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Die Tracht ist ein Lebensgefühl

Das wäre mal eine(r) Die Tracht ist ein Lebensgefühl

Andere Kleidung, anderes Lebensgefühl - für Christoph Marburger geht es bei der Trachtengruppe Wollmar um soviel mehr als nur um das Tanzen.

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Christoph Marburger zeigt stolz die kunstvoll verzierten Trachten und eine Kopfbedeckung für junge ledige Frauen (kleines Foto), die zur Sammlung des Vereins gehören.

Quelle: Sonja Achenbach

Wollmar. Es ist warm, sehr warm. Mehr als 30 Grad zeigt das Thermometer - und das im Schatten. Christoph Marburger hat es sich trotzdem nicht nehmen lassen, eine Tracht anzuziehen. Schwarze Hose, besticktes weißes Leinenhemd und dazu eine schwarze Weste mit aufwendiger Blumendekoration. Wirklich luftig ist das nicht. Aber er möchte nicht nur was über Trachten erzählen. Es wird schnell klar, dass dies für den 26-jährigen Christoph Marburger nicht nur ein beliebiges Kleidungsstück ist. „Es macht mich stolz, einen Teil dazu beizutragen, dass Brauchtum nicht vergessen wird“, sagt er.

Als Vorsitzender der Trachtengruppe Wollmar steht er mit diesem Anliegen mittlerweile in vorderster Reihe. Angefangen hat alles mit einem Tanzkurs. Die Schritte saßen schnell so gut, dass Marburger auf Festen gleich selbst loslegte. Und das fiel auf. 2007 führte ihn sein Talent das erste Mal zum Training der Trachtengruppe. Ein erster Schritt in eine neue Welt, die viel mehr ist, als nur tanzen. Es ist seine Art, Wurzeln zu festigen und so der Zukunft entgegen zu treten.

Im März 2015 nahm er die Wahl zum Vorsitzenden an. Gemeinsam mit Ann-Kathrin Seipp und Marina Schmidt trainierte er da schon vier Jahre die Kindergruppen. Insgesamt vier Stunden investiere er in der Woche für die Trachtengruppe. Nach kurzem Zögern setzt er die Zahl dann doch auf sechs Stunden hoch. So genau hat er darüber noch nie nachgedacht. Andere Sachen sind ihm wichtiger: „Der Zusammenhalt ist etwas Besonderes.“ Christoph Marburger nennt diesen Punkt immer wieder. Es ist eben nicht nur das Tanzen. Es sind die Menschen. „Ich habe dadurch viele Freundschaften geknüpft. Mit den meisten hatte ich zuvor absolut keinen Kontakt.“ Einige fahren sogar regelmäßig gemeinsam in den Urlaub.

Die Freizeit haben Trachtenträger früher bestimmt auch schon zusammen verbracht. Das Kleidungsstück war schon damals Teil eines Lebensgefühls. Spinnstuben und historische Hochzeitszüge gehörten dazu. Ein alltägliches Kleidungsstück eben. Keine Verkleidung. Entsprechend gibt es Trachten für den Alltag, für besondere Feierlichkeiten, für besonders hohe Temperaturen.

Trachten lagern in einem alten Fachwerkhaus

Heute lagern in einem alten Fachwerkhaus die Kleidungsstücke der Trachtengruppe. Eine enge Wendeltreppe führt hinauf. Alte Spinnräder stehen in den Fenstern. Oben ein Raum voll mit Schränken. Röcke hängen außen. Hinter einer Schranktür Weste neben Weste. „Bestimmt 50 Trachten haben wir hier“, erzählt Marburger. Für einen Neuling wirkt es eher wie einhundert. Jede einzelne Tracht, egal ob für Kinder, Männer oder Frauen, besteht aber auch aus vielen Einzelteilen. Verschiedene Kopfbedeckungen, Tücher, Röcke, Westen, Hemden, Broschen, Hosen und vieles mehr. Überall Farben, Muster und Stickereien.

Hier und da sind ovale Kisten zu sehen. Mit Blumen und Sprüchen nach traditioneller Art verziert. Einige selbst gemacht, andere aus Nachlässen. Die Trachten sind alle aus Spenden. Meist Nachlässe. „Es ist wichtig, dass wir so etwas überlassen bekommen“, betont der Vorsitzende der Trachtengruppe. Viele würden die Sachen nicht abgeben, stattdessen in Schränken lagern. „Viel zu schade“, ist er überzeugt. Auf Spenden aus der Region sind Vereine wie die Trachtengruppe Wollmar angewiesen, denn Röcke, Westen und die anderen Bestandteile sind von Region zu Region unterschiedlich. Nur wenn den Mitgliedern der Trachtengruppe ausreichend Material zur Verfügung gestellt wird, kann bewahrt werden, was einmal Teil des alltäglichen Lebens war.

von Sonja Achenbach

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