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Ein Mann für alle Fälle

Das wäre mal eine(r) Ein Mann für alle Fälle

Werner Naumann ist ein "Zugezogener" - dennoch ist er aus der Dorfgemeinschaft kaum noch wegzudenken. Egal ob handwerklicher Bürgerhausumbau oder künstlerisches Ortsschild: Naumann mischt überall mit.

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Werner Naumann arbeitet gerne mit den Händen und wird dabei kreativ und probiert sich aus. So hat er einen Gedenkstein gemeißelt und ein Auto auf Holz gezeichnet. Derzeit arbeitet er an einer Giraffe.

Quelle: Grähling

Sichertshausen. Werner Naumann hat überall in Sichertshausen seine Handschrift hinterlassen: Im Bürgerhaus, am Ortseingang und in so manchem Haus. Der Rentner bringt sich mit seinen Fähigkeiten ein, wo er kann. Mal packt er kräftig mit an, mal wird er kreativ. „Er hat sich im Dienste unserer Dorfgemeinschaft unentgeltlich als Kunstmaler, Bildhauer und Dichter nicht nur in Sichertshausen, sondern auch über die Grenzen unseres Ortes hinaus, einen Namen gemacht“, sagt Ortsvorsteher Reinhard Lauer über Naumann. „Es ist für uns als Dorfgemeinschaft und nicht zuletzt auch für mich als Ortsvorsteher ein Glücksfall, einen solchen Mitbürger zu haben“, lobt er weiter.

Und Naumann leistet wirklich einiges - auch wenn er das ganz bescheiden sieht. „Es ist eine Gottesgabe, wenn man etwas gut kann“, erklärt er. „Damit sollte man sich dann auch einbringen und es nutzen.“

Naumann ist nur ein Zugezogener, hat sich in 17 Jahren aber unentbehrlich gemacht in dem Fronhäuser Ortsteil. Dabei verdanken die Bewohner es reiner Mathematik, dass Naumann mit seiner Frau dorthin gezogen ist. Gebürtig ist er aus Kirchvers, hat später in Großen-Buseck und in Wehrda gewohnt. „Wir wollten dann ein Domizil in der Mitte zwischen Marburg, Gießen und Kirchvers und so kamen wir auf Sichertshausen.“

Die Wohnung hatte Frau Naumann eigentlich gar nicht gefallen

Dabei hatte die angeschaute Mietwohnung Naumanns Frau gar nicht gefallen. „Es war Winter und alles war grau und nicht mehr so schön“, erklärt der Rentner. Eine zweite Wohnung in Hassenhausen habe das Paar aber nicht bekommen - also musste Sichertshausen wohl die neue Heimat werden. „Zum Glück“, sagt Naumann heute. Mittlerweile würde auch seine Frau nie wieder umziehen wollen, denn mit ein bisschen Farbe und Liebe zum Detail hätten beide sich ein wunderbares Zuhause geschaffen - und eine Heimat in der Dorfgemeinschaft gefunden.

„In den ersten Jahren waren wir fremd und kannten niemanden“, erinnert Naumann sich zurück. „Aber wenn man auf die Leute zugeht, dann wird man hier gerne aufgenommen.“ Deshalb ging Naumann auch in den Gesangverein - auch wenn er nicht singen könne. Tischtennis habe er wegen einer Schulterverletzung nicht mehr spielen können, also sei das seine beste Möglichkeit gewesen, um Anschluss zu finden. Als dann 2003 die Dorferneuerung in Sichertshausen anfing, war der gebürtige Kirchverser von Anfang an dabei. „Anfangs war das natürlich viel Gerede bei den Treffen.“ Da habe er sich herausgehalten, da er die Verhältnisse im Dorf noch nicht so gut gekannt habe. Als es aber darum ging, das Bürgerhaus mit Leben zu füllen, schlug er eine Seniorengymnastikgruppe vor. Die gibt es bis heute. Jeden Montag um 10 Uhr treffen sich die Sichertshäuser und bewegen sich gemeinsam unter der Leitung von Rita Stieger.

