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Ein Kindheitstraum auf vier Rädern

Das wäre mal eine(r) Ein Kindheitstraum auf vier Rädern

Bei Jörg Braun dreht sich das halbe Leben um Autos. Wenn er nicht als Fahrschullehrer unterwegs ist, tourt er gerne mit seinem alten Audi Quattro durch die Region oder quatscht beim Stammtisch über Oldtimer.

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Der ganze Stolz von Jörg Braun ist sein 32 Jahre alter Audi Quattro. Das Fahrzeug weckt bei ihm Kindheitserinnerungen.

Quelle: Patricia Graehling

Fronhausen. Für Jörg Braun ist sein schwarzer Audi Quattro ein wiederentdeckter Kindheitstraum. Er hat viele Erinnerungen aus seinen jungen Jahren an das Fahrzeug. „Ich habe den Ur-Quattro. Mit dem sind damals viele Fahrer bei den Rallye-Weltmeisterschaften mitgefahren“, erzählt er. „Für damalige Verhältnisse war das ein seltenes, teures Top-Auto.“

Nicht nur bei den Meisterschaften habe er den Audi Quattro begeistert in Aktion gesehen, sondern vor allen Dingen wenn der deutsche Fahrer Walter Röhrl in den 80er-Jahren damit fuhr. „Das habe ich als Junge immer gerne geguckt.“

Elf Jahre lang wurde der Quattro damals gebaut. Insgesamt wurden laut Braun nur 11452 Stück verkauft. Von den Sport-Varianten, etwa für Rallye-Fahrer, habe es nur 224 Exemplare gegeben. „Es war einfach eine Legende der 80er-Jahre.“

Die Liebe zu der Automarke ist bei Braun geblieben. Als Fahrschullehrer ist er die meiste Zeit des Tages in einem Audi unterwegs. Und auch das Familienauto gehört zu der Marke. „Das erste Auto meiner Eltern, an das ich mich erinnere, war ebenfalls ein Audi.“ Braun hat das geprägt.

Einen Oldtimer kaufen? Das hatte der 45-Jährige eigentlich gar nicht geplant. Vor vier Jahren überkam ihn dann aber doch die Leidenschaft für alte Autos. „Mit einem Freund mache ich jedes Jahr einen Männertag“, erzählt er. 2012 hätten sie den genutzt, um bei einer Oldtimerausfahrt mitzumachen. „Es war vielleicht ein bisschen überstürzt, aber ich habe mir noch im selben Jahr meinen Audi Quattro gekauft“, sagt er. Das Angebot habe einfach gepasst - und es sei sein Traumauto gewesen. Der Audi, Baujahr 1984, war 2012 allerdings noch kein Oldtimer, denn dafür muss ein Fahrzeug 30 Jahre alt sein. „Aber ich habe es mir schon mit dem Ziel gekauft, da zwei Jahre später das begehrte H-Kennzeichen dranzuschrauben.“ Das Nummernschild mit dem H kennzeichnet historische Fahrzeuge - und es ist so begehrt, weil für Oldtimer die Steuer erheblich sinkt.

2014 bekam dann auch Braun sein gewünschtes Nummernschild. „Und wenn man dann mit offenen Augen durch das Dorf geht, sieht man erst, dass es noch viel mehr Liebhaber alter Fahrzeuge gibt“, sagt der Fahrlehrer. Untereinander seien die Autofans dann immer wieder ins Gespräch gekommen. Schließlich konnte Braun mit den anderen Auto-Freunden eine lang gehegte Idee umsetzen: Einen lockeren Oldtimer-Stammtisch. Der hat bewusst keine Vereinsstrukturen, keine Mitgliedsbeiträge. „Es geht darum, sich zu treffen, Kontakte zu pflegen, über Autos und andere Dinge zu reden und gemeinsame Ausfahrten zu planen“, fasst Braun zusammen.

Seit März 2016 gibt es nun offiziell diesen Stammtisch „Fronhausen mit H“. Dabei hat der Name gleich doppelte Bedeutung: Schließlich findet der Stammtisch in der Gemeinde Fronhausen statt, die mit „H“ geschrieben wird. Zugleich zeigt er an, dass sich in dem Ort Menschen treffen, die ein Auto mit H-Kennzeichen haben.

Gemeinsam haben die Oldtimer-Freunde, die derzeit aus einem harten Kern von 15 Teilnehmern bestehen, schon vier Ausfahrten gemacht. Es ging zum Brunch in den Westerwald oder zu dem Oldtimertreffen in Dreihausen. Besonders begeistert spricht Braun aber von der Teilnahme an der Edersee-Trophy: „Wir durften sogar über die Staumauer fahren. Das war schon etwas Besonderes“, sagt er.

Ersatzteile für den Quattro sind nur schwer zu finden

Zum Schwätzen und Erfahrungen austauschen trifft die Gruppe sich etwa alle zwei Monate. Der nächste Stammtisch soll laut Braun Mitte November stattfinden. „Wir treffen uns also auch, wenn die Autos zur Salzzeit im Winter wieder in den Garagen verschwinden“, sagt der Fahrlehrer mit einem Lachen. Willkommen seien auch Oldtimer-Freunde aus der gesamten Region. Oftmals kämen unbekannte Gesichter vorbei und bereichern den Stammtisch. „Wir ziehen keine Mauer um Fronhausen. Jeder darf vorbeikommen. Es geht uns ja schließlich auch um die Geselligkeit.“

Wichtigstes Gesprächsthema bei den Treffen: Die Schätze auf vier Rädern. Wo gibt es passende Ersatzteile für eine bestimmte Automarke? Kann jemand Elektronik reparieren? Und gibt es einen guten Sattler in der Nähe, der die Sitze aufbereiten kann? „Bei vielen Automarken ist es sehr schwer, Ersatzteile nachzukaufen“, erklärt Braun. Bei Audi sei es fast unmöglich, neue Ersatzteile zu bekommen. „Bei Mercedes oder Porsche oder den alten Ami-Autos ist das kein Problem. Die haben einen tollen Service für Oldtimer-Liebhaber.“ Ersatzteile würden da noch produziert. „Bei anderen Marken tun sich manchmal mehrere Leute zusammen, um ein Ersatzteil, das sie alle brauchen, in einer kleinen Serie neu auflegen zu können. Aber das ist sehr teuer.“

Und was ist das Tolle am Oldtimer? „Es ist noch Autofahren pur“, sagt der Fahrlehrer. „Das ist noch richtig Autofahren wie früher. Das kann man sich heute mit den modernen Autos gar nicht mehr vorstellen.“ Obwohl auch sein Oldtimer schon Servolenkung, Klimaanlage und anderen modernen „Schnickschnack“ hat, sei das Fahrgefühl eben noch deutlich anders. „Und man kann unterwegs mit einer Werkzeugkiste, Klebe­band und Geduld noch viel selbst reparieren.“ Ein weiterer Pluspunkt: „Man ist nie lange alleine“, sagt er lachend. Wenn er nur kurz auf dem Afföller parkt, kommen gleich viele Menschen vorbei, gucken das Auto an, stellen Fragen. „Und ich quatsche gerne mit anderen. Mir macht das richtig Freude.“

Wenn Braun nicht mit seinem Kindheitstraum auf vier Rädern unterwegs ist, fährt er übrigens Motorrad. „Fahren liegt mir einfach“, sagt der 45-Jährige.

von Patricia Grähling

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