon seit seiner Jugend um das Leben anderer Menschen: Früh war er in der DLRG aktiv. Beruflich ergänzte er das mit einer Ausbildung zum Krankenpfleger.

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Mit einem Schwimmkurs hat alles angefangen, mittlerweile ist Sven Nauss Strömungsretter und übernimmt selbst die Schwimmausbildung anderer Kinder.

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. Zu der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kam Sven Nauss mit neun Jahren. „Meine Mutter meinte, dass ich nach dem Seepferdchen noch weiter schwimmen lernen muss“, erinnert er sich. „Das war damals der typische Weg für Kinder in Mengsberg.“ In dem Neustädter Stadtteil gibt es nämlich ein Schwimmbad, dort hat die DLRG Neustadt Schwimmkurse angeboten. Das war 1993 - und irgendwie ist Nauss hängengeblieben und bis heute in der DLRG aktiv.

Zunächst habe er mit 12 Jahren den Rettungsschwimmschein gemacht, dann mit 15 Jahren den Rettungsschwimmschein in Silber. „Mit 16 Jahren durfte ich dann mit zu Wachdiensten an der Ostseeküste“, sagt der heute 32-Jährige. Ab da ging es jeden Sommer nach Scharbeutz zum Timmendorfer Strand. „Das war dann mein Einstieg in den aktiven Einsatz.“

Kurz darauf rutschte Nauss auch in die Einsatzgruppe in Neustadt, kam mit 16 Jahren in den Vorstand und wurde Jugendwart. „Eigentlich habe ich ja etwas für die eigenen Interessen gemacht, denn ich war ja selbst noch ein Jugendlicher und wusste daher, was die anderen Jugendlichen sich für eine Freizeitgestaltung wünschen.“ Außerdem habe er die Jugendlichen ohnehin schon alle gekannt - vom Beckenrand aus. „In der Schwimmausbildung war ich zu dem Zeitpunkt auch schon aktiv. Dann bin ich in den Vorstand, weil ich auch etwas bewirken wollte.“

Bis 2006 war Nauss in Neustadt aktiv. Mittlerweile ist er bei der DLRG Marburg. Denn wegen seiner Ausbildung zum Krankenpfleger ist er in die Stadt an der Lahn gezogen. „Die DLRG ist eine große Familie. Man kennt sich überall. Und irgendwie bin ich hier mal vorbeigekommen und dann hängengeblieben“, sagt er heute lachend.

Seit 2008 ist Nauss der Vorsitzende der Bezirksjugend und damit auch im Vorstand des Kreisjugendrings. „Das ist sehr viel Bürokratie.“

Weil er aber auch noch andere Aufgaben innerhalb der DLRG übernommen hat, außerdem Vater eines vierjährigen Sohnes ist und neben der Arbeit ­eine berufliche Weiterbildung macht, sucht er derzeit nach einem Nachfolger - was sich allerdings sehr schwierig gestalte.

Unterdessen kümmert Nauss sich seit diesem Jahr bei der DLRG Marburg auch noch um das Sanitätswesen. „Irgendwie passt das ja zu meinem Beruf“, sagt er. Denn er ist verantwortlich dafür, dass das Sanitätsmaterial auf den Booten und den Autos instand gehalten wird. Daneben kümmert er sich um die Ausbildung der neuen Rettungsschwimmer. „Für den Rettungsschwimmschein ist die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs nötig“, erklärt der 32-Jährige. Die organisiere er für die DLRG-Mitglieder, ebenso wie Schulungen und Sanitätslehrgänge für die aktive Truppe. „Ich selbst mache nur die reine Organisation, weil ich keine Lehrbefähigung habe.“ Aber die solle natürlich noch folgen - im nächsten Jahr hat Nauss dies schon eingeplant. Denn in diesem Jahr ist der Strömungsretter noch mit einer Fachausbildung zum Fachkrankenpfleger beschäftigt. Die macht er neben seinem Job auf der Intensivstation in der Uniklinik und den Gutachten, die er für den medizinischen Dienst schreibt.

Bei all den Aktivitäten hat Nauss auch schon einiges aufgeben müssen: So sei er offiziell nicht mehr in der Jugendarbeit einer Ortsgruppe. „Aber irgendwie komme ich um das Thema nicht drumrum“, verrät er. Denn: „Meine Verlobte ist die Vorsitzende im Bereich der Jugendarbeit in Marburg.“ Und irgendwie mache es alles einfacher, dass seine Verlobte das gleiche Hobby habe.

Bei der Schwimmausbildung hilft er allerdings noch, ebenso bei aktiven Einsätzen - etwa beim Drachenbootrennen bei „3 Tage Marburg“: „Das sind für uns anstrengende Tage“, erklärt Nauss. Neben den Trainingstagen helfe die DLRG beim Wettkampf, die Boote auf das Wasser zu bringen und den Menschen beim Einstieg und Ausstieg zur Seite zu stehen. Auch bei der Surfregatta in Niederwald sei das Team immer als Wachdienst dabei.

„Im September begleiten wir wieder den Flusskindergarten“, sagt der Strömungsretter. Dann kommen Kinder aus den städtischen Kindergärten und verbringen mit der DLRG einen Tag auf der Lahn. „Diese ganzen Aktionen betreuen wir ehrenamtlich“, sagt Nauss. Das bedeutet, dass die DLRG-Mitglieder eigens für solche Tage Urlaub bei ihrem Arbeitgeber einreichen.

Ernsthafte Einsätze habe die DLRG im Landkreis laut Nauss nicht oft - wenn, dann geht es allerdings oft um Leben oder Tod. So wurden die Rettungsschwimmer vor kurzem alarmiert, weil eine Frau in die Lahn gefallen war. Dieser Einsatz ging glimpflich aus, die Frau wurde schnell aus dem Wasser gezogen. Weniger gut war vor einer Woche die Suche nach einem in Niederwald verunglückten Surfer. Zwei Tage lang suchte Nauss erfolglos mit der DLRG nach dem Mann, nach Feierabend und bis in die Nacht. Anstrengend sei es gewesen, aber der Einsatz für die DLRG habe eben auch weniger schöne Seiten. Geborgen wurde der tote Surfer am vergangenen Freitag. „Die meisten unserer Einsätze sind aber eine Absicherung, damit gar nicht erst etwas passiert“, erklärt der Rettungsschwimmer.

Bei so viel Engagement für einen Verein ist eines kein Wunder: Nauss vierjähriger Sohn Elia ist seit dem Tag seiner Geburt Mitglied der DLRG.

von Patricia Grähling

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