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Ein Geburtsjahr voller Erfindungen

Geburtstag vor 150 Jahren Ein Geburtsjahr voller Erfindungen

Für die Welt der Nachrichten war das Jahr 1866 sehr ereignisreich: Nicht nur der Vorläufer der Oberhessischen Presse erschien erstmals. Die Frankfurter Zeitung wurde im selben Jahr verboten und neu aufgelegt.

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Peter Mitterhofer erfand die erste funktionierende Schreibmaschine. Er nutzte Typenhebel, um ein gleichmäßiges Schriftbild zu erzeugen.Foto: Pavel Krok

Quelle: Pavel Krok

Marburg. Bis eine Zeitung druckfrisch im Briefkasten oder am Kiosk liegt, ist eine Menge Arbeit erforderlich. Viel Technik und noch mehr Menschen sind an der Produktion beteiligt. Das war in der Geschichte der Zeitungen schon immer so. Doch einige Erfindungen erleichterten es Redakteuren und Druckern immer mehr, Nachrichten schnell und zuverlässig in die Zeitung und zum Leser zu bringen. Einige dieser wichtigen Erfindungen kamen im selben Jahr auf den Markt wie die Oberhessische Presse. Und auch bekannte große Firmen wurden im selben Jahr gegründet.

- Die Schreibmaschine: Vorläufer der Schreibmaschine gab es schon einige. Der österreichische Tischler Peter Mitterhofer gilt allerdings als der Erfinder der ersten funktionierenden Schreibmaschine. Er stellte seine Konstruktion aus Holz im Dezember 1866 am Kaiserhof in Wien vor. Mitterhofer sah die Vorteile darin, dass ein Schreiben schneller aufgesetzt werden könne. Zudem sei die Schrift immer gleichmäßig, schön und deutlich. Auch Papier werde gespart: Handschriftliche Texte benötigen laut dem Erfinder vier Mal so viel Platz wie getippte Texte. Auch hoffte Mitterhofer, dass mit der Schreibmaschine auch blinde Menschen schreiben könnten.

Zeitung machte sich über Erfindung lustig

Am Kaiserhof war man offenbar nicht so begeistert von der Erfindung des Tischlers, der seine Maschine aus Südtirol über die Alpen herbeitrug. Er bekam keine Anerkennung, nur einen Ehrensold in Höhe von 200 Gulden. Seine Erfindung durfte er wieder mit nach Hause nehmen - ohne Unterstützung für eine Serienproduktion. Die „Innsbrucker Nachrichten“ machten sich sogar über die Erfindung lustig: Sie forderten eine Denkmaschine, die mit der Schreibmaschine verbunden werden könne, um so Schulen unnötig zu machen.

Zehn Jahre später wurde die erste „Remington & Sons“-Schreibmaschine in Amerika in Serie produziert und wurde ein Verkaufsschlager. Schriftsetzern in den Druckereien wurde die Arbeit damit deutlich erleichtert: Mitterhofer hatte recht behalten, dass die Schrift deut­licher und schneller lesbar ist als die Handschriften der Redakteure und Autoren.

- Nachrichtenagenturen: Die ersten Nachrichtenagenturen gab es schon vor dem Erscheinen der Oberhessischen Zeitung. In den Niederlanden entstand 1833 die erste. Aber im selben Jahr wie die OP in Marburg ging auch die Nachrichtenagentur Ritzau in Dänemark an den Start. Erik Nikolai Ritzau gründete sie. Heute ist sie die größte unabhängige Nachrichtenagentur in Dänemark. Bereits am ersten Tag nach der Gründung der Agentur mit Sitz in Kopen­hagen druckten die Zeitungen der Stadt erste Nachrichten von Ritzau ab.

Noch heute arbeiten Nachrichtenagenturen nach dem alten Prinzip: Sie beliefern die Redaktionen verschiedener Zeitungen, Internet-Medien, aber auch den Rundfunk, mit Nachrichten aus Deutschland und der ganzen Welt. In Deutschland ist die Deutsche Presse-Agentur Marktführer unter den Nachrichtenagenturen. Mit ihrer Gründung im Jahr 1949 ist sie aber deutlich jünger als die Oberhessische Presse.

- Dynamo: Der Dynamo ist noch heute wichtig für die Stromerzeugung und damit für nahezu sämtliche Bereiche des modernen Lebens. Auch eine Druckerei benötigt Strom. Erfunden wurde der Dynamo ebenfalls 1866. Werner von Siemens entdeckte das dynamoelektrische Prinzip.

- Frankfurter Zeitung und Handelsblatt: Der Vorläufer der Frankfurter Zeitung kam als „Frankfurter Geschäftsbericht“ 1856 auf den Markt. Ab 1859 erschien das Blatt als „Neue Frankfurter Zeitung“ drei Mal an jedem Werktag und einmal am Sonntag. Als Preußen im Juli 1866 Frankfurt besetzte, wurde die Zeitung allerdings verboten. Das Verbot wurde jedoch umgangen: Das Unternehmen wich nach Stuttgart aus und belieferte die Kunden dann mit der „Neuen Deutschen Zeitung“. Drei Monate später erschien die „Frankfurter Zeitung und Handelsblatt“ wieder in der hessischen Stadt.

- Nestlé: Mit Zeitung, Technik und Druck hat dieses Unternehmen nichts zu tun. Mit Nestlé wurde aber der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern im gleichen Jahr gegründet wie die Oberhessische Presse.

Der Frankfurter Henry Nestlé arbeitete damals in der Schweiz als Apotheker und gründete dort sein Unternehmen. 1867 erfand der Apotheker ein lösliches Milchpulver, das Säuglingen als Ersatz für Muttermilch diente. Nur acht Jahre später verkaufte er sein Unternehmen komplett.

von Patricia Grähling

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