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Der Treuhänder der Ernährung

Eine(r) von hier Der Treuhänder der Ernährung

Die Karriere von Alexander Müller hat in Marburg begonnen. Der Ex-Stadtrat wurde Staatssekretär in Hessen und Berlin, heute berät er 
die Vereinten Nationen.

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Am 6. März 2006 berichtete die OP über Alexander Müllers Wechsel zur Welternährungsorganisation.

Quelle: Archiv

Marburg. Viele Karrieren, die im Laufe der Zeit nach Berlin oder sogar ganz Europa führten, begannen in Marburg. So ist es auch bei Alexander Müller (Foto: Giulio Napolitano). Er studierte Soziologie an der Philipps-Universität, beendete sein Studium 1985 mit dem Diplom.

Von 1985 bis 1992 war er dann hauptamtlicher Stadtrat in Marburg. Damals zeichnete der Grünen-Politiker Müller für die Bereiche Umwelt und Soziales verantwortlich. Außerdem war er Vorsitzender des Gremiums städtischer Versorgungsbetriebe – also unter anderem für die öffentlichen Verkehrsmittel und die Wasserversorgung. Allerdings wurde er abgewählt, als die rot-grüne Koalition zerbrach. Müller trat den Grünen 1982 bei, damals war er 27 Jahre alt. Von 1983 bis 1985 arbeitete er für den Bundestagsabgeordneten Hubert Kleinert, bevor er selbst sein Amt als Stadtrat in Marburg übernahm.

1992 ging es für Müller dann nach Wiesbaden. Dort wurde er Staatssekretär im hessischen Ministerium für Jugend, Familie und Gesundheit. Er blieb nur drei Jahre und wurde dann Abgeordneter im Landtag. Bis 2001 hatte er dort einen Sitz für die Grünen inne. In dieser Zeit war er zudem Fraktionsvorsitzender und brachte sein Wissen ein in den Umweltausschuss, den Finanzausschuss und den Ausschuss für neue Medien. „Als Roland Koch gewählt wurde, war es für uns eine Wahlniederlage“, erklärt Müller. „In der Politik ist es ganz normal, dass der Fraktionsvorsitzende an der Niederlage mit Schuld ist und gehen muss.“

„Wenn ein Minister geht,
 geht sein Staatssekretär“

Nach seiner Zeit als Abgeordneter in Wiesbaden ging der ehemalige Marburger Student nach Berlin. Er arbeitete bis 2005 als Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. „Damals war gerade die BSE-Krise“, erklärt Müller. Er habe mit dem Thema bereits Erfahrungen gesammelt, die neue Ministerin Renate Künast habe ihn daher an ihrer Seite haben wollen.

2006 wechselte der heute 61-Jährige wiederum den Posten. Horst Seehofer wurde neuer Minister im Landwirtschaftsministerium. „Und wenn ein Minister geht, dann geht sein Staatssekretär meistens mit“, sagt Müller. Er war dann einige Jahre für die Vereinten Nationen tätig – unter anderem als beigeordneter Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen in Rom (FAO), wo er für die Abteilung Management natürlicher Ressourcen und Umwelt verantwortlich zeichnete. Bei seiner Arbeit ging es etwa um die Themen Energie und Klimawandel.

„Das war eine sehr spannende Zeit“, erklärt der frühere Marburger Student. „Politik auf internationaler Ebene ist fundamental anders, als auf Bundesebene.“ Denn: Auf Bundesebene gebe es klare Linien zwischen den Fraktionen, es gehe um Mehrheiten. Auf dem internationalen Parkett hingegen gehe es um Konsens – im Fall der FAO musste Müller 193 Mitgliedsländer überzeugen. „Da kann es durchaus sieben Jahre dauern von der ersten Idee bis zum Beginn der Umsetzung.“ Aus privaten Gründen nahm Müller dann 2013 eine Auszeit. „Die Arbeit dort war toll, vielleicht wäre ich sonst heute noch dort“, sagt er.

Von 2013 bis 2016 war der 61-Jährige dann am Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam (IASS). Seit Juli 2013 ist er zudem Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung, hat im Februar dieses Jahres die Leitung einer globalen UN-Studie zum Thema „The Economics of Ecosystems and Biodiversity for Agriculture and Food“ übernommen. „Es geht um die Frage, welche Kosten unser Ernährungssystem in Zukunft hat.“ Dabei gehe es darum, wie die Menschheit ernährt werden könne.

Grundstein für Karriere in Marburg gelegt

Um Ernährung geht es auch in einem weiteren Amt, das Müller ausfüllt: Er betreut Saatgut von gefährdetem Pflanzgut im Saatgut-Tresor in Spitzbergen. Zum Schutz der Artenvielfalt wird dort Saatgut aus aller Welt eingelagert. „Wir sind sozusagen die Treuhänder für die Ernährung der Menschheit in der Zukunft“, erklärt Müller.

Seine Karriere verdankt Müller seinen politischen Anfängen in Marburg, zeigt er sich sicher. „Dort gab es die erste rot-grüne Koalition. Das war der Einstieg der Grünen in Regierungsverantwortung“, erklärt er. Er habe also Erfahrung mit Kommunalpolitik gesammelt und auch mit der Flüchtlingsunterbringung Anfang der 90er-Jahre in Marburg. Zudem sei er im hessischen Städtetag gut vernetzt gewesen. „Das alles hat mir den Job im Ministerium verschafft.“

Noch heute bringe Müller seine Erfahrungen aus Marburg ein: „Bei neuen Beschlüssen oder auch auf den Klimakonferenzen sage ich oft, dass man das kommunal so gar nicht umsetzen kann. Das ist ein großer Erfahrungsschatz“.

Marburg hat Müller trotz weltweiter Reisen nie ganz vergessen: „Ich habe noch viele Verbindungen politischer und persönlicher Art und komme regelmäßig vorbei“, sagt er. So sei er immer noch Mitglied bei den Marburger Grünen. „Das sind meine Wurzeln und bei denen bleibe ich auch.“

von Patricia Grähling

 
Zur Person

Name : Alexander Müller

Geboren : 5. Mai 1955

Was macht er jetzt? Er leitet eine UN-Studie

Kommt er noch vorbei? Er hat noch politische und freundschaftliche Verbindungen und schaut regelmäßig vorbei.

O-Ton : „In Marburg gab es die erste rot-grüne Koalition. Das war der Einstieg der Grünen in Regierungsverantwortung.“

 
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