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"Die Zeit muss man sich nehmen"

Das wäre mal eine(r) "Die Zeit muss man sich nehmen"

Günther Böth will die ­Vergangenheit für zukünftige Generationen ­erhalten. Daher engagiert er sich besonders für das Heimatmuseum in Großseelheim - mischt aber auch in anderen Projekten im Ort kräftig mit.

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Das Heimatmuseum ist ein einem liebevoll herausgeputzten Gebäude im Ortskern untergebracht. Darin finden sich etwa alte Gebrauchsgegenstände, wie eine Schreibmaschine (kleines Foto).

Quelle: Patricia Graehling

Großseelheim. Schief sind die Holzböden, die bei jedem Schritt knarren. Die Treppe in das obere Stockwerk ist sehr steil. Die Decken sind so niedrig, dass selbst kleine Menschen hier und da den Kopf einziehen müssen. Die kleinen Zimmer sind vollgeräumt und erinnern an alte Zeiten: massive Schränke, große Truhen mit Schnitzereien, alte Trachten und feines Geschirr. In jeder Ecke atmet das Haus inmitten von Großseelheims Geschichte aus. Es ist das Heimatmuseum, das jedes Jahr viele Besuchergruppen anzieht.

Viel Arbeit steckt in dem Gebäude. Mehr als 8000 Stunden Eigenleistung haben die Mitglieder des Heimat- und Verschönerungsvereins eingebracht, um in den 80er-Jahren ein altes, leerstehendes Haus in ein solches Kleinod zu verwandeln. Mit dabei war damals schon Günther Böth. Er half als einfaches Mitglied. Mittlerweile führt er seit 20 Jahren als Vorsitzender die Geschicke des Vereins.

„In dem Wohnhaus und dem Tennengebäude stellen wir das dörfliche Leben zwischen 1900 und 1920 dar“, sagt Böth. Als er den Vorsitz übernahm, sei die Tenne noch ein Lagerraum gewesen. Unter seiner Regie entstand daraus 1997 der Versammlungsraum, der heute auch gerne für kleine Familienfeiern angemietet wird.

Neben der ständigen Ausstellung im Museum plant die Gruppe rund um Böth kleine Wechselausstellungen oder besondere Events. So gibt es beispielsweise eine kleine Gruppe Frauen, die im Raum über der Tenne an alten Webstühlen Schals und Tücher herstellt - und die Produkte dann ausstellt und verkauft.

Heimatverein freut sich über Nutzer für Backhaus

Zum Museum gehört auch ein Backhaus, in dem die Mitglieder für Feste im Dorf frisches Brot backen. Böth bedauert jedoch, dass sich bislang keine Gruppe gefunden habe, die den „Backes“ regelmäßig nutze. Er selbst engagiere sich so für den Heimatverein, weil er den nächsten Generationen zeigen will, wie das dörfische Leben früher einmal war. „Ich will das Wissen weitergeben“, erklärt er. Das gelte nicht nur für Trachten und Schlafzimmereinrichtung, sondern auch für das Brotbacken.

In den Händen des Vereins liegt auch die Betreuung der Grillhütte, die der Verein 1979 ebenfalls in Eigenleistung gebaut hat. Im Frühjahr packen die Mitglieder samt Böth alle Jahre wieder tatkräftig an, um sie für die Saison herzurichten. „Im Sommer ist sie jede Woche vermietet“, sagt Böth. Auch im Herbst hat Böth dort mit seinen Helfern einige Tage zu tun, um die Hütte wiederum winterfest zu machen.

Außerdem engagiert der Verein sich für die farbenfrohen Blumenbeete im ganzen Dorf. Die werden an einem Aktionstag im Mai gepflanzt. „Dann suchen wir Paten, die die Blumen bis in den Herbst gießen.“ Böth selbst zeichnet für die blühende Pracht am Ortsausgang Richtung Marburg verantwortlich.

„Mir macht es einfach Spaß, dass ich mit so vielen Menschen zu tun habe“, sagt der Vorsitzende über seine Motivation für die vielen Aufgaben. „Manchmal überlege ich schon, wofür ich das alles mache. Aber es ist es einfach wert, dass man sich engagiert.“ Daher wünscht er sich vor allen Dingen motivierte junge Mitglieder für den Heimatverein. „Wir sind doch stark überaltert.“

Der Architekt bringt sein berufliches Wissen auch gerne in die Dorfgemeinschaft ein. So ist er im Gemeindeausschuss der Kirche und berät den Kirchenvorstand in baulichen Fragen. Außerdem gehört er zum Organisationsteam des Adventsmarktes. „Die Idee für den Markt kam aus dem Vorstand unseres Heimatvereins“, sagt Böth. Der Verein habe sich eine weihnachtliche Beleuchtung für den größten Kirchhainer Stadtteil gewünscht - die musste allerdings bezahlt werden. „Seit 2008 machen wir daher den Markt - und der ist eingeschlagen wie eine Bombe.“ Weihnachtsdeko habe die Dorfgemeinschaft sich damit ausreichend kaufen können.

Auch wenn es in den vergangenen Wochen kaum weihnachtlich war, plant Böth mit seinen Mitstreitern schon wieder für den nächsten Markt. „Gerade sind wir im Endstadium“, verrät er. In den ersten Jahren habe er die Aussteller noch selbst organisiert. „Das ist am Anfang sehr schwer. Viele Handwerker wollen nicht zu einem neuen Markt kommen.“ Mittlerweile fragten viele Händler schon von sich aus zum Jahresanfang an, ob sie einen Stand aufbauen dürfen. Der frühere Fachdienstleiter Hochbau der Stadt Marburg freut sich über den Erfolg, hat sich aber auch aus dem Planungsteam etwas zurückgezogen - denn viele jüngere Menschen standen in den Startlöchern und waren bereit, die Arbeit zu übernehmen.

Böth engagiert sich auch außerhalb von Großseelheim, etwa im Marburger Techniker-Verein und im Verein „Menschen für Kinder“ in Staufenberg. Letzterem helfe er seit 1997 bei Benefizveranstaltungen für krebskranke Kinder. „Ich war damals Blutspender im Klinikum und habe dort über den Verein gelesen“, erklärt er. Sofort wollte er sich für die „sozial gute Sache“ selbst engagieren.

Beim Laufen einige Probleme lösen

Weil Böth mittlerweile in der ruhigen Phase der Altersteilzeit ist hat er viel Zeit für sein Engagement. „Zeit hatte ich auch vorher, denn die muss man sich einfach nehmen“, betont der vor mehr als 40 Jahren Zugezogene aus Niederwalgern. Heute habe er eben mehr Zeit, auch schon tagsüber Dinge zu erledigen. Auch Zeit für sich selbst nehme er sich gerne: „Ich bin sehr aktiv im Radsport. Wenn es geht, bin ich immer auf zwei Rädern unterwegs“, sagt er mit einem Lachen. In seiner „jungen, wilden Zeit“ sei er viele Radrennen gefahren. Gerne jogge er aber auch. „Morgens ganz früh im Wald - da kann man am besten entspannen“, sagt er. Und dabei könne er sehr gut nachdenken. Viele Lösungen für bauliche Probleme im Berufsleben seien ihm beim Laufen eingefallen. „Man läuft mit Problemen los und kommt mit Lösungen zurück“, erklärt er seine Faszination für den Sport.

von Patricia Grähling

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