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Der Laden, in dem das Glück entsteht

Das wäre mal eine(r) Der Laden, in dem das Glück entsteht

Eigentlich hatte Armin Weis gar nicht geplant, Holzblasinstrumentenbauer zu werden - heute hat er einen eigenen Laden. Kunden aus ganz Deutschland und den Nachbarländern vertrauen ihm ihre Instrumente an.

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Armin Weis hat die Musik zu seinem Leben gemacht: Seit acht Jahren repariert, verbessert und verkauft er Holzblasinstrumente in seinem eigenen Laden in Cappel.

Quelle: privat

Cappel. Vorsichtig hält Armin Weis ein Saxophon in der Hand, überprüft die Klappen und Dichtungen, testet den Klang. Das Instrument hat ein junger Mann aus der Schweiz nach Marburg gebracht, damit der Holzblasinstrumentenbauer es aufbereitet. Das Saxophon wurde 1971 gebaut. „Es ist also noch relativ jung“, sagt Armin Weis, der zwischen zahlreichen kleinen Werkzeugen sitzt. Denn häufig kümmert er sich um noch ältere Schätzchen, die meisten 60 bis 70 Jahre alt.

„Ich restauriere gerne alte Instrumente“, sagt Weis, einer von wenigen Spezialisten in Deutschland. Sein ältestes Saxophon stammt aus dem Jahr 1937. Es steht mit anderen „Oldtimern“, wie er sie liebevoll nennt, in einem Regal - etwas weniger glänzend als die neuen Saxophone, die das Zentrum der Werkstatt bilden und dort um die Wette blitzen.

Auch wenn sie weniger glänzen: Die wahren Schätze sind meist doch die alten Instrumente: „Die sind freigeblasen. Durch die vielen Schwingungen, denen sie im Laufe ihres Lebens ausgesetzt sind, entwickeln sie einen breiteren Ton, klingen ausgewogener“, erklärt Weis. Deshalb seien die alten Instrumente nicht nur oftmals teurer, als ganz neue Saxophone - „es sind auch keine Sammlerstücke, die in der Vitrine stehen. Sie werden von Profimusikern gespielt.“

„Ich bin Perfektionist mit einer Null-Fehler-Toleranz“

Weis ist jede Woche 60 bis 70 Stunden in seiner Werkstatt in Cappel. Gerade ist Mittagspause - die er nutzt, um während Reparaturen nicht ans Telefon gehen zu müssen. Nach einer Stunde kommen aber schon wieder Kunden aus ganz Deutschland - um ihre Instrumente für Reparaturen oder Generalüberholungen vorbeizubringen. In einigen Tagen hat die erste Altsaxophonistin des WDR in Köln einen Termin um sich ein neues Instrument auszusuchen.

Gerade dieser Moment, wenn ein Musiker sein neues Instrument findet, ist für Weis immer wieder ein ganz besonderer: „Es ist für die Musiker ein emotionaler, einzigartiger Moment, den sie nie vergessen. Es ist etwas feines, wenn man jemanden mit seinem Instrument wieder nach Hause schicken kann.“

Das Aussuchen begleitet Weis immer mit seinen Ohren. Denn wer ein neues Saxophon sucht, könne nicht alle Instrumente im Laden testen. „Ich höre heraus, was das richtige Instrument für den Musiker sein könnte und suche ihm welche zum Ausprobieren aus.“ So komme man der Sache langsam näher. „Und wenn der Musiker sein Instrument gefunden hat, dann höre ich es und er merkt es selbst auch. Die Art, wie man spielt, ändert sich dann.“

Um das passende Instrument für den Kunden herauszuhören muss Weis alle Saxophone und auch Klarinetten in seinem Laden kennen. Und das tut er wortwörtlich in- und auswendig: Jedes neue Instrument bessert er nach, tauscht Leder, Filz und Kork. „Es ist viel organisches Material in einem solchen Instrument. Das arbeitet - gerade bei einem Transport.“ Deshalb verschickt Weis auch nichts per Post, lässt alle Kunden zu sich nach Cappel kommen. „Ich bin Perfektionist und habe eine Null-Fehler-Toleranz“, begründet er. Deswegen müssen die Instrumente, die seine Werkstatt verlassen, perfekt klingen.

Außerdem will Weis die neuen Instrumente perfekt individuell an deren neue Besitzer anpassen: auf die Handgröße, auf die Art zu spielen. „Manche spielen impulsiver und drücken die Klappen fester. Da muss ich die Klappen härter einstellen“, erklärt der Instrumentenbauer.

„Musik macht mein Leben aus“, sagt Weis heute und wirkt dabei glücklich und entspannt. Dabei hatte er gar nicht geplant, die Musik zu seinem Leben zu machen: Mit 15 Jahren habe er in der Bigband des deutschen Turnerbundes gespielt, lernte dabei einen Musikinstrumentenbauer kennen. Der besorgte ihm eine Lehrstelle in Gelnhausen, wollte ihn nach der Lehre einstellen. „Ich hatte mich schon für die elfte Klasse angemeldet, aber Schule war blöd“, erinnert er sich zurück. Das Angebot sei für den Pfälzer genau richtig gekommen. „Es hat vom ersten Tag an Spaß gemacht.“

Nach Marburg verschlug es Weis dann 1987. Er hatte geheiratet, war gerade Vater geworden, als ein Musikgroßhandel in Marburg einen Produktmanager suchte. Weis bekam den Job und arbeitete 19 Jahre im Management und der Geschäftsführung - bis er keinen Spaß mehr daran hatte. „Ich habe meinen Laden aufgemacht mit dem Vorsatz, den Rest meines Lebens nur noch schöne Dinge zu tun. Das hat funktioniert.“ Acht Jahre ist das nun her und Weis ist spürbar glücklich mit dem Entschluss. Glücklich damit, kleine Notfall-Reparaturen zu machen für Musikstudenten, die kurz vor der Prüfung stehen. Glücklich damit, eine Generalüberholung älterer Instrumente zu übernehmen - die Warteliste dafür reicht derzeit schon bis Ende 2017. Glücklich damit,dafür zu sorgen, dass die Musik gut klingt. „Hier im Laden gibt es viele Glücksmomente“, sagt Weis. Sowohl für ihn, als auch für die Kunden.

Weis lebt und musiziert selbst in Erfurtshausen. „Ich spiele alles, was hier so rumsteht“, sagt er. Schließlich müsse er täglich die Instrumente testen, an denen er arbeitet. Sein Lieblingsinstrument sei die Klarinette: „Mit ihr habe ich angefangen, als ich acht war“, erklärt er. Aussuchen durfte er sie nicht: „Mein Vater hat mir und meinen vier Geschwistern Instrumente zugeteilt.“ Die große Schwester lernte Geige, der jüngste Bruder spielt sogar beruflich die Posaune. „Wer weiß, wohin die Reise gegangen wäre, wenn ich Schlagzeug gelernt hätte.“

von Patricia Grähling

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