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Ein Wintergarten im Jenseits

Das wäre mal einer Ein Wintergarten im Jenseits

Einen bequemen Platz 
im Himmel, eine Tasse Tee und tiefsinnige Gespräche mit Gott – so sieht sich ­Michael vom Ende im Jenseits. Die Neugier, die Religion und die Suche nach Antworten durchziehen das Leben des Theologen.

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Ausblicke

Michael vom Ende sitzt gerne auf seinem Balkon und entspannt mit seiner Familie. Im Leben nach dem Tod sieht er sich in einem Wintergarten mit Gott disputieren.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Bequem ist es schon jetzt auf dem großzügigen, überdachten Balkon seines Hauses in Gisselberg. Hier entspannt Michael vom Ende mit seiner Familie gerne, bei Tee oder Kaffee. Aber auch beim Motorradfahren findet vom Ende eine Auszeit, fast noch lieber spielt er Klavier und spricht über Gott und die Welt – im Radio.

Sich selbst beschreibt der 54-Jährige als interessierten Teamplayer mit rascher Auffassungsgabe und großem Wissensdurst – die Neugier war für ihn beruflich wie privat immer ein Antrieb. Denn: „Wer schon alles weiß, der forscht nicht mehr“, sagt er. Täglich informiert er sich ausgiebig über die Geschehnisse auf der Welt und reist leidenschaftlich gerne durch eben jene.

Ursprünglich stammt er aus Duisburg, ist eine bekennende „Ruhrpott-Schnauze“ und besuchte als einziger von fünf Geschwistern das Gymnasium. Seine Schulzeit weckte schon früh so einige Interessen: Bereits in jungen Jahren begeisterte sich vom Ende für Geografie, die englische Sprache, Religion, Sport und die Musik, „das hat mir immer gefallen und mich mein ganzes Leben begleitet“.

Erst mal was Richtiges gelernt

Ebenso wie der Kontakt zu Menschen aus dem Ausland, seit seiner Kindheit. Denn: sein Vater engagierte sich ehrenamtlich für Sozialprojekte in Uganda, der Sohn traf schon als Kind regelmäßig auf Besucher aus Südafrika oder China, zur damaligen Zeit eher ungewöhnlich. „Das hat meinen Blick geweitet und mir verdeutlicht, dass zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt an den selben Gott glauben“, erinnert er sich. Diese Erkenntnis begleitete ihn bis in seine Karriere hinein. Die begann in einer ganz anderen Richtung.

Sein Ziel Theologie zu studieren legte er nach dem Abitur vorerst auf Eis, kam dem Wunsch des Vaters nach, erst einmal „etwas Richtiges“ zu lernen und entschied sich für eine Kaufmannslehre in der Stahlindustrie. Darüber ist er heute froh, auch wenn er schon damals wusste, dass ihn sein erster Beruf nicht lange halten wird. „Aber auch hier lernte ich viele verschiedene Menschen und Meinungen kennen, das hat mir viel gebracht“.

Mit 22 Jahren begann schließlich das ersehnte Studium und vom Ende wurde „ein später Theologe“. Nach einer theologischen Ausbildung bei der evangelischen Hochschule Tabor in Marburg absolvierte er seinen Master an einer amerikanischen Hochschule. Der Grund war der dortige Schwerpunkt, die Missiologie. Die „Lehre der Sendung Gottes“, das Interkulturelle Wirken der Missionare in der Fremde hat ihn stets interessiert.

Einige Jahre leitete der Gisselberger die Öffentlichkeitsarbeit bei Tabor, arbeitete parallel als Pastor am Ortenberg, bevor es ihn zur Marburger Mission verschlug. Auch dort war vom Ende im Öffentlichkeitsbereich tätig, wurde schließlich stellvertretender Direktor. Diese Funktion schien ihm wie auf den Leib geschnitten, brachte sie den reiselustigen „Kommunikationsmenschen“, wie er sich selber beschreibt, doch in zahlreiche Länder dieser Welt.

Als Betreuer und Berater besuchte vom Ende die missionarischen Teams vor Ort, lernte deren Arbeit, Erfolge wie Hürden, kennen. Bis auf Australien reiste er bereits durch alle Kontinente, brachte dabei ergreifende Eindrücke mit nach Hause, von faszinierenden Begegnungen in einem christlichen Behindertenheim in Taiwan, bis zu abenteuerlichen Aufenthalten bei den Kaingang-Indianern im Süden Brasiliens. „Es war eine spannende und lehrreiche Zeit“, erinnert er sich.

Medienprojekt liegt Michael vom Ende am Herzen

Bis heute reist er viel, beruflich wie privat. Ist er mal Zuhause, fährt der 54-Jährige seit kurzem auch Motorrad, hat sich damit einen langgehegten Traum erfüllt. „Ich bin bis heute gerne unterwegs und habe noch Wünsche und Träume – einer war das Motorradfahren“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Der nächste Wunsch wäre dann, Saxophon zu lernen – Klavier, Gitarre und ein wenig Geige kann er bereits spielen. Die Musik bedeutet dem Jazz- und Blues-Fan sehr viel, verbindet sie doch die Menschen und kann ausdrücken, was dem gesprochenen Wort nicht möglich ist. „Bei Musik kann ich ins Schwärmen kommen, es ist die Sprache des Unaussprechlichen“, sagt vom Ende.

Ins Schwärmen kommt der von Außen nüchtern wirkende vom Ende auch bei religiösen Diskursen. Seine kommunikativen Fähigkeiten brachten ihn vor rund 15 Jahren zum Rundfunk, als Kommunikationschef beim ERF Medien Deutschland e. V., der mehrere TV- und Radioprogramme betreibt. Seit zwei Jahren ist er Vorstandsreferent. Für das auf Spenden basierende Medienprojekt schreibt und spricht er bis heute in leicht verständlicher Sprache im Radio über Gott und die Welt. „Das hat auch viel mit Missiologie zu tun, ich bin kein klassischer Missionar, aber ich möchte gerne gute Nachrichten bringen, über Gott sprechen und Antworten auf die Fragen geben, die im Herzen jedes Menschen entstehen“, beschreibt er seine Arbeit.

Dabei setzt er sich auch mit den eigenen offenen Fragen und Zweifeln auseinander, „wer nicht zweifelt, der lebt nicht – und wer nicht glaubt, der auch nicht“, sagt er offen. Doch auch der ein oder andere auftauchende Zweifel im Kopf des bodenständigen Theologen habe seinen Glauben nicht mindern können – und genau darüber will er Zwiesprache mit Gott suchen, später, wenn er einmal nicht mehr ist. Denn: „Ich weiß wie mein Platz im Himmel aussieht – eine gute Sitzgelegenheit in einem schönen Wintergarten, eine Tasse Tee und ein schwarzer Flügel“, zeichnet er sein Bild vom Paradies. Und dort will er dann in aller Ruhe mit Gott sprechen, diesem all die Fragen stellen, „die in diesem Leben nicht geklärt werden können“.

von Ina Tannert

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