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Ehemaliger Baudezernent baut weiter

Was macht eigentlich...? Ehemaliger Baudezernent baut weiter

Dr. Jürgen Gotthold war bis 1997 Stadtrat und Baudezernent in Marburg. Heute beschäftigt sich der ­Anwalt mit Baurecht und hat etwa den Neubau des Frankfurter Waldstadions begleitet.

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Marburg. Als Baudezernent der Stadt Marburg hat Jürgen Gotthold in seiner zwölfjährigen Amtszeit viele Bauprojekte begleitet. Seit fast 20 Jahren hat er dieses Amt nun schon nicht mehr inne - Bauprojekte begleitet der Rechtsanwalt aber immer noch.

In Marburg und in Berlin studierte Gotthold in den 60er- Jahren Rechtswissenschaften, machte das Staatsexamen. Anschließend studierte er in Frankreich einige Semester französisches Recht, bevor sich in Marburg noch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften anschloss.

Von 1971 bis 1973 arbeitete er dann für das Bundeskartellamt in Berlin als Marktbeobachter, bevor es ihn zurück nach Marburg zog. Fünf Jahre war er in der Universitätsstadt als Amtsleiter im Amt für Bauplanung und Stadtentwicklung tätig, promovierte nebenbei 1976 in den Rechtswissenschaften. Es folgte wieder ein Berufswechsel: Von 1978 bis 1985 lehrte der heute 73-Jährige an der Universität in Bremen öffentliches Recht und Wirtschaftsrecht.

Schließlich kam der Sozialdemokrat als Stadtrat zurück nach Marburg: Bis 1997 war er dann Dezernent für Stadtentwicklung, Stadtplanung, für das Bauwesen und die Wirtschaftsförderung. „In der Zeit habe ich viel gelernt, was mir heute noch hilft“, sagt der Anwalt.

Denn nachdem der Dezernent damals von Egon Vaupel im Amt abgelöst wurde, konzentrierte er sich zwar wieder auf seine Tätigkeit als Anwalt - nahm aber auch seine Erfahrungen aus dem Bauwesen mit. „Ich habe mich auf Baurecht und Projektsteuerung spezialisiert. Das lag nahe“, sagt Gotthold heute.

Mittlerweile begleitet er vor allen Dingen für öffentliche Träger verschiedene Bauprojekte - egal ob Klinken, Fußballstadien oder Feuerwachen. „Da ist es gut zu wissen, wie Kommunalpolitik funktioniert“, erklärt der Marburger. So habe er als Stadtrat nicht nur viel über Bauplanung gelernt, sondern vor allen Dingen einiges über das Einordnen und Begleiten der politischen Prozesse. Das wiederum half dem Anwalt sehr gut, als er 1999 die Projektsteuerung des Frankfurter Waldstadions, der heutigen Commerzbank-Arena, übernahm. Für die WM 2006 in Deutschland sollte das Stadion in neuem Glanz erstrahlen.

Komplett aus der Politik zurückgezogen

„Es ging darum, ob das Stadion abgerissen und neugebaut wird oder ob eine Sanierung ausreicht“, erklärt Gotthold. Dafür habe er zunächst Ausschreibungen für potenzielle Pächter formuliert. „So haben wir herausgefunden, ob es wirtschaftlicher ist, das Stadion zu sanieren oder komplett neu zu bauen“, erläutert er. Denn: „Eine Sanierung kostet weniger, bringt aber auch weniger Pacht ein“.

Aufgrund der Angebote potenzieller Pächter sei dann klar gewesen, dass ein Neubau wirtschaftlicher für Frankfurt sei. „Und dann habe ich die Ausschreibungen und Bedingungen für den Bau formuliert. Bis ein Generalunternehmer gefunden wird, ist das ein langer Prozess“, sagt Gotthold.

Als das Stadion endlich stand, war die Arbeit des Marburgers noch lange nicht beendet: „Dann musste ich noch hier und da Mängel beheben lassen. Dazu haben manche Firmen nicht immer Lust, wenn sie mit der Baustelle eigentlich schon fertig sind“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Der Marburger Politik hat Gotthold unterdessen komplett den Rücken zugekehrt. „Die Leute sollten nicht sagen können, dass der Alte immer noch reinredet“, sagt der heute 73-Jährige. Daher habe er das öffentliche Geschehen in seiner Heimat nicht kommentiert und sich darüber nur in der Zeitung informiert.

Ohnehin ist die Zeit des Marburgers knapp bemessen, denn er begleitet immer wieder große Bauprojekte. „Das Baugeschehen wird immer mehr verrechtlicht, daher ist juristisches Wissen für einen Projektbegleiter nicht verkehrt“, führt Gotthold aus. So habe etwa der Großmarkt am Bad Homburger Kreuz viele juristische Probleme mit sich gebracht, die Gotthold lösen musste. „Die Grundstücke gehörten nicht der Stadt und die Besitzer mussten zum Teil enteignet werden“, sagt der Anwalt. Weil der Zeitplan sehr knapp gewesen sei, habe der Bau schon begonnen, während die Enteignungsverfahren noch liefen.

Mit seiner Arbeit könne der Sozialdemokrat aber auch Herzensangelegenheiten umsetzen und Menschen helfen. Derzeit arbeitet er für Frankfurt an dem Bau von Flüchtlingsunterkünften. „Es entspricht meinem politischen Verständnis, da mitzuhelfen und so schnell wie möglich viele Wohnungen zu schaffen.“ Auch die Sicherheit stehe im Vordergrund und so begleite er - auch für die Stadt Frankfurt - den sukzessiven Neubau der Feuerwachen. „Gerade entsteht die Wache neben dem Nordwest-Zentrum“, erklärt er seine Arbeit.

Spannend sei für ihn auch die Planung für den Bau der Deutschen Botschaft in Washington DC in den USA gewesen. „Ich habe nur im Vorfeld geholfen und habe mit dem Beginn der eigentlichen Baumaßnahmen das Projekt abgegeben. Sonst hätte ich für die Bauzeit nach Washington fliegen müssen“, erklärt er. Zu Beginn der Planungen sei er dort gewesen, um sich ein Bild von den Gegebenheiten zu machen. „Geplant habe ich dann komplett von Deutschland aus.“

Gotthold soll Korruption bei Klinikbau verhindern

Stiller Beobachter hingegen ist er seit Herbst 2009 beim Neubau einer Klinik in Bremen. „Ich bin unter anderem dafür verantwortlich, Korruption zu verhindern“, sagt der Marburger. So habe er den kompletten Bauprozess nur beobachtet, musste auch in einem Untersuchungsausschuss der Bremischen Bürgerschaft aussagen. Dieser untersuchte die jahrelangen Verzögerungen beim Neubau. Spannend sei dies schon, gibt Gotthold zu. Spannender sei es jedoch, selbst etwas zu entwickeln, statt anderen dabei nur auf die Finger zu schauen.

von Patricia Grähling

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