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Durch den Sport um die Welt gereist

Das wäre mal einer Durch den Sport um die Welt gereist

Arne Schumann gehört zu dem Trainergespann der SSG Blista-Fußballmannschaft. Zuvor hat er schon viele Jahre sehbehinderte Leichtathleten trainiert. Aber wie lange er dem Verein noch erhalten bleibt, ist unklar.

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Neben seinem Studium engagierte sich Arne Schumann im Sport für blinde und sehbehinderte Menschen.

Quelle: Patricia Grähling

Cappel. Als Student kam Arne Schumann nach Marburg. Eigentlich stammt er aus Gardelegen bei Magdeburg. „Ich wollte schön weit weg von daheim studieren“, verrät der frischgebackene Lehrer. Halle, wo er auch eine Zusage hatte, sei ihm da viel zu nah gewesen.

„Ich habe mich hier von Anfang an sehr wohl gefühlt – nicht zuletzt auch durch die Blista“, erklärt Schumann. Er kam im Winter 2008 in die Stadt, um Sport und Geschichte auf Lehramt zu studieren.

Sportlich war der 28-Jährige schon immer: „Ich war früher Leichtathlet“, verrät er. Schumann ist Weltrekordhalter im Ultra-Mehrkampf, also einem 20-Kampf. „Leichtathletik wurde mir in die Wiege gelegt“, sagt der Sportler.

Selbst beim TSV Elnhausen gekickt

Mit seinem älteren Bruder habe er im heimischen Verein schon früh trainiert. „Für mich als aktives Kind war das gut. Meine Mutter war froh, wenn ich kaputt und müde vom Training wiederkam.“ Auf Leistung sei der Sport bei ihm nie ausgelegt gewesen – sondern auf die sportliche Betätigung selbst und auf die Gemeinschaft: „Ein Sportverein ist eben mehr als nur Sport treiben.“

Als Schumann dann nach Marburg kam, begann er auch damit, gegen den Ball zu treten. „Ich dachte, dass man für den Sportunterricht schon Fußball können sollte.“ Über eine Anzeige in der OP stieß er dann zum TSV Elnhausen, wo er bis ins vergangene Jahr gekickt hat. „Mittlerweile bin ich in Friedensdorf“, erzählt der junge Lehrer. Heute sei er mehr Fußballer als Leichtathlet – auch bei der Blista.

Dabei hat den Gardelegener zunächst vor allem die Leichtathletik in Marburg begleitet: „Am gleichen Tag, an dem ich mein Examen gemacht habe, hatte ich an der Uni meine erste Veranstaltung durch meinen neuen Lehrauftrag für Leichtathletik“, sagt er mit einem Lachen.

Bei der Blista machte Schumann 2009 zunächst ein Praktikum, war dort in ein Theatersportstück eingebunden. „Dadurch kam ich als Co-Lehrer zur Blista“, erklärt Schumann. Denn dort sei es normal, dass der Sportlehrer von Studenten unterstützt werde.

„Man muss nur mehr absprechen“

Wegen seines Referendariats in Bad Laasphe musste der 28-Jährige diese Stelle jedoch aufgeben. „Dabei war es ein toller Job. Ich habe schon vor dem Referendariat viele Erfahrungen im Unterrichten gesammelt und viel spezielles Wissen angeeignet.“ Zudem habe er viele Klassenfahrten mitgemacht, etwa nach Venedig oder Sankt Petersburg. „Als Student kann man sich das sonst nicht leisten.“ Stress sei es nie gewesen, schließlich habe er das Schöne mit Arbeit verbinden können.

Zugleich habe er die Leichtathletikgruppe bei der SSG Blista wieder aufleben lassen. Aber auch dieses Engagement sei der mangelnden Zeit wegen des Referendariats zum Opfer gefallen. Fünf Jahre trainierte Schumann die sehbehinderten Sportler und hat viele deutsche Meister hervorgebracht. Es gibt jedoch einen Wermutstropfen: „Ich habe leider niemanden zu den Paralympics schicken können, weil meine Sportler noch sehr jung waren.“

Erfahrungen mit dem Training habe er schon in der Jugendarbeit seiner Heimat gesammelt. „Und es ist nicht anders, sehbehinderte Menschen zu trainieren“, erklärt er. „Man muss nur mehr absprechen, bereden, was die Sportler sehen können – statt einfach für sie zu entscheiden.“ Das habe ihn aber deutlich redefreudiger gemacht.

Immer noch gehört der 28-Jährige zum Trainergespann der Fußballmannschaft der SSG Blista ( Foto: Michael Hoffsteter). Trainer Oliver Einloft habe ihn dazugeholt, als er noch dessen Co-Lehrer im Sportunterricht war. Zusammen mit Manfred Duensing, Peter Gößmann und Sebastian Schleich trainiere er die jungen Kicker. „Ich bin so fasziniert vom Blindenfußball, dass ich dabei geblieben bin.“ Mehrere Meistertitel habe die SSG Blista sich seither geholt – so auch in diesem Jahr.

Mit seinen Erfahrungen hat Schumann sich auch innerhalb der Sportjugend Hessen eingebracht: „Ich war in einer Expertenrunde zur Weiterbildung von Trainern, die inklusiv tätig werden wollten“, erklärt er. Aus eigener Praxis habe er viel berichten können und sei so selbst zum Referenten geworden.

Ob der engagierte Schumann sich weiter in Marburg und in Hessen für den Sport engagieren kann, steht derzeit aber noch in den Sternen. Er hat gerade erst sein Referendariat abgeschlossen, weiß noch nicht, wo es dann hingeht. „Ich muss ja auch schauen, wo ich eine Stelle bekomme“, erzählt er. Daher könne es gut sein, dass er auch zurück in den Osten gehe – und sich dort weiter engagiere.

von Patricia Grähling

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