„Ich bin damals von Haus zu Haus gegangen und habe die Leute gefragt, ob sie mitmachen“, erzählt Naumann. So seien dann beim ersten Treffen mehr als 20 Menschen dabei ­gewesen.

Auch bei der monatlichen Aktion „runder Tisch - älter werden auf dem Land“ ist Naumann immer dabei. Er organisiert mit einem kleinen Team das Programm, etwa Ausflüge, Theaterbesuche oder musikalische Nachmittage. Und vor kurzem hatte er die Leitung des Nachmittags einmal selbst übernommen. „Wir haben Gehirnjogging gemacht, damit der Kopf fit bleibt“, erzählt er. Rätsel habe er vorbereitet, die die Besucher dann gemeinsam gelöst haben. Was man mache sei gar nicht so wichtig: „Das Wichtigste war erst mal, die Leute aus dem Haus zu holen.“

Hier hört es mit dem Engagement von Naumann noch lange nicht auf: Er ist einer von vielen Helfern, die dreieinhalb Jahre lang jeden Samstag beim Bürgerhaus waren, um es zu renovieren und umzubauen. „Meine Frau hat vier Mal für alle Helfer gekocht“, erklärt er. Das sei im Dorf reihum gegangen und so habe jeder mal für die Helfer gesorgt. Ganz alleine hat Naumann einen Schrank entworfen, berechnet und gezimmert. Der steht nun im Stuhllager und bietet Raum für die Materialien der verschiedenen Vereine, seien es Noten, Instrumente oder eine Multimediaanlage.

Aus der Arbeit am Bürgerhaus hat sich zudem ein „Bauteam“ entwickelt, das an öffentlichen Gebäuden und Plätzen im Dorf Hand anlege, um sie schön zu machen. So habe der Trupp etwa die Schutzhütte mit einem neuen Dach und einem neuen Boden versehen oder Hecken geschnitten. „Wir arbeiten aber nicht immer“, verrät Naumann. „Wir feiern auch gerne zusammen.“

Der Künstler und Handwerker schreibt auch gerne Gedichte

Und auch für die Feiern ist der Zugezogene gut gerüstet, denn dann kann er seiner kreativen Ader freien Lauf lassen. Er schreibt gerne persönliche Gedichte oder gestaltet Glückwunschkarten selbst. Da erscheint der Ortsvorsteher schon mal als Häuptling der Gallier, der wie der Häuptling von Asterix und Obelix von Dorfbewohnern auf einem Schild getragen wird. Der Kassierer des Fördervereins für das DGH Sichertshausen hingegen ist mal schnell zu Dagobert Duck mutiert. Zur Einweihung von frisch sanierten Häusern verschenkt Naumann gerne Kohlezeichnungen von alten Dorfansichten - auch die hat er selbst angefertigt.

Und beim Malen und Gestalten bleibt es lange nicht: Naumann probiert sich gerne aus und scheint dabei ein Händchen für verschiedene Stile und Materialien zu haben. Für seine kreative Arbeit hat Hertha Tiirma ihm eine Garage überlassen, in der er seine Werkstatt hat. „Ohne sie könnte ich mich nicht so ausleben, denn in unserer Mietwohnung habe ich den Platz nicht.“ Der Zugezogene tobt sich nämlich gerne großflächig aus: Derzeit arbeitet er an einer Giraffe aus Beton für den Kinderspielplatz. Aber auch den Gedenkstein vor dem DGH hat er selbst gestaltet und Wappen und Text aus dem Stein herausgehauen. „Ich habe so etwas vorher nie gemacht. Aber man muss es ja irgendwann mal probieren“, erzählt er mit Blick auf die vielen Zeichnungen und Werke aus Holz, Pappmaché oder Styropor - und sein neuestes Werk: Eine Dorfansicht, die er großflächig auf die Wand des DGH gemalt hat.

von Patricia Grähling

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