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Ein Feinmechaniker im Mais-Labyrinth

Das wäre mal eine(r) Ein Feinmechaniker im Mais-Labyrinth

Irrwege voller Rätsel und Informationen über die Landwirtschaft: Familie Rhiel hat ein abwechslungsreiches Maislabyrinth am Fuße der Amöneburg geschaffen. Bei Kindern kommt das gut an.

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Viele Wege und Irrwege führen durch den Mais bei Mardorf. Und mittendrin hat Alexander Rhiel Infotafeln mit Wissenswertem aus der Landwirtschaft und Stempel für ein Gewinnspiel versteckt.

Quelle: Patricia Graehling

Mardorf. Zwei Meter hoch steht der Mais auf dem großen Hof zwischen Mardorf und Amöneburg. In einem Teil des Feldes verbirgt sich ein Mais­labyrinth. Ein Schild weist auf den Eingang hin. Dann geht es für die Besucher auf rund 1,5 Hektar Feld durch die grünen Irrwege. Landwirt Alexander Rhiel hat bereits im vierten Jahr ein Labyrinth angelegt, das allen Besuchern offen steht.

Die Idee dazu hatte sich schon vor mehr als zehn Jahren im Kopf des heute 40-Jährigen eingenistet. „Ich kannte das vom Edersee“, erzählt er. Außerdem habe er als Kind gerne im Mais gespielt. Vor vier Jahren habe seine Frau Kathrin ihn dann ermuntert, die Idee endlich umzusetzen. Das ließ sich der Landwirt nicht zweimal sagen und setzte die Idee in die Tat um: Bei der Aussaat lasse er schon die Wege frei, die er sich vorher ausgedacht habe. „Das geht kreuz und quer“, verrät er. Deswegen müsse seine Frau beim Anlegen der Wege und Sackgassen helfen - „einer muss ja den Überblick behalten, wenn ich die Eckpunkte ablaufe“. Das sei die meiste Arbeit, weswegen die junge Familie das sonntags mache. Wenn der Mais dann etwa zehn Zentimeter hoch gewachsen sei, entferne er alle Pflanzen, die auf den Wegen wachsen. Und dann heißt es: Warten. Seit vier Jahren regelmäßig am 1.August öffnet das Labyrinth am Fuße der Amöneburg dann seine Tore und bleibt bis zur Ernte Anfang Oktober für Besucher Tag und Nacht offen.

Unter dem Eingang steht Kathrin Rhiel und hält Nachwuchs Joris auf dem Arm. Der junge Mann ist noch zu klein, um sich ins Labyrinth zu wagen. Auf Mamas Arm schaut er sich aber mit großen Augen um, während sie erklärt: „Hier sitzt niemand und kassiert den Eintritt. Das läuft auf Vertrauensbasis.“

Im Irrgarten warten Rätsel und Wissen auf Besucher

Der Eintritt kostet für Kinder 1,50 Euro, für Erwachsene 2,50 Euro. Dafür bekommen die Familien auch mehr geboten, als Irrwege durch den Mais. „Sonst wäre man hier in 15 Minuten durch“, sagt die 32-Jährige. Deswegen habe sich das Paar eine Art Rallye ausgedacht: Am Eintritt gibt es Karten, auf denen Platz für Name und Adresse ist - und für sechs verschiedene Stempel. Die müssen die Besucher in den Winkeln und Sackgassen finden. Da seien die Besucher schon mal länger unterwegs: Manche bräuchten eine halbe Stunde, andere suchen drei Stunden lang. „Manche finden auch nicht gleich alles und kommen an einem anderen Tag wieder.“ Im Oktober verlose die Familie Rhiel nämlich immer einige kleine Preise unter den Teilnehmern.

Aber es gibt auch Wissen zu finden: An Infotafeln mit Bildern und kurzen Texten bekommen die Irrläufer Wissen über Themen aus der Landwirtschaft vermittelt: Wo kommt die Milch eigentlich her? Wie werden Schweine gehalten? Und welche Getreidearten gibt es?

Wie viele Besucher wirklich kommen? Das weiß die Familie nicht so genau. Es seien aber mindestens 500 bis 700 Gäste im Jahr. „Und es macht uns richtig Spaß, weil wir so viel positive Rückmeldung bekommen“, sagt der Landwirt. Darunter bekommt das Paar auch immer viele Anregungen und Tipps und versucht diese, im nächsten Jahr dann umzusetzen. So gab es in der Vergangenheit auch schon eine Gruselnacht im Labyrinth. „Da fragen uns die Kinder heute noch nach“, sagt Kathrin Rhiel. Eine solche Aktion mache viel Arbeit, deswegen biete das Paar es nicht jedes Jahr an. Aber nächstes Jahr solle wieder etwas Besonderes auf dem Plan stehen - immerhin gebe es das Labyrinth dann zum fünften Mal. „Alle Ideen gleich umsetzen, geht einfach nicht. Dafür fehlt die Zeit“, sagt Alexander Rhiel. Schließlich sei er jetzt seit fast zehn Monaten stolzer Vater - „und Joris will ja auch beschäftigt werden“.

Alexander Rhiel hat 2002 die Landwirtschaft seines Vaters übernommen - bis dahin machte er das nebenbei. „Dieses Jahr habe ich den Schritt in den Vollerwerb gewagt“, verrät der gelernte Feinmechaniker. Die Arbeit sei zu viel geworden, um sie nebenbei zu machen. „Also musste ich mich entscheiden.“ Da schmiss Rhiel seinen sicheren Job im Metallbau, um sich dem Hof zu widmen. Bereits 2014 habe er nebenberuflich eine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Und mit dem Hobby sei er schon aufgewachsen - so wie sein Sohn Joris jetzt auch mit dem Landleben groß werde.

Rhiel widmet sich nur dem Ackerbau - Tiere, so wie sein Vater, wolle er nicht halten. „Ich will auch mal Urlaub machen“, sagt er und lacht. Denn für Tiere müsse er sieben Tage in der Woche da sein. Über zu wenig Arbeit kann Rhiel sich dennoch nicht beklagen: Er bewirtschaftet alleine 60 Hektar Land. „Davon kann man aber keine Familie ernähren“, erklärt er. Die Preise seien einfach schlecht - nicht nur für Milch. Deswegen hat er sich ein zweites Standbein geschaffen: Als Lohnunternehmer arbeitet er auch für andere Landwirte und übernehme Aussaat und Pflanzenschutz für diese. „Ich habe die Maschinen dafür und so ergänzt sich das gut.“ Umgekehrt ernte er seine Pflanzen nicht selbst, sondern hole dafür einen Lohnunternehmer, der die passenden Maschinen habe. „Im Metallbau kann man sein Geld einfacher verdienen. Aber das hier macht mehr Spaß.“ Er sei täglich in der Natur, sehe die Pflanzen wachsen und könne die Früchte seiner Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes ernten.

von Patricia Grähling

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