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Ein kleines Wunder des Alltags

Das wäre mal eine(r) Ein kleines Wunder des Alltags

Wie und was fressen Schmetterlinge? Und wieso haben manche von ihnen zerrissene Flügel? Katja Allgäuer beantwortet zahllosen Kindern geduldig solche Fragen, wenn sie diese durch das Schmetterlingshaus führt.

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Katja Allgäuer kümmert sich täglich um die vielen Schmetterlinge im Botanischen Garten. Zu den größten Schützlingen zählt der Bananenfalter. Schon als Raupe ist der riesig (kleines Foto).

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. Katja Allgäuer arbeitet mit Wundern - jeden Tag. Genauer gesagt arbeitet sie eigentlich mit Schmetterlingen. Aber was ist es anderes als ein kleines, alltägliches Wunder, wenn sich eine Raupe verpuppt und in einen makellosen, farbenprächtigen Schmetterling verwandelt? „Es ist naturwissenschaftlich erklärbar“, sagt Allgäuer. „Und trotzdem bleibt es ein kleines Wunder“, beharrt sie.

Allgäuer ist fasziniert von den Schmetterlingen, von ihrer Wandlung und dem Kreislauf des Lebens, der sich täglich vor ihren Augen vollzieht. Die Gartenarbeiterin betreut das Schmetterlingshaus im Neuen Botanischen Garten auf den Lahnbergen. Dort kümmert sie sich um die Pflanzen, die Lebensgrundlage für die vielen tropischen Schmetterlinge sind, die um sie herumflattern. Außerdem füllt sie hier und da Honigwasser in „Futternäpfe“. Sie schmunzelt: „Das ist nur eine süße Ergänzung zu dem Nektar in den Blumen.“

Außerdem eignet das Honigwasser sich sehr gut, um die schillernden, zarten Tiere auf den Finger zu locken. Das begeistert die Kinder immer wieder, die Allgäuer im Sommer durch das kleine Schmetterlingshaus führt. „Und nicht nur die Kinder geraten dann ins Staunen“, verrät sie mit einem Augenzwinkern. „Auch die Erwachsenen lässt so ein zartes Wesen nicht kalt, wenn es auf dem Finger sitzt.“

Katja Allgäuer arbeitet seit 18 Jahren im Botanischen Garten als Gartenhelferin. Seit zehn Jahren macht sie Führungen zum Thema Schmetterlinge. Meist kommen Kindergartengruppen und Grundschulklassen vorbei, manchmal melden sich aber Gruppen von Erwachsenen an, teilweise mit Behinderungen. Ihnen allen versucht Allgäuer ihre Faszination für Schmetterlinge näherzubringen. Und der Funke springt meistens sehr schnell über: Die Gartenarbeiterin ist gelernte Erzieherin und weiß, wie sie Kinder in ihren Bann ziehen kann.

Zunächst geht Allgäuer mit den Kindern durch das Tropenhaus, zielsicher auf die Bananenstauden zu. Sie fragt die Kinder, welche Pflanze die sein könnten. Sie bezieht ihre jungen Zuhörer mit ein, weckt so ihre Neugier und gewinnt die Aufmerksamkeit. Sie erzählt, dass der riesige Bananenfalter rund um diese Pflanze lebt: Er setzt seine Eier darauf ab. Die schlüpfende Raupe frisst die Blätter und wächst auf das Zehnfache ihrer ursprünglichen Größe. Dann verpuppt sie sich und vollzieht nach und nach das Wunder der Verwandlung.

Allgäuer erzählt das alles mitreißend und kindgerecht und bereitet die Kinder so auf den Besuch im Schmetterlingshaus vor. „Ich erzähle ihnen, dass Schmetterlinge rundherum sehen können und die Kinder deswegen nicht zappeln dürfen“, sagt die Gartenarbeiterin. Außerdem bespricht sie mit ihnen, dass die Tiere nicht stechen, beißen oder pieken können. „Die Kinder gehen dann immer ganz leise und ehrfürchtig hinein“, sagt Allgäuer. Dort beobachten sie staunend die schillernde Farbenpracht, das wilde Geflatter, den Hochzeitstanz vor der Paarung. Sie suchen in den Blättern nach Raupen und Puppen. „Die Kinder sind mit so einer Begeisterung dabei, dass ich sogar an schlechten Tagen sofort gute Laune bekomme.“

Für Allgäuer ist es ein Traumjob im Botanischen Garten: „Ich wollte etwas mit meinen Händen arbeiten, und ich habe eine Leidenschaft für Gartenarbeit“, erzählt sie. Sie liebe die Pflanzen und die Natur - und sie liebe Kinder. „Für mich ist es ein Highlight in der Sommerzeit, wenn ich immer wieder Führungen für Kinder machen kann“, erzählt sie. „Ich finde es toll, sie für die Natur zu begeistern und für diese zarten, seltener werdenden Schmetterlinge.“

Dabei hat Allgäuer sich teilweise auch geekelt. „Ich mochte die große braune Bananenfalter-Raupe nicht“, sagt sie. Heute nimmt sie sie vor den Kindern in die Hand, streichelt sie und zeigt, wie weich das Tier eigentlich ist. „Es ist alles eine Gewöhnungssache.“

Das Besondere an dem Job: Kein Tag ist wie der andere, und jede Führung ist anders. „Bei einer Führung ist gerade ein Schmetterling geschlüpft“, erinnert sich Allgäuer. „So etwas kann man nicht planen.“ Die ganze Schar Kinder habe eine Ewigkeit still und fasziniert um die Puppe herumgestanden und dem Tier zugeschaut. Wenn es heiß ist, flattern die Insekten mehr. „Da haben manche Kinder auch Angst, sie zittern oder weinen.“ Auch diese Kinder kann Allgäuer meist für Schmetterlinge begeistern. „Ich freue mich, wenn die Kinder sich überwinden. Sie wachsen daran und werden richtig stolz.“

Wenn Winter ist, dann gibt es im Botanischen Garten keine Schmetterlinge. Stattdessen pflegt Allgäuer dann die Kamelien, die im Winter im eigentlichen Domizil der Schmetterlinge stehen. Pünktlich zu Pfingsten sind die Kamelien dann wieder draußen an der frischen Luft - damit die eingekauften Puppen im Gebäude in Ruhe schlüpfen können. „Die sind richtig wertvoll“, sagt Allgäuer. Der Botanische Garten kauft daher nur einige ein - und züchtet einen Teil der vielen flatternden Tiere selbst.

von Patricia Grähling

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