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Ein Leben für den Schäferhund

Das wäre mal einer Ein Leben für den Schäferhund

Andreas Bender war eigentlich ein Fußballer mit Leib und Seele. Eine Knieverletzung brachte ihn ­jedoch zum Hundesport. Das hatte seinen Großvater stolz gemacht – 
und Bender den Titel des Deutschen Vizemeisters beschert.

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Katja Peters und Andreas Bender lieben Deutsche Schäferhunde.

Quelle: Patricia Grähling

Ebsdorf. Der Deutsche Schäferhund Enner hat sein Herrchen immer im Blick, lauscht absolut aufmerksam mit gespannter Körperhaltung. Die Befehle, wie „Sitz“ und „Platz“ setzt er ohne Zögern sofort um. Andreas Bender hat seinen Rüden gut trainiert. Er nimmt mit ihm an Wettkämpfen teil, Enner muss daher gut gehorchen.

Die Hündin Xuxu hingegen braucht schon mal zwei Ermahnungen, bis sie „Sitz“ macht. Sie springt lieber freudig an Katja Peters hoch. „Mit Xuxu züchten wir“, erklärt Andreas Bender. Der Gehorsam lasse da schon mal etwas nach, wenn man nicht regelmäßig mit einem Hund trainiere.

Bei dem Paar aus Ebsdorf dreht sich alles um die geliebten Schäferhunde. Und sie sind in allen Bereichen aktiv: Beide nehmen an Wettkämpfen teil, sie züchten Nachwuchs, unterstützen andere Hundebesitzer beim Training – und Bender ist zudem noch Richter bei Wettkämpfen. „Wir leben für unsere Hunde“, sagt Peters mit einem Lachen. Urlaub gebe es für das Paar daher auch nur mit Hund.

„Mein Großvater hatte immer Schäferhunde“, erklärt Bender. „Ich war als Kind immer fasziniert, wie sie über den Hof liefen und auf jedes Wort meines Opas hörten.“ Bender selbst interessierte sich aber mehr für Fußball. Bis er sich am Knie verletzte und sein Hobby aufgeben musste. „Irgendwann kam ich dann mit einem Schäferhund zu meinem Opa“, erinnert sich Bender. „Ich habe ihn gefragt, ob er mir helfen könne, den Hund auszubilden. Er war richtig stolz.“

„So einen Hund hat man
 nur einmal im Leben“

Heute ist Bender selbst ein erfahrener Trainer in der Erziehung und Ausbildung von Hunden. Und das hat er auch in nationalen und internationalen Schäferhund-Wettkämpfen im Schutzhundesport gezeigt: Seine erfolgreichste Zeit hatte er mit seinem Rüden Champ vom Schloß Birkenstein von 2008 bis 2011. Champ nahm drei Mal an der Deutschen Meisterschaft teil und holte sich einmal den Vize-Titel.

Dafür durfte er mit Bender Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Cincinnati/USA vertreten. „So einen Hund hat man nur einmal im Leben“, sagt Bender. Mit den großen Wettkämpfen hörte er daher auch auf, als Champ zu alt dafür wurde. „Ich habe zunehmend Probleme mit dem Knie. Und man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist.“

Für Bender war es das Beste, dass Champs Vater aus seiner Zucht stammte und er Champ als Welpen hatte, ihn ausgebildet und bis aufs Siegertreppchen gebracht hat. „Das ist anders, als einen ausgebildeten Hund zu kaufen.“ Elf Mal hat Bender es mit seinen eigenen Tieren bis zur Deutschen Meisterschaft geschafft.

Champ lebt heute bei einer Freundin in der Schweiz, ist mittlerweile 12 Jahre alt. „Dort bekommt er die Aufmerksamkeit, die wir ihm nicht mehr geben können.“ Katja Peters erklärt: „Wenn man Hundesport macht, muss man die jungen Hunde jeden Tag ausbilden. Dann wird man einem alten Hund kaum noch gerecht.“

Bender und Peters trainieren immer noch die eigenen Hunde, helfen auch anderen Schäferhund-Besitzern: Außerdem wurde er früh Helfer bei Wettkämpfen, ist seit 2001 selbst Richter und kam dadurch etwa nach Südafrika oder Indonesien.

Seit 1990 züchtet der Ebsdorfer zudem, hat aber erst 26 Würfe zu verzeichnen, ein absoluter Hobbyzüchter also. „Wir planen den nächsten Wurf, wenn Xuxu wieder läufig wird“, sagt Bender. Das schwierigste ist laut Peters, den passenden Deckrüden zu finden – denn Bender wolle immer den Besten. Stundenlang recherchiere er im Internet, gucke sich potenzielle Kandidaten bei Wettbewerben an. „Pokale vererben sich nicht, aber wir schauen uns das Erscheinungsbild an, den Charakter und den Spieltrieb“, erklärt Bender, der über den Verein für Deutsche Schäferhunde züchtet.

„Der Schäferhund will
 ausgelastet werden“

„Ich züchte für mich selbst und für meinen guten Ruf und nicht für Geld“, führt er zudem aus. Denn: ein Deckakt bei einem guten Deckrüden kostet Geld, ebenso wie die zahlreichen medizinischen Untersuchungen für die Welpen und die Mutterhündin.

Bei Schäferhunden seien etwa Röntgenuntersuchungen der Hüfte und Ellenbogen Pflicht, ebenso Hundeprüfungen und die Körung, die die Zuchttauglichkeit bescheinigt. „Außerdem werden die Welpen uns ja nicht aus der Hand gerissen“ – Bender wundert sich, warum der Deutsche Schäferhund in Deutschland keinen guten Ruf mehr habe, während er im Ausland ein Statussymbol sei.

Er sei ein guter Gebrauchshund, ein toller Familienhund und lasse sich von Kindern gut führen. „Der Schäferhund ist intelligent. Er will geistig und körperlich ausgelastet werden“, sagt Peters. Er müsse bewegt werden und sei eben kein Schoßhündchen. „Das vergessen viele leider.“

Die Hälfte seiner Schäferhunde sieht Bender bei Wettbewerben wieder. Die andere Hälfte werde einfach als Familienhund gehalten: „Das ist uns nicht wichtig. Wir wollen, dass es unseren Hunden gut geht und sie Menschen glücklich machen.“

von Patricia Grähling

 
Hintergrund

Der Schutzhundesport nach der Internationalen Prüfungsordnung (IPO) unterteilt sich in drei Sparten, die ein Hund bei einem Wettkampf meistern muss:

Fährte: Der Hund muss einer ausgelegten Fährte nachspüren und dabei „verlorene“ Gegenstände anzeigen.

Unterordnung: Der Hund muss seinen Gehorsam demonstrieren und auf Kommando bei Fuß gehen oder Sitz und Platz machen.

Schutzdienst: Der Hund muss einen „Täter“ stellen. Dabei darf er ihm nur in den (gepolsterten) Schutzarm beißen.

 
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