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Der heimliche Chronist von Dreihausen

OP-Jubiläumsserie: Das wäre mal einer Der heimliche Chronist von Dreihausen

Wer wissen will, wer am 
4. Mai 1980 beim VfL Dreihausen im Tor gespielt hat, der ist bei Kurt Peil an der richtigen Adresse. Denn der sammelt seit 
38 Jahren alle Zeitungsartikel, die mit seinem Sportverein zu tun haben.

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Kurt Peil schreibt die Chroniken des VfL Dreihausen mithilfe der OP: Zu jedem Spieltag notiert er ­eigenhändig die Aufstellung. Daneben kleben die Berichte aus der Zeitung.

Quelle: Patricia Grähling

Dreihausen. Die Familie Peil hat eine Gaststätte in Dreihausen. Dort spielt sich ein großer Teil des gesellschaftlichen Dorflebens ab. Vieles bekommt Gastwirt Kurt Peil erzählt, wenn die Gaststätte voll ist – vieles kann er seinen Gästen aber auch erzählen. Denn er liest die Oberhessische Presse jeden Tag sehr sorgfältig und sammelt alle Artikel, die mit Dreihausen zu tun haben.

Wenn die Fußballer des VfL Dreihausen also mal wieder zur Spielersitzung im Schankraum sitzen und sich fragen, wer früher mal für die Mannschaft gekickt hat oder wann die alte Turnhalle abgerissen wurde, läuft Kurt Peil in sein Arbeitszimmer und blättert in seinen Chroniken. „Manchmal gebe ich den Spielern die Chroniken. Die blättern sie dann lachend durch und wundern sich, wie sie selbst früher ausgesehen haben.“

Seine inoffiziellen Chroniken führt der Dreihäuser seit der Fußballsaison 1977/78. Zu jedem Spiel schreibt er die Mannschaftsaufstellung auf, notiert Tore und Einwechslungen. Daneben kleben dann fein säuberlich aus der OP ausgeschnitten die zugehörige Tabelle und der Spielbericht.

Die Artikel aus der Zeitung klebt Peil in linierte Schulhefte. „Die bringe ich dann am Ende einer Saison zum Binden“, erklärt er. In seinem Regal im Arbeitszimmer stehen nun schon zahlreiche dicke, rote Einbände nebeneinander. Die ersten Chroniken sind noch klein und schwarz. „Mit der Zeit wurden die Bücher dann immer dicker“, erklärt der Hobby-Chronist. Seit vergangenem Jahr muss er nun sogar jeweils zwei Bücher pro Saison binden lassen.

„Ich habe irgendwann angefangen, alles zu sammeln, was mit Dreihausen zu tun hat“, sagt der Gastwirt. So hat er kürzlich erst in sein Heft eingeklebt, dass die Feuerwehr den Bezirksentscheid gewonnen hat.

Ebenso hebt er Artikel über das Backhausfest oder die Bürgermeisterwahl auf. Auch Hochzeiten, über die berichtet wurde, hat er aufgehoben. „Aber die sind immer seltener in der Zeitung“, hat Peil den Eindruck.

„Ich schneide auch die nicht so schönen Dinge aus, die hier passieren“, erklärt Peil. „Die gehören schließlich auch dazu.“ So hat er etwa Berichte über einen Hof, der in der Nähe des Gasthauses abgebrannt ist und einen Artikel über einen Flugzeugabsturz vor 21 Jahren.

Für Peil ist das Sammeln der Artikel rund um Dreihausen ein Hobby geworden. „Wenn man einmal so was angefangen hat, dann kann man nicht mehr loslassen“, erzählt er. So sitzt er dann jeden Abend am Tisch und schneidet die Artikel über den Sportverein, den Gesangverein, Feste und Unfälle und die Politik aus. Damit muss er nämlich warten, bis alle anderen Familienmitglieder mit der Zeitung fertig sind.

„Manchmal muss auch meine Cousine aushelfen oder die Nachbarin“, erklärt er. Denn manchmal stehe auf der einen Seite eines Blattes ein Bericht über die erste Mannschaft des VfL – und auf der Rückseite der Text über die Reserve. „Und dann brauche ich zwei Ausgaben.“

Die zerschnittenen Exemplare dürfen bei Peil übrigens auch noch längst nicht in die Papiertonne. Die stapelt er vier bis fünf Wochen in der Waschküche. „Manchmal muss ich noch etwas nachschlagen, von dem ich genau weiß, dass es in der Zeitung stand“, erklärt er.

Abgeschaut hat Peil sich sein zeitaufwendiges Hobby bei seinem Vater: „Er hat damals schon die Mannschaftsaufstellungen notiert.“ Die stehen fein säuberlich aufgeführt in kleinen Schulheften, teilweise aus den 50er-Jahren.

Daneben – aus den 60er-Jahren – hat Peil eigene kleine Hefte. Die hat er selbst gefüllt mit den Ergebnissen und Tabellen seiner Jugendspiele. „Knaben-Punktrunde“ steht in ordentlicher Schrift auf der ersten Seite. Peil schwelgt sofort in Erinnerungen und berichtet von Jugendtraining unter der Leitung von Jochen Dietrich: „Einmal hat uns sogar der Bundestrainer Helmut Schön zugeschaut.“

Jochen Dietrich habe sich in den vergangenen Jahren dann auch oft die Chroniken von Peil ausgeliehen. „Er hatte immer das Stadionheft von Dreihausen gemacht und gerne alte Artikel und Tabellen aus meinen Büchern dafür kopiert.“ Das passiere mittlerweile nicht mehr. Dennoch sammelt Peil weiter die Berichte rund um Fußball und das gesellschaftliche und politische Leben.

Für seine Sammelleidenschaft macht Kurt Peil sich auch oft viel Arbeit: „Wir fahren jetzt in den Urlaub. Dann ist Ebsdorfergrundpokal und die ersten Punktspiele fangen an“, erklärt der Gastwirt aus Dreihausen. Sein Sohn müsse ihm dann die Mannschaftsaufstellungen aufheben und natürlich die Tageszeitungen. „Dann sitze ich eben mehrere Abende einige Stunden an meinem Tisch und arbeite alles auf“, erklärt Peil mit einem Lachen, das vermuten lässt, dass er gar nicht so traurig über die Arbeit ist.

von Patricia Grähling

In seinen Büchern hat Kurt Peil auch viele Berichte über das Jubiläum des VfL Dreihausen 1984: Neben der OP schrieb auch die „Bild“-Zeitung über das Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Fotos: Grähling
 
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