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Eine Liebe über Grenzen hinweg

Diamantene Hochzeit mit OP-Abo Eine Liebe über Grenzen hinweg

Fritz und Ingrid Schäfer sind seit 60 Jahren verheiratet. Ihrer Liebe konnte auch der Eiserne Vorhang nichts anhaben. Und immer mit dabei in 60 Jahren Ehe: die Oberhessische Presse.

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Am 2. Juni 1956 haben Ingrid und Fritz Schäfer geheiratet. Zu ihrem glücklichen Leben gehört auch die Zeitung.

Quelle: Patricia Grähling

Stadtallendorf. Fritz Schäfer hat sein eigenes Abo der OP schon genauso lange, wie er Ingrid seine Ehefrau nennen darf. Allerdings zog die tägliche Zeitung schon früher bei ihm ein, als Ingrid. Denn im ersten Jahr ihrer Ehe trennte sie der Eiserne Vorhang.
Ingrid Schäfer lebte in Thüringen, in der DDR. „Aber mein Vater kam aus Speckswinkel“, erzählt sie. So reiste sie 1954 zu einer Konfirmation nach Hessen – und traf dort auf Fritz Schäfer. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt er heute und schaut seine Ingrid dabei zärtlich an. Aber Ingrid musste nach wenigen Tagen zurück in die DDR, was ihnen blieb, war zunächst eine Brieffreundschaft. Ein Jahr später fuhr Fritz Schäfer mit dem Motorrad nach Thüringen und machte Ingrid einen Heiratsantrag bei einem Spaziergang im Feld. Hilfe hatte er dabei von Ingrids Mutter.

Wiederum ein Jahr später gaben die beiden sich das Ja-Wort. Es war Fritz zweiter Besuch in Thüringen, seine Ingrid hatte er überhaupt erst das dritte Mal in seinem Leben gesehen. „Man weiß ja vorher nie, ob es gut geht“, sagt Ingrid Schäfer. „Und jetzt sind wir schon 60 Jahre verheiratet.“ Für ihre Liebe musste das Paar allerdings kämpfen: Er musste nach der Trauung zurück nach Speckswinkel, sie durfte nicht aus der DDR ausreisen. Ein Jahr lang hat Ingrid Schäfer immer wieder einen Antrag auf Zuzug in die Bundesrepublik gestellt – immer wieder wurde er abgelehnt. „Zu unserem ersten Hochzeitstag wurde der Antrag dann genehmigt“, sagt Fritz Schäfer glücklich. „Die Genehmigung habe ich eingerahmt.“

Für sich und seine Frau hatte Fritz Schäfer zu der Zeit schon eine Wohnung in Neustadt gefunden. „Das ging damals nur über Beziehungen. Die Wohnungen waren knapp“, erklärt er. Seinen Job als Friseur gab  er auf. „Ich verdiente 45 Mark in der Woche. Und ich musste jetzt eine Frau ernähren.“ Also ging er zur Eisengießerei Winter, sparte auf eine Küche und Möbel für das Schlafzimmer, überraschte damit seine Frau. „Zu Weihnachten haben wir uns dann ein Sofa und zwei Sessel gegönnt“, sagt sie.

„Lieber geknausert, statt auf die OP zu verzichten“

Die OP haben sie in dieser Zeit jeden Tag gelesen, auch wenn das Geld knapp war. „Wir haben lieber woanders geknausert, statt auf unsere Zeitung zu verzichten“, betont Ingrid Schäfer. „Was hier passiert, das bekommen wir nur aus der Zeitung mit“, ergänzt Fritz Schäfer. Im Fernsehen sehe er nur, was in der Welt geschehe.

Deswegen ist das Abo auch mit nach Stadtallendorf gezogen, als Fritz Schäfer nach 20 Jahren aus gesundheitlichen Gründen bei Winter aufhören musste. Er wurde Hausmeister in der Grundschule Waldschule, sie arbeitete als Raumpflegerin. So zog die Familie mit den drei Kindern in die Wohnung über der Schule ein und blieb dort bis zur Rente 1990.
„Die Zeitung gehört zu unserem Tag dazu“, sagt Ingrid Schäfer. Sie hole sie um fünf Uhr in der Frühe ins Haus. „Das ist morgens das Erste, was ich mache“, sagt sie. Einmal kam die Zeitung erst später – „da fehlt dann was“. Nach Ingrid

Schäfer darf ihr Mann dann die Zeitung lesen. Und der lässt sich Zeit: „Ich lese wirklich alles. Da brauche ich zwei Stunden Zeit.“ Ein bisschen mehr über Stadtallendorf könne seiner Meinung nach drin stehen. Schon vor seiner Hochzeit gehörte für Fritz Schäfer übrigens die Oberhessische Presse zum Leben dazu: „Wir waren eine kinderreiche Familie. Ich hatte acht Geschwister“, sagt der heute 86-Jährige. Da sei das Geld immer knapp gewesen. So habe die Familie sich mit dem Austragen der OP die Haushaltskasse
aufgebessert. „Und ich habe gerne beim Austragen geholfen.“

von Patricia Grähling

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