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"Die Küche ist zum Tanzen da"

Das wäre mal eine(r) "Die Küche ist zum Tanzen da"

Bewegung hält fit - das zeigt Anni Wagner täglich vielen Senioren als Übungsleiterin bei Tanz und Gymnastik. Sie selbst denkt mit fast 80 Jahren noch lange nicht an den Ruhestand.

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Anni Wagner und ihr Mann Heinrich sind seit 60 Jahren verheiratet. Sie gehen jede Woche gemeinsam tanzen und halten sich so fit.

Quelle: Patricia Graehling

Wittelsberg. Anni Wagner stand kurz vor einer Operation, als sie wusste, dass sie in ihrem Leben etwas ändern möchte. Als sie den Eingriff erfolgreich überstanden hatte, blätterte sie in der Zeitung und sah eine Anzeige, die sie sofort ansprach: „Es wurden Übungsleiterinnen für Gymnastikgruppen gesucht“, erinnert sich die 79-Jährige. „Ich wusste gleich, dass ich genau das machen möchte.“ Also ließ die gebürtige Leiden­hoferin sich ausbilden - und ist bis heute glücklich über diese Entscheidung. „Ich wollte Menschen froh machen durch Bewegung. Das tut uns allen gut.“

Zunächst leitete Wagner dann auch Gymnastikgruppen. Irgendwann kam sie über eine Freundin zu der Seniorentanzgruppe der Volkshochschule - aber als Tänzerin. „Ich hatte das vorher einmal gesehen und dachte mir immer, dass ich das nie machen möchte“, erinnert sie sich mit einem Lächeln. Sie ging dann doch mit und ist seither geblieben. „Der erste Tanz war der Schneewalzer. Eine Frau spielte ihn auf dem Klavier“, sagt sie. Ihr Mann war damals noch nicht dabei. Das sei aber kein Problem gewesen: „Die Tänze sind so konzipiert, dass man nicht mit einem festen Partner tanzt und nie einer übrig bleibt, egal wie viele Personen mittanzen“, erklärt Wagner. Überhaupt seien fast nur Frauen in der Tanzgruppe dabei, was Anni Wagner komisch findet: „Irgendwie trauen die Männer sich nicht so richtig.“

Das Tanzen ist ein Jungbrunnen

Wagner war noch nicht lange bei der vhs-Gruppe dabei, da übernahm sie diese schon als Leiterin von ihrer Vorgängerin. Mittlerweile tanzt auch ihr Mann Heinrich Wagner mit. ­Ansonsten sei nur noch eine Frau von „anno dazumal“ dabei. „Leider geht das Leben vorbei“, sagt sie mit einem traurigen Lächeln. Die Gruppe sei seit 1989 dennoch gewachsen: Sie besteht zurzeit aus 22 Frauen und zwei Männern.

Anni Wagner lacht viel, wenn sie über ihr Leben und über das Tanzen spricht. „Wir haben nie Ärger in den Gruppen und sind eigentlich immer fröhlich, wenn wir vom Tanzen nach Hause kommen“, erzählt sie. Für die 79-Jährige ist das Tanzen ein Jungbrunnen, der Kopf und Körper fit hält und noch dazu glücklich macht. „Und man muss doch jeden Tag genießen, der einem geschenkt wird“, sagt sie, während sie in ihrem Garten sitzt. Den pflegt sie gerne und mit viel Liebe. So hat sie hinter dem Haus eine grüne Oase geschaffen, in der sie Vogelgezwitscher lauschen und den Duft und die Farben der Blumen genießen kann.

Und Anni Wagner tanzt viel. „Das A und O bei uns ist der fröhliche Kreis. Wir tanzen aber auch in Blöcken“, erklärt sie. Dabei gehe es schon mal sehr flott zu, denn die Seniorentanzgruppe probiere sich gerne an Tänzen aus der ganzen Welt. Neben dem Walzer und dem Rock‘n‘Roll dürfe da auch der Tango nicht fehlen. „Dabei fällt mir gerade ein, dass wir auch lange keinen Samba mehr getanzt haben“, verrät Wagner. Derzeit tanze die Gruppe etwa den La Cucaracha aus Spanien.

Bevor Wagner mit ihrer Gruppe einen neuen Tanz einstudiert, probiert sie ihn mit ihrem Mann daheim in der Küche aus. „Das ist der einzige große Raum ohne Teppich“, erklärt Wagner. „Und auf Teppich kann man eben nicht gut tanzen.“ Also werde der Raum oftmals zum Tanzsaal umfunktioniert. „Bei uns ist die Küche eben zum Tanzen da“, sagt Anni Wagner immer.

"Tanzen ist einfach unser Leben"

An einen Ruhestand denkt die Übungsleiterin noch lange nicht: „Eigentlich habe ich immer gesagt, das ich mit 80 Jahren aufhöre“, sagt sie. Nun stehe der runde Geburtstag kurz bevor - ans Aufhören mag Anni Wagner aber nicht denken. „Das halte ich nicht aus“, gesteht sie ein und ihr Mann lacht. Schließlich halte das Tanzen das Paar gesund und beweglich. „Tanzen ist einfach unser Leben“, sagt die gebürtige Leidenhoferin. Sie lernte ihren Tanzpartner übrigens beim Tanzen auf einer Kirmes in Wittelsberg kennen. 60 Jahre ist das Paar nun schon verheiratet, freut sich über vier Kinder, elf Enkel und einen Urenkel. Die Enkel sangen dann auch bei der diamantenen Hochzeit „Ihr zwei bringt die Welt zum Tanzen.“

Neben der Familie und der Tanzgruppe hat Anni Wagner noch zwei Gymnastikgruppen im Grundtreff und leitet weitere in Hachborn und Dreihausen. Auch bei der Planung des Grundtreffs in Wittelsberg hat sie sich von Beginn an eingebracht, hat dort zur Eröffnung mit ihrer Gruppe getanzt und übt dort jede Woche. In Marburg tanzt sie zudem mit einer Gruppe in einem Seniorenheim.

Anni Wagner selbst hat mit 48 Jahren das erste Mal das Tanzbein in einer Seniorentanzgruppe geschwungen. Heute ist ihre jüngste Tänzerin Anfang 50, die älteste bereits 91 Jahre alt. „Viele von ihnen haben ein schweres Leben. In der Gruppe tanken sie dann auf und finden Zusammenhalt nach persönlichen Unglücken.“ So sei es auch wichtig, dass die Tänze ohne Partner getanzt werden können - denn das Ehepaar Wagner wolle auch Alleinstehenden Gemeinschaft bieten, in der sie neue Freunde kennenlernen können.

Die Seniorentanzgruppe tanzt dienstags von 14 bis 16 Uhr im Grundtreff in Wittelsberg. Neue Tänzer aller Altersklassen sind willkommen und können sofort in die Gruppentänze einsteigen. „Ich habe mehr als 1000 Tänze im Repertoire und suche immer die aus, die zu der ganzen Gruppe passen“, verspricht Wagner.

von Patricia Grähling

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